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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1854-04-10 · Heft 15 (10.4.1854) · p. Seite 176

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
18 (1854)
Issue
Heft 15 (10.4.1854)
Date
1854-04-10
Page
Seite 176 (sequence 2)
Language
German
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176 zu machen? Diese Gleichstellung muß nothwendig factisch neue Einrichtungen nach sich ziehen, werden diese auch Lei den Juden statt Haben? werden die Juden sich Hinein leben? werden Türken, und — offen gesagt — die wenig unterrichteten Chachams ste nicht verhindern wollen?... In der That ist mit -dem bloßen Nicht-Ausschluß aus dem Wortlaut des provisorischen Tractats wohl viel, aber, wenn die Sache nicht energisch verfolgt wird, doch nur wenig gewonnen. Es muß daher noch sehr Vieles geschehen, soll überhaupt Etwas geschehen sein. . . Wir glauben übrigens im Stande zu sein, bald Weiteres mitzutheilen. Das Judenthum und der Islam. Die gespannte Aufmerksamkeit, welche die den Islam bekennenden Völker in der Gegenwart abermals auf sich gezogen haben, das Interesse, welches hierbei die unter dem mohamedanischen Zepter wohnenden Juden in Anspruch nehmen, kann uns wohl veranlassen, einen prüfenden Blick auf das Verhältniß beider Religionen zu einander zu werfen. Daß der Islam aus dem Judenthume hervorgegangen, daß er eine Emission „der religiösen Idee," welche der Mosaismus dem Heidenthum gegenüber in die Welt gebracht hat, ist und zwar für das Morgenland, wie das Christenthum für das Abendland, ist bekannt In Arabien, namentlich um Mekka und Medina und in diesen Städten selbst wohnten viele freie jüdische Stämme, welche sogar eine Zeit lang ein eigenes Königreich bildeten, und zeichneten sich auch durch geistige Regsamkeit aus*). Einen Lehrer und Führer hatte Mohammed in einem Vetter seiner Gattin, Waraka Jbn-Naufal, der eine längere Zeit das Judenthum bekannte, einige Stücke der Bibel in's Arabische übersetzt hatte, besonders aber in Abraham den reinsten Gotteshelden erkannte. Dem gegenüber waren die Araber in Götzenthum versunken, Sabäismus, Magismus, Verehrung der Nothwendigkeit und anderes mannichfaltiges Heidenthum war verbreitet. Der Islam entstand also nicht im Schooße des Judenthums selbst, aber er stellte sich auf den Boden des Judenthums, und nahm dessen Grundlagen zu seiner Grundlage**). Der Islam *) S. Jüd. Volksblatt Nr. 28. **) Das Folgende ist ausgezogen aus der achten Vorlesung in un serer Schrift: Die Entwickelung der relinahm den obersten Grundsatz der religiösen Idee rein und unverfälscht) auf, bildete aber, sobald ey sich von diesem Hittfernts>^das heidnischeElement auf's Cpnsequenteste'durch,/und kehrte^ nicht wiederaußer in äußerlichen Momenten, zur religiösen Idee zurück. Die Hauptlehre des Islams ist: das Bekenntniß des einzigen, einigen, ewigen, allwissenden, allmächtigen Und unkörperlichen' Gottes, der die Welt-durch seinen Willen aus Nichts geschaffen. Diese aus dem Judenthume geschöpfte Lehre stellt Mohammed ganz nach der Bibel dar, und^. erzählt die Schöpfungsgeschichte wesentlich nach der Schrift. Der Islam erkennt diese Lehre eines einzigen überweltlichen Gottes, dessen Werk die Welt ist, als seinen Eckstein und hauptsächlichen Inhalt, und hält sie in voller Schärfe aufrecht. Von hier aus war. er natürlich der Gegensatz des arabischen Heidenthams, und verschaffte der religiösen Idee einen vollen Sieg über dasselbe) aber er trat deshalb auch als Gegensatz gegen die damals schon gänzlich entwickelten christlichen Dogmen auf, die jene Lehre modificirt hatten, weshalb Mohammed im Koran sehr häufig gegen diese Dogmen polemifirt, während er dies nie gegen das Judenthum, wenn auch sehr oft gegen die Juden thut, weil sie ihm widerstanden. Je weniger aber in dieser Lehre der Islam Gegensatz des Judenthums war, desto, mehr suchte Mohammed, einen solchen durch den Glauben an ihn selbst zu begründen.^ „Es giebt nur einen Gott, und Mohammed ist sein Prophet," dies ist der entscheidende Grundsatz, wer diesen bekennt, ist ein Moslem, ein Gläubiger, wer nicht, und wenn er auch einen einzigen Gott bekennt, ein Ungläubiger. Von diesem Satze aus nahm der Islam eine entschiedene Wendung. Die Gerechtigkeit des Menschen kann nun durchaus nicht in seinen Handlungen liegen, sondern allein im Islam, d. i. im Glauben an Gott und Mohammed. Der Ungläubige ist auf ewig verdammt, der Gläubige aber, sobald er das Gesetz erfüllt, wird selig, und wenn er eS nicht erfüllt, wird er vierhundert Jahre lang bestraft, und gelangt dann zu den unteren Graden der Seligkeit *). Eine weitere Folg» giösen Idee im Judenthume, Christenthume und Islam. Leipzig, 1847. ,*) Im Koran heißt es; „Gott spricht: auch den Ungläubigen will ich speisen, aber nur mit Wenigem und ihn dann verstoßen in das Höllenfeuer." „Den Ungläubigen hat Gott eine schmachvolle Strafe bestimmt.^ „Sie find Genossen des Höllenfeuers und werden ewig darin bleiben." .

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