Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 18 (1854)
- Issue
- Heft 14 (3.4.1854)
- Date
- 1854-04-03
- Page
- Seite 169 (sequence 7)
- Language
- German
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zuth eilen; eS darf daher unser Purim nicht zurückstehen. Giebt es doch kein Fest, Vas so populär wäre, wie dieses. Wem ist nicht die Megilla bekannt? Wem sind nicht die Personen, die darin Vorkommen, ganz geläufig, während von dem Chanukahseste zumeist nur Mathatias bekannt ist. Purim wird auch noch gefeiert. Jeder macht sich gern einen frohen Tag. Dazu kommt ja noch, daß die noblen Bälle hier beim Christen: auch in den Fasten statkfinden. Eines Balles aber will ich Erwähnung thun, der im Szanto'schen Mädcheninstitute stattfand.' Ich bin am allerwenigsten geneigt, dem Sinnenrausch und Reiz das Wort zu reden z eben so - weit entfernt aber bin: ich, das asketische Leben zu empfehlen. Es hat das: nie gute Früchte getragen. Der Vorstand des Institutes, der keine Kosten scheuet, tüchtige Lehrkräfte zu gewinnen, scheuet auch die Kosten nicht, den Zöglingen Freude zu bereiten. Ich. gestehe sogar aufrichtig, daß nach meinex Ansicht diese Purimfeste für spätere Zeit religiöse Reminiscenzen zurücklaffen dürften, und eS hat die Freude noch einen höhern Zweck. Bevor aber die Jugend sich in die brausenden Tanzwellen stürzte, ließ Herr Deutsch, Director des israelitischen Taubstummeninstitutes, von einigen seiner Zöglinge eine Scene aus dem bekannten Drama: Der Abbs de l'Epüe in der To n spräche äufführen. Wir wissen, daß demjenigen, der nicht gewohnt ist, mit Taubstummen umzugehen, der Eindruck ein unangenehmer sein "mag; da man. es doch nie dahin bringen kann, den Unglücklichen die Artikulation beizubringen; aber eben so gewiß ist eS, daß Herr Deutsch das Größtmöglichste leistet. Ad vocem des BalleS berichte ich sogleich von einem Concerte, daS der siebenjährige Knabe Ellinger heute im Mustkvereinssaale gegeben. Ich glaube, selbst die verehrliche -,Kreuzzeitung^^ wird den Juden nicht streitig machen wollen, daß ste Talent haben. Unterstützt wurde derselbe von dem k. k. Kammer- und Hosopernsänger Ander und von Fräulein Würzburg, k. k. Hofschauspielerin, welche ebenfalls unserem Stamme angehört und zu den ersten Schauspielerinnen' des BurgtheaterS gezahlt wird. 'Vom Herrn vr. Goldenthal ist ein Catalog der hebräischen Handschriften der k. k. Hofbibliothek erschienen. ES ist eine Fortsetzung des CatalogeS, den Krafft und Derttsch vor einigen Jahren herausgegeben. Ich' komme wohl darauf zurück/ Für heute bloS die Bemerkung, Herr vr. Goldenthal weiß diejenigen Manuscriptedie er edirt, besonders herauszuheben; während er z. B. bei den Schriften, die vr. M. Letteris herausgegeben, nicht einmal den Namen nennt. C’est qu’on fait l’liistoire. So wird man ein berühmter Mann. Eben kommt mir der eilste Jahresbericht des HandwerkvereineS zu, und ich hebe die erfteulichen Daten heraus. Die Theilnahme des Publicums hat sich gesteigertindem die segensreichen Folgen sich allenthalben zeigen. Die Jahresbeiträge sind von 1541 st. C.-M. auf 2136 fl. C.-M. gestiegen. In ähnlichem Verhältnisse haben sich' auch die andern Zuflüsse erhöht. — Der Stand der Handwerkslehrlinge war zu Ende 1852 neunundneunzig, zu Ende 1853 aber 114. Darunter 28 Tischler, 20 Schlosser, 17 Spängler, 12 Drechsler rc.! Den meisten der ehemaligen Zöglinge, die nun zerstreut nach allen Gegenden der Windrose leben, gehet eS gut, und auch nicht von einem Einzigen ist es bekannt, daß er dem Glauben seiner Väter untreu geworden wäre. CzernotviH, 6. März. (Privatmitth.) Als ich Ihnen letzthin mit der Nachricht über meine Anstellung als Kreisrabbiner ber Bukowina mittelst hohen landesställigen Dekretes zugleich die musterhafte Eintracht der Czernowitzer Gemeinde angepriesen habe, wußte ich noch nicht, daß eine Rotte von Finsterlingen im Stillen ihre schnöden Ränke gegen das Wohl der Gemeinde brütet und durch verunglimpfende und begeifernde Schriften gegen mich und gegen die Gemeinde beim hohen Ministerium und bei Seiner K. K. Majestät Beschwerde führet. Wohl hatte' dies zur merkwürdigen Folge, traf das hohe Ministerium Noch vor meiner Ankunft in Czernowitz die Aufschiebung meiner Beeidung bis zur Erledigung jener Beschwerde verördnete, dessen Ausgang bis jetzt noch nicht erfolgte, aber nicht'lange mehr auSbleiben dürfte. Dessenungeachtet würde man nur schlecht urtheilen, wenn man daraus auf eine'Uebereilung meiner von dieser Gemeinde vorgefaßten Meinung schließen wollte, da ich diese im Gegentheile von der Wirklichkeit noch übertroffen fand/ denn die Zahl der wahren Fanatiker ist im Verhältniß zu der nach Veredelung Strebenden fast verschwindend "gering und besteht größtenteils aus namenlosen Individuen, die weniger aus