Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 18 (1854)
- Issue
- Heft 14 (3.4.1854)
- Date
- 1854-04-03
- Page
- Seite 168 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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168 senund Schlesien.gegen eine Vergütigung von 500,000 Rubeln zum Seedienste ausliefern sollte. Nach dem, was der Warschauer Correspondent der P. Z. hinzufügt, soll bereits ein großer Theil der polnischen Bevölkerung an dieses Gerücht geglaubt und eS erst der amtlichen Presse bedurft haben, um dasselbe zu dementiren und als bloßes Mahrchen darzustellen. -- Eine saubere Gegend das, wo es Menschen giebt, die es für möglich halten, daß heutzutage die HamanS-Geschichte oder das bekannte Purim-Spiel nochmals aufgeführt werden könnte — und die noch dazu so weit gehen, einen jüdischen Kopf nicht höher als zu zehn Rubel Silber anzuschlagen! — Aus Breslau hatte sich neulich die Posener Zeitung schreiben lassen: „daß dort (in Schlesien nämlich) die Schwurgerichte anfangen allmälig einen erheblichen Einfluß auf die Moralität der Verbrecher zu üben," — und ihrerseits hinzugefügt: „daß man auch im Posenschen dieselbe erfreuliche Beobachtung bereits gemacht habe." — Diese Mittheilung und die daran geknüpfte Bemerkung haben aber so harmloser Natur sie auch sind — den „Zuschauer der Kreuz- Zeitung" doch nicht kalt gelassen, sondern ihn vielmehr dermaßen Ln Harnisch gebracht, daß er sich nicht erwehren konnte, in seiner „Patriotischen Blumenlese aus liberalen Zeitungen,^ wie folgt, zu declamiren: „Eine einigermaßen tröstliche Beobachtung bei aller dieser Misöre ist d i e, daß die Zeitungsstimmen, welche die öffentliche Meinung bedeuten sollen, zum großen Theil keine Deutsche, sondern Jüdische sind. Wenigstens hält sich der christliche und, wie man sagt, aristokratische Eigenthümer der Posener Zeitung einen Jüdischen Redacteur." — Was thut nun die Posener Zeitung ihrerseits? Mit welchen Waffen tritt sie, die Angefeindete, gegen den Zuschauer Ln die Schranken? — Sie hält es für „angemessen," bloS auf die letzte Behauptung der Kreuz-Zeitung zu entgegnen, und begnügt sich damit, zu sagen: „daß sie (die Posener Zeitung) seit ihrem langjährigen Bestehen niemals einen verantwortlichen Redacteur gehabt, der nicht der christlichen Religion angehört hätte;" — ferner: „daß der jetzige Redacteur derselben sogar der Sohn eines evangelischen Predigers" — und endlich: „daß sie dies Alles nur erwähne, um zu zeigen, aus wie trüben Quellen die wahrheitsliebende Kreuz-Zeitung ihre Angaben schöpfe" und „daß dieses fromme Blatt (die Kreuz-Zeitung) das achte Gebot (du sollst nicht falsch ZeugNiß Jeden wider deinem Nächsten!) doch besser kennen sollte." — Was uns betrifft, so bleibt uns weiter nichts übrig, als zu bemerken, daß wir, wie viele Andere mit uns/ von der „Posener Zeitung" eine noch ganz andere Abfertigung des Zuschauers erwartet hätten, als die ist, welche sie ihm mit obigen Worten gegeben. Nach diesen hat es allen Anschein, als wäre eS der Posener Zeitung nur darum zu thun gewesen, dem „Zuschauer" zu zeigen, wie irrig er geschaut, wenn er auch sie bisher zu den „liberalen Zeitungen" gerechnet habe. — AuS dem in diesen Tagen veröffentlichten „Berichte deS Corporations-Vorstandes zu Lissa über dessen AmtS-Verwaltung in den letzten drei Jahren" entnehmen wir, daß die Schuldenlast der Gemeinde Lissa, welche Anfangs 1851 beinahe 72,000 Thaler betrug, sich jetzt nur noch auf circa 59/750 Thaler belaufe, und demnach durch den .zeitigen Vorstand während, seiner dreijährigen AmtSthätigkeit die Passiva der Gemeinde um mehr denn 12,000 Thaler vermindert worden. In Posen hat sich neulich aus der Mitte israelitischer Jünglinge ein Verein gebildet, dessen Zweck es ist, „durch exegetische Bibelvorlesungen zum Bibelverständniß zu gelangen." Herr Prediger Pleßner, dessen ausgezeichnete Leistungen im Gebiete der Eregese nicht minder als sein vielseitiges und gründliches Wissen überhaupt bekannt sind, hat sich erboten, in dem gedachten Vereine unentgeltlich „Bibelvorträge" zu halten, und bereitS: mit der „Erklärung der Psalmen Davids" den Anfang gemacht. Man hat die Hoffnung, daß dieser Verein bald eine recht große Anzahl von. Mitgliedern besitzen werde. , Am Sabbath Sachur (11. d. M.) hat ein jüdisches Ehepaar in. Posen (Herr und Frau Filehne) das Fest ihrer diamantenen Hochzeit gefeiert. Die Festpredigt ist von dem direct berufenen Rabbiner Feldblum aus Schmiegel gehalten worden. An der religiösen Feier, welche im Gesellschastshause stattgefunden, hat ein sehr zahlreiches Publicum Antheil genommen. O österr eichisch er Kaiserstaat. Wien, 19. März. (Privatmitth.) Ich habe mir jüngst erlaubt, Ihnen vom christlichen Fasching mit-