Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 18 (1854)
- Issue
- Heft 14 (3.4.1854)
- Date
- 1854-04-03
- Page
- Seite 167 (sequence 5)
- Language
- German
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Stolp, im März. (Privatmitth.) Im Januar d. I. fand Ln Pollnow (Reg.-Bez. Eoeslin) eine eben so seltene als schöne Feier Statt. Herr SalomonK ersten, ein Mann von höchst biederem Charakter, welcher seit dem Jahre 1814 als Stadtverordneter und später als Rathmann mit ächt patriotischem Sinne für die Stadt wirkte und sich stets der allgemeinsten Achtung von Seiten der königlichen Regierung wie seiner Mitbürger erfreute, erhielt in Anerkennung seines langjährigen verdienstvollen Wirkens von Seiten des Magistrats den Titel eines Stadtältesten, und eS wurde ihm von einer Deputation, an der sich die Gerichts- und Stadtbehörden betheiligten, das Diplom überreicht, das in seinem Inhalte schon deshalb eine weitere Veröffentlichung verdient, weil eS den Beweis liefert, daß der Israelit das Vertrauen, womit ihn seine Mitbürger beehren, wohl verdient. Auch die königliche Regierung erkannte in der Wahl deS Magistrats belobend die vielfachen Verdienste deS Herrn Kersten an. — Solche Thatsachen widerlegen am beßten die gehässigen Anschuldigungen und Bestrebungen so Mancher, die den Juden nicht bloS aus allen staatlichen, sondern-auch aus den städtischen Ehrenämtern entfernen möchten. —- K. DaS Diplom lautet: . „Nachdem Ew. Wohlgeboren am 11. August 1812 den Bürgereid für Pollnow geleistet, wurden Sie durch das.'Vertrauen Ihrer Mitbürger im Jahre 1814 zum Stadtverordneten gewählt und haben nach dem Atteste der Stadtverordneten - Versammlung vom 27. December 1830 mit großer Treue und Thätigkeit viele Jahre die Stelle eines Stadtverordneten-Vorstehers verwaltet. Ihre amtliche Thätigkeit in der Stadtverordneten-Versammlung war: in den Jahren 1814/ie resp. als Stadtverordneter und Protocollführer; 1818/23 als Vorsteher; 1826 Protocollführer; 1827/2» Vorsteher und 1830 Vorsteher, so daß, während Sie 13 Jahre dev Stadtverordneten-Versammlung angehörten, Sie in dieser Zeit Neun Jahre als deren Vorsteher berufen waren und bei Ihrem- Ausscheiden ein lobendes Zeugniß Ihrer Thätigkeit erhielten. Aber Sie schieden nicht aus dieser Stelle, um von den städtischen Aemtern entfernt zu bleiben, vielmehr wurden. Sie begleitet von dem vieljährigen Vertrauen dev Stadtverordneten, zum Rathmanne gewählt und erhielten die Bestätigung der König!. Regierung zu Coeslin, durch die Bestallungen vom 28. Oktober 1830 und 15. September 1836, für zwölf auf einander folgende Jahre, vom 7. December 1830/i»42. Auch in Ihren ältern Jahren konnten Ihre Mitbürger Ihre Fähigkeiten , Ihren rechtlichen Sinn und Ihrenregen Eifer für das Interesse der Stadt nicht außer Acht lassen, Sie wurden noch üuf'S Neue zum Rathmanne gewählt, auch von der König!. Regierung bestätigt und haben dieses Amt bereits wieder seit dem 1. Januar 1849 mit Ehren bekleidet, so daß Sie nun schon siebenzehn Jahre Mitglied des hiesigen Magistrats sind, in welcher Zeit Sie auch viele Jahre Mitglied der Armen - Deputation waren und sich mit gewissenhafter Pflichttreue für die Stadtarmett betätigten, welche darum noch jetzt vielfach Ihre Fürsorge auffttchen. Wenn nach §. 156 der Städteordnung von 1808 Sie schon nach neunjähriger Dienstzeit als Rathmann den Titel eines Stadtältesten erworben hatten, so ließ unerachtet Ihrer vieljährigen Amtstätigkeit Ihre Bescheidenheit eine solche Anforderung nicht zu. In Anerkennung Ihrer dreißigjährigen AmtSverwaltung^erscheint eS uns als eine abzutragende Schuldfür die der Stadtgeleisteten Dienste, Sie zum Stadtältesten von Pollnow zu ernennen und Sie um Annahme dieses Titels zu bitten, wobei wir auch gleichzeitig als einen Wunsch bei Beginn dieses neuen Jahres hinzufügen, daß Ihnen die Führung dieses Titels noch lange vergönnt sein möge. Pollnow, den 31. December 1853. (L. S.) Der Magistrat." An den Herrn Kaufmann und Rathmann Salomon Gabriel Kersten Wohlgeboren hier. Aus bet Provinz Posen, den 14. März. (Privatmitth.) Wie die Posen er Zeitung sich (in ihrer Nr. 57) aus Warschau schreiben läßt, war neulich in dieser Stadt das Gerücht verbreitet, der Kaiser von Rußland hätte mit dem Könige von Preußen ein Abkommen getroffen, wonach Letzterer dem. Elfteren. 50,000 Judenknaben aus den Provinzen Po-