Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 18 (1854)
- Issue
- Heft 14 (3.4.1854)
- Date
- 1854-04-03
- Page
- Seite 164 (sequence 2)
- Language
- German
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tem schlimmer sein, als sie jetzt ist. Denn während gegenwärtig die türkischen Juden in ihren Rechten und der . Art, wie sie von den Behörden behandelt werden, den übrigen Nichtmuhamedanern gleich stehen, würden sie nach erfolgter Emancipation der Christen allein als der bloS Geduldeten und unter Ausnahmsgesetzen Stehenden betrachtet werden, sie werden nach wie vor besondere Kopfsteuer entrichten, von Türken wie von Christen auf gleiche Weise verachtet und vielleicht von dem Haß und dem Fanatismus Beider zu dulden haben. Wenn nun die Einflußreichen unter den Juden, he-' sonders in England und Frankreich, ihre Bemühungen dahin richteten, daß die geforderten bürgerlichen und staats-, bürgerlichen Rechte sich nicht bloS auf die Christen, sondern überhaupt auf die Nichtmuhamedaner — Rajahs, wie es der Sultan ja schon ausgesprochen haben soll — erstrecken, so könnten auch die Juden von den bevorstehenden großen politischen Ereigniffen ungeheure Vortheile ziehen. Und sollte die Erreichung dieses Zieles, wenn die vornehmen und reichen Israeliten der genannten Länder das ganze Gewicht ihres Einflusses in die Wagschale legen, unerreichbar sein? Der Kaiser der Franzosen nimmt sich, schon um dem Oheime nachzuahmen, gern, der Juden an, England wird sich nicht widersetzen, und der .Sultan dürfte sich am Ende eher geneigt zeigen, den Juden als den griechischen Christen Freiheiten zu gewähren. Ohnehin haben sich die Juden in Constantinopel, wie ich schon vor einigen Monaten in diesen Blättern gelesen, in der Bereitwilligkeit ausgezeichnet, Opfer für den.Krieg zum Vortheile ihres rechtmäßigen Herrn zu bringen, so daß der Sultan es gewiß als einen Akt der Dankbarkeit betrachten wird, den treu Ergebenen eine Verbesserung ihrer bürgerlichen und staatsbürgerlichen Verhältnisse nicht zu versagen. Freilich hätte ich von den türkischen Juden noch viel Größeres für die gerechte, ihr eigenes Wohl so sehr berührende Sache, als bloße Geldopfer erwartet. Ich dachte anfangs, daß sie gleich den holländischen Juden im Jahre 1830 Freicorps aus ihrer Mitte und auf ihre Kosten errichten, die sich durch Tapferkeit, Mäßigkeit und gute Disciplin wie die kühnen Vertheidiger von Antwerpen auszeichnen würden. Wir wollen indessen den türkischen Juden aus der Unterlassung eines solchen Anhänglichkeits-Beweises an ihre rechtmäßige Regierung keinen Vorwurf machen. Vielleicht hätten die muselmännischen Truppen eS für eine berbotene Sache oder unter ihrer Würde gehalten, jüdische Hülfstruppen unter ihre Reihen aufzunehmen, obgleich sie die christlichen gegenwärtig nicht 164 >>!■ verschmähen. Wie dem sei, unsere Wünsche und das tatsächliche BestrMn der einflußreichen Israeliten sollten dahin gexiMt^!^, daßßdw k^rbschHDMnDi HrenÄechten 'nicht 1>enLEHrPem iWÄürke^ zurückgeHellt werden. v'''-r Gesetzt nun, dieses Ziel sei erreicht, die europäischen Mächte hätten gesorgt, daß den Nichtmuhamedanern im türkischen Reiche hinlänglicher Schutz für ihre Person und ihr Eigenthum geboten würde, so daß als notwendige Folge hievon Ackerbau, Handel, Verkehr und Industrie; einen höhern. Schwung erreichte, was hinderte dann noch die jüdischen Bewohner Palästina's im Schooße des alten Vaterlandes, dessen Felder sie bebauen, auf dessen Hügel sie die Rebe pflanzen können, ein stilles, glückliches Leben zu führen? Die gewöhnliche Entgegnung der Juden Palästina's auf den ihnen vielfach gemachten Vorwurf, daß sie sich dem Müßiggang und dem geistlosen FormencultuS chingeben, und mitten im gelobten Lande vom Almosen ihrer europäischen Brüder leben, statt wie unsere Voreltern sich, auf Ackerbau und Gewerbe zu verlegen, ist, daß ihnen wegen Mangels an gehörigem Schutz von Setten der Behörden die Ausübung der nützlichen und heilbringenden Beschäftigungen sticht möglich sei. Dieser Uebelstand aber würde verschwinden, wenn durch gehörige polizeiliche und administrative Einrichtungen jedem ruhigen Bewohner bei Entrichtung einer mäßigen Abgabe Schutz für seine Person und seine Habe gesichert ist, wenn der Landmann nicht zu fürchten hat, daß der räuberische Beduine die Früchte seines Fleißes gewaltsam ihm entreißt, wenn der reisende Kaufmann vor Wegelagerern sicher ist, und eine Obrigkeit wacht, die mit strenger Gerechtigkeit die begangenen Frevel ahndet. L Schon sehe ich diese glückliche Zukunft unserer orientalischen Glaubensbrüder vor Augen, ich sehe den vom fremden Lande eingewänderten jüdischen Landmann Palästina's vom Gipfel des Berges seine im Segen prangenden Felder überschauen und dem Gott seiner Väter danken ynaii ils ■jro i-Dittn. Denn nur der Besitzer von Grund und Boden ist der eigentliche Einheimische im Lande, er kann sich als den stabilen Bewohner betrachten, während der Kaufmann heute hier, morgen dort sein Lager aufschlagen kann. Noch sind die klimatischen und geologischen Verhältnisse Palästina's dieselben, wie sie zu den Zeiten unserer Väter waren und wenn das Land damals ein m*tt sbn nur war, so kann Fleiß und guter Wille es wieder zu einem solchem schaffen , und, die Fülle des himmlischen Segens wird über