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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1854-04-03 · Heft 14 (3.4.1854) · p. Seite 165

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
18 (1854)
Issue
Heft 14 (3.4.1854)
Date
1854-04-03
Page
Seite 165 (sequence 3)
Language
German
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165 den redlichen Bewohner sich ergießen. Vielleicht können beim herannahenden Pesach unsere orientalischen Brüder mit Recht ausrufen: ' '' ' Fz. Wenn nun unser geschätzter Correspondent auS München zuletzt den Regenbogen ein wenig zu farbig sieht, so können und müssen wir jedoch Alles, was er sonst sagt, unterschreiben. Sicher, es ist xorioulum in mors. Man muß zum Handeln schreiten. Anstatt vieler Worte, Lheilen wir hier' das Schreiben mit, welches wir den 26. März an den Herrn Baron von Rothschild in London und an den Herrn Baron von Rothschild in Paris richteten. Wir glauben im Namen aller unsrer deutschen Glaübensbrüder diesen Schritt gethan zu haben. DaS Schreiben lautet: „Wenn ich mich mit Folgendem an Ew. Hochwohlgeboren zu wenden wage, so liegt die Rechtfertigung in der großen Wichtigkeit der Angelegenheit selbst. Wenn ich, wie ich glaube, im Namen vieler Tausende das hier ausgesprochene Gesuch an Ew. Hochwohlgeboren richte, so geschieht eS nicht, weil Sie nicht voraussttzlich bereits selbst die Sachlage erwogen hätten, sondern weil die Ueberzeugung, von den Hoffnungen und Wünschen zahlloser Brüder begleitet zu sein, stärkt und befriedigt. , .. .... . > Frankreich und, England verhandeln jetzt mit Seiner kaiserlichen Hoheit dem Sultan der Türkei um die Emancipation der christlichen Bewohner der dem türkischen Zepter unterworfenen Länder. So weit diese,Verhandlungen in die Oeffentlichkeit gedrungen, befassen sie immer nur die Bekenner der christlichen Religion. Daraus könnte leicht folgen, daß, während die christliche Bevölkerung alle, oder doch die bedeutendsten Rechte erhalten, die)Juden in der Türkei unter dem dann doppelten Joche der Ausnahmegesetze verbleiben. In den Staaten des Sultans wohnt fast eine Million unsrer Stammes- und Glaubensgenossen; 70,000 werden allein in Constantinopel angeschlagen, wer hat sie gezählt? Zu den Staaten deS Sultans gehört jenes geheiligte Land, welchem stets die Erinnemng jedes gläubigen Israeliten gelten wird, jene Stadt, in der einst die Stimme der Propheten und heiligen Sänger ertönte — 8000 Juden umschließt sie heute in ihren Mauern. Durch Jahrhunderte der Uncultur sind alle diese Juden auf eine sehr tiefe Stufe der Bildung, der Industrie, selbst.deS jüdisch-religiösen Wissens gefunken. Sie gleichen schon einem Haufen theils Proletarier, theils Bettler. Der einzige Wendepunkt, um sie aus ihrer Indolenz zu wecken, um die tiefen Geistesschachte zu öffnen, welche bis jetzt dem Rufe des rechten Bergmanns in Israel sich stets aufthaten, ist: die bürgerliche Gleichstellung. Erhalten sie diese nicht, wird die-christliche Bevölkerung bevorrechtet, sie aber bleiben zurückgesetzt, so werden sie, sowohl ganz materiell benachtheiligt, als auch nun erst recht der Verachtung, dem Druck und Hohn preisgegeben, der unglücklichste Theil des Menschengeschlechts, immer tiefer und tiefer sinkend. Herr Baron! Außer dem tiefsten Mitgefühl, welches diese mit wenigen und oberflächlichen, aber völlig wahren, für Niemanden verborgenen Zügen gezeichnete Lage unsrer orientalischen Glaubens - und StammeSgenossen in uns Hervorrufen must kann uns aber auch nicht entgehen, daß diese- Ereigniß nicht ohne Einwirkung auch auf uns, die europäischen Juden, bleiben kann'. Werden die türkischen Juden , bei so großer, weltgeschichtlicher Gelegenheit übergangen und ausgeschlossen, dann ist auch uns er Schicksal besiegelt, und gleichsam durch die ganze Erde auSgerufen: die Nachkommen Juda'S bleiben ein zurückgesetztes, bedrücktes Geschlecht! Im Gegentheil, spricht der Sultan die Gleichstellung mit der christlichen Bevölkerung aus, so muß dies auch auf diejenigen christlichen Staaten jetzt und später wirken, welche uns jene noch immer versagen. Wir selbst sind also ganz unmittelbar daran betheiligt. Vieles giebt es, was die Ueb'erzeugung Hervorrust, daß Seine kaiserliche Hoheit der Sultan dem zu rechter Zeit angebrachten Gesuche gern willfahren werde, seinen jüdischen Unterthanen dieselben Rechte zu verleihen, welche er denen christlichen Glaubens ertheilen wird. Die ganze Vergangenheit von jenem denkwürdigen Hattischerif von Gülhane an erweist dies, da auf dem Papiere wie factisch die Juden niemals von den übrigen Rajahs getrennt wurden. Aber auch die Lage selbst, das Verhältniß, das Gleichgewicht zwischen den verschiedenen Theilen der Bevölkerung, die Sicherheit des Staates, der mindere Zwang, der sich gerade dadurch bethätigen würde. Auch läßt es sich nicht absehen, daß Seine kaiserliche Majestät von Frankreich und Ihrer brittischen Majestät Regierung den humanen Absichten des Sultans Widerspruch entgegensetzen würden, da sie vielmehr in der Emancipation auch der Juden eine Garantie mehr erblicken könnten, wie ernst eS der türkischen Regierung um den beregten Gegenstand ist. Wohlan! Es wäre in der That vermessen von mir, Ew. Hochwohlgeboren daran zu erinnern, daß Niemanden

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