Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 18 (1854)
- Issue
- Heft 13 (27.3.1854)
- Date
- 1854-03-27
- Page
- Seite 155 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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155 -so dahin gelangen könne-n, ein Cömite dafür -irgendwo als Leiter -zu haHen. Möge diese Aufforderung auf recht viel« Bereitwilligkeit treffen, und 'halte -sich Niemand ssür zu gering, bei diesem großen Werke, dessen Folgen , wenn ,auch nicht -gleich so glänzend, doch unübersehbar sind,, mitzuwirken. Zm Uebrigen wollen wir auch gern jedem Rathschlage, jeder guten Ansicht'Gehör und Raum geben! Dr. Ludwig Philippson. Zeitungsnachrichten. Deutschland. Dresden, im März. (Privatmitth.) BÄ der neuerlichen Ergänzungswahl eines Abgeordnebeü zur Metten Kammer der Standeverfammlung wurde wieder ein Israelit zum Wahlmann erwählt und .als solcher «ön der Regierungs- Behörde zum Wahlakte rinberufen. Da die hiesige israelitische Bevölkerung sehr gering ist (kaum 700) im Verhältniß zu den 105,000 christlichen Einwohnern, so ist die Erwählung auch nur eines Israeliten von den meist christlichen Wählern doch ebenfalls zu beachten. — Die jährliche finanzielle Rechenschaftslegung der hiesigen Gemeinde und ihrer Anstalten ist im.Druck erschienen. Sie hat im Jahre 1853 mehr ausgegeben, als eingenommen. Denn sie hatte den 1. Januar 1853 2245 Thlr. Bestand, und am 1. Januar 1854 nur ,1824 Thlr. Bestand, also über 400 Thlr. Mehrausgabe, indem bei 3013 Thlrn. Einnahme 3434 Thlr. Ausgabe stattfand.- Jndrß sind darunter 785 Thlr. Schulden und Steuervorschüffe vom Synagogenbau herrührend. Außerdem hat die Schule einen Aufwand von circa 900 Thlrn.- und die Fremdenunterstützung von 227 Thlrn. gemacht. Rechnet man nun noch andere wohlthälige Jnftititte hinzu, so sieht man, daß die geringe Zahl der hiesigen Juden stark belastet ist. Erfreulich ist es, in diesen Rechnungen für die Schule 200 Thlr. aus der Cultus-Ministerial-Caffe, 140 Thlr. von der Stadtkämmerei, für Ae Gemeinde aus der Staatscaffe 170 Thlr. zu bemerken. Aus W»rEtenr-erg, im März. (Privatmitch.) Rückblick Mvf: 1853. Von Schwaben Hatz sich im «ergangenen Jahre wenig berichten-lassen; hie bürgerlichen Zuständen find immer für die.Jsraeliten noch in Der Schwebe. Die -Königliche Staatsregierung hat einen Gesetzes-Entwurf dem ständischen Ausschuß überreicht, der die Verhältnisse der Israeliten regeln soll. Wo es aber noch besonderer legislativer Vorkehrungen bedarf, um eine bürgerliche Gesellschaft im Staate einzuweisen, da ist die rechte Menschenliebe noch nicht heimisch. Der ständische Ausschuß hat nun zwar mit allen gegen zwei Stimmen den Entwurf verworfen und auf völlige Gleichstellung angetragen, aber eS wird doch nicht'den gewünschten Erfolg-.haben; denn wenn auch die zweite Kammer keine Erclusiv-Maaßregeln mehr dulden will, so sind die anderen Factoren der Gesetzgebung nicht damit einverstanden. UebrigenS wenn auch die bürgerliche Scheidewand zwischen Judenheit 'und den herrschenden RÄigionsparteien noch nicht fällt, das Judentchum hat es nicht zu -bedauern. Unsere Alten hatten recht, wenn sie sagten-: dem Judenthum fei ein wenig Druck so wohlanstehend, wie einem weißen Pferde ein rother Zaum. Das religiöse Interesse ist nicht mehr der Kitt, der das Haus Jakobs zusammett'häit;. den Meisten ist eS zur Devise geworden „laß dich stumpfen, ' laß dich stoßen von der Welt, mach nur, daß du wirst ein reicher Mann." Die Landgemeinden entvölkern sich; geben ihre Jugend nach Amerika ab, die Reichen ziehen den Städten zu-, und dort ist.die Indifferenz für? Religion epidemisch. Unsere Residenzstadt Stuttgart hatte vor 20 Jahren kaum 12 jüdische Familien, jetzt Ist sie auf mehr denn 100 angewachsen. Die Synagoge aber steht leer., die Schulbänke für jüdischen Unterricht sind nicht besetzt, kein Centrum ist vorhanden, um das sich die israelitischen Bürger schaaren. Üeberall Zerwürfniß: die Einen wollen einen Tempel bauenwollen deutschen GotteSdiinst mit Orgel, die Andern sagen: unterrichtet Ae Jugend in der heiligen Thora, schaffet jüdische Bildungsanstaltm, das sind die Tempel, die ihre Dome gegen den Himmel wölben. Der berühmte Pädagog Palmer sagt: „nur in der Scheidung der religiösen Parteien in besonderen UnterrichtSanstalten liegt der religiöse Frieden der Religionsgenoffenschqften." Unsere moderne Zeit hatsich darin gefallen, zu eentralisiren, zu amalgamiven, zu cosmopölitlsiren und zu humanisirett, und doch ist nirgends Einheit und Einigkeit, nirgends Menschenliebe und Religionseiftr zu finden. Wir-, die wir