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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1854-03-27 · Heft 13 (27.3.1854) · p. Seite 154

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
18 (1854)
Issue
Heft 13 (27.3.1854)
Date
1854-03-27
Page
Seite 154 (sequence 4)
Language
German
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m fich spaßen taffen, denn die Bastonnade thut weh. WaS dem Juden sonst so gern nachgesagt wird, das '-innige Familienleben., fehlt hier gänzlich. Hat der Knabe daS dreizehnte Jahr erreicht, verheirathet er sich- und wohnt mit Frau und Kindern beim Vater oder den Schwiegereltern. Daher so. viele Familien im engsten Raum zusammengeschrch'tet. Früh Morgens eilt der Mann vom Hause zur Arbeitdenn selbst der Handwerker arbeitet nur, wd man seiner Arbeit bedarf. So kommt der Mann den ganzen Tag nicht nach Hause, denn der mäßige Orientale kann sein Bedürfniß überall befriedigen. Das Weib hat daher gar nichts zu thun, denn für den Abend genügt etwas kalte Küche oder PfanneNgebackenrS. Der Tag geht hin, indem die Fräüen zusammenhocken, schwatzen und rauchen, auch Käsfee schlürfen. Achtzehn Zähre alt pflegen die Eheleute fich wieder zu trennen und eine - neue Ehe einzugehen. Das Weib steht hier tief, sehr tiefnicht einmal ein Mi scheberach wird ihm gemacht." „Hülfe.? Hülfe kann allein von den europäischen Juden ausgehen. Die drei Wurzeln alles Uebels find hier: die Unwissenheit, daS frühe Heirachen und die unumstößliche Autorität der EhachamS. Sieht man genauer zu, so ist die Unwissenheit die Hauptwurzel, denn die beiden anderen gehen von selbst aus, wenn jene nicht mehr stirt. 3m Orient europäische Schulen und selbst von jü-. dischen Lehrern an legen zu lassen, wird noch lange eine' mißliche Sache bleiben. Die Schule muß Bedürfniß sein, aufgezwungen hilft sie nichts. Sondern das allein geeignete Mittel bleibt, Jünglinge, die das Leben im Oriente schon kennen, nach Europa zu bringen, und hier ihnen eine angemessene, nicht gelehrte, sondern lebensmäßige Ansb i l dung zu versch affen. Diese dann mit dem Menschenbewußlftin, mit dem Gefühl des Rechts und der Gefirtung, mit Kenntniß des europäischen Lebens, Handels und Gewerbes nach dem Oriente zurückgokehrt, und ihre! Wirkung wird nachhaltig sein. Da wäre es denn frei- ' lich -nicht genug, heute es mit zehn Jünglingen zu versuchen, und dann genug. Sondern der Abgang muß immer wieder ersetzt, es muß eine fortwährende Bildungsanstätt werden." So weit die kuM Skizze in jenen Originalbriefen; aus Constantinopel. Sie verhüllten damals ohne weitem Erfolg. Nun, auch unsre Meinung ist noch immer dieselbe, daß das einzige realisirbare und segensreiche Mitül ist, einige jüdische junge Leute nach Europa zu; bringen kund da zu bilden und mit den europäischen Verhältnissen bekannt zu machem Und es ist leicht rdalisirL bar, denn - was -macht es für Schwierigkeiten, wenn Hamburg, Berlin, Prag, Wien , Frankfurt am Mainjede vier oder fünif junge Leute einige Jahre zu erhalten übernähmen? ganz abgesehen von den vielen Mittelgemeinden, welche zwei, drei erhalten könnten! Die Lage der Dinge ist ganz noch so, wenn sie nicht feit den vierzehn Jahren, daß die gedachten Briefe geschrieben sind, übler geworden. Jetzt kommt allerdings die Gefahr hinzu, daß, während die christliche Bevölkerüng der Türkei emäncipirt wird, die jüdische auf ihrer RechtSstufe stehen bleibt, und, da sie schon einen großen Körper ungebildeter, äußerlich noch mehr als innerlich verwahrloster, auf der niedrigsten Staffel der Gesellschaft stehender Menschen bildet, bald in die tiefste Rechts - und Schutzlosigkeit versinken wird. Daß hierin Etwas geschehe, ist die dringendste Pflicht — und bei der wirklich huinänen, auch gegen die Juden bewährten Gesinnung des Sultans, und da es nicht zu fern liegt, wenn wir glauben, daß aus einem gewissen Gefühle heräus der TÄke gern dazu greifen wird, den christlichen Äajäh's die jüdischen wieder an die Seite zu stellen, halten wir, daß etwaige Versuche nicht ganz ohne glücklichen Erfolg sein würden. Unser geschätzter Correspondent sagr: „es möge mehr als Zeitungsgespräch werden! " Niemand stimmt mehr hierfür, als wir. Wir rufen es aber auch ihm selbst zu> Gern bieten wir die Hand zu Allem, was sich hier thun ließe. Wir gestehen offen, daß, besäßen wir die dazu nöthigen Mittel, wir gern eine Reise nach dem Oriente machen würden, um an Ort und Stelle die nöthigen Untersuchungen anzustellen, die Verhältnisse noch genauer kennen zu lernen, die Verbindungen anzuknüpsen. Es gehört jetzt hierzu weder ein zu großer Aufwand an Kosten, noch an Zeit. Sind uns doch schon hinsichtlich der Aufnahme von Jünglingen Versprechungen auf unsrer Reise im vorigen Sommer gemacht worden, nur daß man abwaxten müsse, ob Consiantinopel picht russisch werde. Mn, Pies ist wohl jetzt ziemlich gesichert. Wir können daher fetzt -nichts toetter thun, als I e - den, der sich für die Juden im Oriente, namentlich in Jerusalem und Eonftantinopel, interesfirt, auffordern, mit uns in schriftlichen Verkehr deshalb zu treten, uns seime Bereitwilligkeit, dafür zu wirken, zu erkennen zu geben, damit -wir

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