Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 18 (1854)
- Issue
- Heft 11 (13.3.1854)
- Date
- 1854-03-13
- Page
- Seite 130 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/3224737-3225877-3225889--13733-3243191- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Rawicz 1× ep/1048078
OCR text
180 und -er Stadtverordneten, des Gemeinde-Vorstandes j und der Ehewra Kadischa (deren Gründer und Vorj steher der Jubilar seit 50 Jahren ist) ganz besondere; Erwähnung verdienen. — Nachmittags zwei Uhr veri sammelte man sich von Neuem im Hause des Jubel-; -Paares und begab sich Don da — nachdem die Ueber-; rerchung des goldnen Kranzes und Straußes statt- ) gesunden hatte, — -in ähnlichem Zuge, wie am Morgen, mach der Synagoge, woselbst zuerst das Mincha- Gebet und -darauf von vr. Eohn (über Psalm 118, V. -24) -die Festrede gehalten wurde. — Abends fand! ein solennes Festmahl statt, woran mehr als siebzig Personen Theit nahmen und bei welchem auch viele! sinnreiche Toaste >— deren erster dem Landesvater: galt — ausgebracht und mehrere schöne Reden und Lieder vovgetragen wurden. Eine-bei dieser Gelegenheit 'durch Dr. Cohn angeregte Geldsammlung ergab einen Ertrag von 12^/2 Thalern, welche sofort dem Ortsbürgermeister zur Vertheilung an die städtischen Armen überwiesen wurde. — Erwähnt muß noch werden, daß unter den Präsenten, die dem Jubilar überreicht wurden, sich auch -eine prachtvolle, neu geschriebene Thora-Rolle befunden, welche derselbe von seinem jüngsten Sohne erhalten und noch cm; dem nämlichen Tage (nebst Silberblech und Jad) der dortigen Synagoge zum Geschenk Übermacht hat. — Der Ukaö, welcher dm jüdischen -Frauen in Rust-- fisch - Posen das Tragen fremder Haar- Touren (Scheij tel, Bänder u. s. w.) verbietet, ist -in neuester Zeit! wiederum sehr verschärft worden. 'Ein neuer Zusatz j zu jenem Deerete untersagt den Judenfrauen auf's - Strengste, unter ihren Hauben, Hüten u. s. w. so-! genannte Untermützen zu tragen. Wehe der Frau,! welche jetzt noch gegen dwö Verbot handelt. Sie hat! wann, -wie -ihr Eheherr, große Strafe zu >gewärtigen. In dem polnischen Städtchen Kl. ist es erst vor ganz \ ^Kurzem vorgekommen, daß jüdischen Frauen von polizeilichen Händen lihre Untermützen, Haarscheitel u.? si w. auf öffentlicher Straße vom Kopse zerrissen, sie! 'selbst erbarmungslos auf'S Amt geschleppt und hier! mit schweren'Geld -, .resp. Gefängnißstvafen belegt wür-! den. Den polnischen Räbbinen ist neuerdings amtlicherfeitS wieder eingeschärft worden, sie sollen'sich? ja nicht Unterstehen, solche jüdische Braute zu-trauen, j »denen vorher (wie dies -bisher in Polen üblich gewe-! sen) »die eigenen-Haarzöpse abgeschnitten worden, wi- ) chrigenfallS dor junge (noch dienstfähige) Rabbiner so-. fort in's Heer eingestellt, der alte Rabbiner 'dagegen nach einer Strafcolonio verbannt werdest würde. — Man ersieht aus diesem Allen, daß es dem weiblichen Theile der jüdischen Bevölkerung Polens Weit schwerer fällt, sich in daö Unvermeidliche zu fügen, als eS den Männern geworden ist, ihren Kaftan und Breitel (Hut mit breiter Krempe) .mit -dem deutschen Rock und Hut zu vertauschen, so wie Bart und Schläfenlocken (Peiaus) der Scheere zu opfern. — Zum Beschlüsse noch die Mittheilung, daß in der Gemeinde Rawicz neulich ein Wohlthätigkeits-Verein gegründet -worden, dessen Mitglieder zusammen allwöchentlich 18 Thaler beitragen und welche letztere immer sogleich dazu verwendet werden , arme Familien mit Brod, Hölz und andern nöthigen Lebensbedürfnissen zu unterstützen. Oesterreichischer Kaiserstaat. Von dev Donau, Ende Februar. (Privatmitth.) ES dürfte für die Leser Ihres Blattes von Interesse sein, die beiläufigen Stadien der Jüdenfrage in Oesterreich zu kennen. Ich erlaube mir daher Ihnen mitzutheilen, daß von dem Minister des Innern ein Circular an alle Länderchefs ergangen ist, ihre Meinungen und Ansichten über die Judenfrage vorzulegen. Speciell sind darin hervorgehoben mannigfache Fragen, die an das Circular unter Kaiser Franz vom Jahre 1805 erinnern; ich führe nur daraus an: ob die Ghetta'S fortzubestehen hätten oder nicht, ob sie erweitert werden sollen u. s. w. Ob nun diese Fragen bloS abgeschrieben sind auS jenem Circular, oder ob wirklich die Fragen noch bestehen sollen, kann ich nicht entscheiden , in dem einen- -wie in dem andern Falle sage ich «Vi «b irüln ^,)2NV. Uebergehen darf ich eS nicht, Waß die Journale einen Erlaß des Unterrichtsministeriums bringen, worin eS in ausgesprochen ist, daß die Gymnasien christianistrt werden sollen. Es wird-jetzt die Schulfrage allerdings bei den Juden in Oesterreich eine brennende werden. Die Volksschulen sind bereits katholisch, nun werden eS auch -die Gymnasien t-mnn Wien, 27. Februar. (Privatmitth.) Es ist jetzt Fasching, und -wenn auch nicht unser Purim> socherrscht