Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 18 (1854)
- Issue
- Heft 11 (13.3.1854)
- Date
- 1854-03-13
- Page
- Seite 129 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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129 Urne gedrängt, während fast ein halbes Tausend minorum gentium, furchtsam, und zwischen den verschiedenseitigen Bearbeitungen schwankend, ihre Stimmzettel nicht auf dem Altar der Gemeinde niedergelegt haben, da man ja seinen Namen hier unterschreiben mußte, und man doch nicht wissen konnte, was in der Urne Hintergrund liegt! Da aber in diesem halben Tausend der größte The.il der neuorthodoren Partei sich-birgt, so läßt es sich erklären, warum die Aussichten für den Sturz, wenigstens für die Schwächung der Partei hier begrüßt und dort betrauert werden.. Wegen Krankheit deS königlichen EommissariuS mußte die Wahlprüfung 8 Tage unterbrochen werden, und die gestern wieder ausgenommenen Skrutinien konnten kaum bis zum dritten Theile der Wahlzettel vorschreiten; aber die bereits, geprüften entschei-. den vorläufig für die gemäßigte Fraktion, für Männer, wie Baswitz, Beschütz, Demuth, Meyer, Magnus u/ s. w., welche nicht für Personen und' für Privatinteressen ihre Ueberzeugung opfern und ihren - Ruf bloß stellen, nicht öffentlich die Gesetze des Judenthums, übertreten und im selben Augenblicke sich zum Werkzeuge eines erheuchelten Fanatismus gegen gleichberechtigte Uebertreter brauchen lassen, kurz, Männer, welchen das Judenthum eben so heilig wie die Judenthümelei verhaßt ist, und die weder für sich selbst noch für ihre Freunde blos in Judenthum „machen." Es ist die höchste Zeit, daß der erschlichene Einfluß der unsittlichen Neuorthodorie gebrochen wird, soll, der ehrliche Name der Berliner Gemeinde nicht bei der Welt zweideutig, oder vielmehr unzweideutig werden, .und jedenfalls wird man sich weniger über den Fall dieses Einflusses, als über seine bisherige Dauer wundern. Fünf Jahre lang wurde er, begünstigt von einer unheilvollen Indifferenz, ertragen, bis endlich seine verderblichen Folgen das Ansehen dep.Juden. schwer. drückten, und bis sie zuletzt noch den Beutel der Beitragenden schwer drücken wollten, da erwachte hier wirklicher Gemeindesinn, dort SparsamkeitSsinn , und es. entwickelte sich,- meist unverabredet, div Ansicht von der Nothwendigkeit, der judenseindlichen Richtung Grenzen zu bestimmen. Von den-bisherigen. Vorstehern hat, nur ein Einziger ver-! hältnißmäßig zahlreiche Stimmen, er ist der Schützling eines thätigen Publicisten, der zu seinen Gun- / .sten sagitirt, undl eS ist. nicht zu leugnen, .daß ihn, zden Schützling, Wohlthatigkeitssinn empfiehlt.}F. Lt. Langensalza, im März. Die Leser erinnern sich aus Nr. 50. deS vorigen Jahres, daß hier ein Jude sich niedergelaffen, wahrend Magistrat und Bürger durch Protestationen, Petitionen und Deputationen bis an'S Ministerium dagegen Einsprache erhoben. Jetzt haben sie.von Letzterem den Bescheid erhalten, daß dem Juden daS Gesetz zur Seite stehe. Nun wollen sie noch, einmal dagegen remonstriren: die Juden hätten bei ihrem Abzüge im fünfzehnten Jahrhundert geschworen, nie wieder zu kommen! Unser Glaubensgenosse meint, daß er nicht unter den Schwörenden gewesen. Aus der Provinz Posen, im Februar. (Privatmitth.) Wir haben Ihnen diesmal wieder über eine jüdische Jubelhochzeit zu berichten. Sie hak am 9. d. M. in dem Städtchen Rackwitz (bei Wollstein) ßattgefunden, und ist von dem dastgen I. Oettinger'schen Ehepaare begangen worden.. Herr Joseph M. Oettinger ist einer der ältesten und angesehensten Bürger deS genannten Ortes, und eben so, wie er selbst, steht auch seine Gemahlin, Frau Ernestine Oettinger, geb. Lazarus, ihrer Wohlthätigkeit wegen, allgemein in Achtung. Kein Wunder also, wenn nun nicht blos die sammtlichen Mitglieder der Gemeinde, sondern sogar alle Bewohner deS Orts, ohne Unterschied der Consessionen und der Stände, lebhaft an dem Feste sich betheiligten, das von jenem Paare zum Andenken an ihre vor fünfzig Jahren stattgehabte Eheschließung gefeiert wurde. Es waren aber zu diesem Feste auch viele.Personen von auswärts eingetroffen , und haben sich unter diesen sogar Gäste aus Berlin und Hamburg befunden. Das Fest selbst begann schon deS Morgens um sechs ein halb Uhr, und zwar mit einer-Versammlung der Geladenen in. der Behausung deS Jubelpaares. Von hier begab man sich in feierlicher Processton nach her festlich geschmückten Synagoge, woselbst sowohl vor als auch nach den Tephiloth Schacharith paffende Psalmen recitirt und zuletzt von dem, direct aus Brandenburg a. d. Havel.eingetroffenen., Prediger Dr. Cohn (einem Neffen des Jubelpaares) „Worte, des Dankes und des Gebets" vorgetragen wurden. — AuS der Synagoge wieder in die Wohnung des Jubelpaares zurückgekehrt, wurden hier den Letztem viele kostbare Geschenke, so wie auch viele Glückwunsch- Adressen überreicht, von denen die des Magistrats