Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 18 (1854)
- Issue
- Heft 11 (13.3.1854)
- Date
- 1854-03-13
- Page
- Seite 128 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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128 können, genug, vom Kochen, Waschen- Plätten bis zur feinsten Nadelarb eit, im Handels- und Gewerbstande, als Lehrerin und Erzieherin. Erziehet Eure Söhne so, daß fie einst wohl vom allgemeinen Publicum, nicht aber von einzelnen Personen abhängig find. Alle Karrieren, die zu nichts als Abhängigkeit von ,-Vorgesetzten"- aller Art führen, scheuet wie die Pest, denn alle diese Abhängigkeit ist dem Juden als solchem sehr gefährlich, und wenn auch irgend ein wohlwollender Förderer irgend einmal eine Ausnahme macht, so ist und bleibt dies doch eine Ausnahme. Ein selbständiger, unabhängiger, auf sich selbst beruhender Mensch, welch eine Fülle des Glückes, leider! oft unbewußten Glückes!. Und darum für Eure Söhne noch einen Rath: lasset sie Alle englisch lernen! Es gehört jetzt zu den Traditionen, zu den verlebten Gewohnheiten, die Kinder franzöfisch lehren zu lassen. Diese Gewohnheit ist vom Uebel. Englisch laßt fie lernen! Englisch ist die Sprache Amerika's, Australiens, Indiens, bald auch Chinas, englisch die Sprache aller Meere und Häfen der Welt; englisch ist die Sprache der Völker, bei denen allein die bürgerliche Gleichstellung der Juden (in Verbindung mit religiösem Ernste) nicht blos auf Jllufion beruht; englisch ist aber auch jetzt die Sprache einer kräftigen und gediegenen Literatur, und während man bei jedem modernen französischen Werke auf der dritten Seite (ganz ohne Prüderie!) erröthen muß, giebt die englische Literatur da, wo fie nicht allzusehr frömmelt, eine gesunde und reiche Charakteristik, eine scharfe Zeichnung der Situation und Landschaft, eine reife Lebenserfahrung. Nicht das Franzöfisch, sondern das' Englisch kann dem Kaufmann nützlich sein. Es wandert auf fünfzig Juden,, die sich nach Ländern englischer Zunge begeben, kaum Einer nach Frankreich. Also nicht wie bisher franzöfisch, und als späte.und schmäle Zugabe l englisch, sondern — gerade umgekehrt! Zeitungsnachrichten. Deutschland. Worms, im Februar. (Privatmitth.) Mit Bezug auf den Aufsatz des Herrn Dr. Lewyfohn in Nr. 53. d. Bl. hat Herr vr. Beer in Dresden im Uaivers Israelite interessante Mittheilungen auS dem vn-ivn ^bö und den üi-nvn i2dr mV über den Aufenthalt RafchiS in WormS gemacht. In denselben heißt es: >2 -^^2 riilliprrii üw trvp'>i "invd üv 2in-,i-n üipnn tp«» 'h mrr -ir>2 Der Brand war im Frühling 1689. — Am 6. Februar feierte hier die Frau Wittwe I. GernSheim ihren hundertjährigen Geburtstag; der städtische Gesangverein brachte ihr am Vorabend ein Ständchen, Frau Gernsheim ist,trotz ihres Alters noch recht beweglich und verlebt täglich mehrere Stunden außerhalb des Bettes. — In dem benachbarten Mainz wird Samstag,-den 4. März der Jahrestag der Einweihung der dortigen prachtvollen Synagoge feierlich begangen werden. — ES wurden daselbst zwei Israeliten älS Stadträthe gewählt, Wobei nur das von Interesse istdaß diese zwei Herren von ultramontaner Seite vorgeschlagen und durchgebracht worden. Aus Baiern, im Februar. (Privatmitth.) In unserem Baierlande giebt eS wenig Neues. Die Landgemeinden nehmen immer mehr ab durch die Auswanderung; was auf Rabbiner und Lehrer hinsichtlich ihrer pecuniärenVerhältnisse schlimme Einwirkung äußert. Durch einen neulichen Ministeriälerlaß müssen alle Jene, welche vor der ConscriptionSzeit auswandern wollen, eine Kaution von 800 Gulden stellen, daß sie ihrer Militairpflicht Genüge leisten. Ein Schlag für die unbemittelte Classe, die fich am meisten bei der Auswanderung betheiligte. Preußen. Berlin, 3. März. (Privatmitth.) Es ist unleugbare Thatsache, daß die am vorletzten Donnerstagvollzogene Repräsentantenwahl Zeugniß von einer verbesserten Stimmung innerhalb der jüdischen Gemeinde ablegt, und dieser Umschwung des Gemeindesinnes ist an sich schön der Beachtung Werth, Und wohl-fähig, zum Gegenstände 'eines Berichtes in der Allgemeinen Zeitung deS Judenthums erhoben zu werden, wenn auch der durch den Erfolg der Wahl sich vorbereitende Ausschlag nicht die Theilnahme der Leser in Anspruch nehmen dürste. Die ersten Bankiers haben an ihrem Posttage die Geschäfte ruhen lassen, um in Person der Wahlpflicht zu genügen / und gerade die vornehmsten und -achtbarsten Männer haben sich in ihrer Unabhängigkeit mit dem Stimmzettel zur