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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1854-02-27 · Heft 9 (27.2.1854) · p. Seite 102

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
18 (1854)
Issue
Heft 9 (27.2.1854)
Date
1854-02-27
Page
Seite 102 (sequence 2)
Language
German
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102 außerweltlich begriffen, doch die Materie ebenso ewig hielten wie Gott, und deshalb nach einem Dritten, nach irgeiid einend Medium suchten, das .diesem Gott die Schöpfung) der Welt - aus der vorhandenen Materiemöglich machte, so Änaragoras, Plato, Aristoteles. Hierüber hinaus kamen sie nicht; und da sie nun aus dieser Wurzel sich ihren Gott herausconstruirten, so waren sie im Grunde entweder versteckt oder, offenbar gotteslaugnerisch, oder die Gottheit ward ihnen zu einem leeren speculativen Begriff, oder sie mußten, um sich ihren Gott zu beleben, ihre Spekulation bei Seite lassen, und mit vollem Herzen und warmer Phantasie, wie Plato, die Gottheit mit' ethischen und ästhetischen Gedanken füllen, wenn sie auch mit der Spekulation in gar keinem Zusammenhänge ständen. Es kann dieses große Gemälde, welches wir nach so verjüngten Maßen unfern Lesern vorgeführt, nicht genug betrachtet werden. Vergessen wir nicht, daß wir hier die menschliche' Spekulation in ihrer naturwüchsigsten Gestalt vor uns haben. Weder hatte die entwickelte Naturwissenschaft, die bis jetzt eben so viel Trübung wie Aufklärung der menschlichen Spekulation gebracht hat, noch die geoffenbarte Religion sie beeinflußt. Wir haben sie in ihrer unbedingtesten Entfaltung, denn die ganze wissenschaftliche Bildung, daS ganze wissenschaftliche Interesse coneentrirte sich damals in ihr, und sie wurde dabei ebenso für das tiefste Moment des menschlichen Daseins, als zur nothwendigen Propädeutik deS Staatsmannes, des Redners geschätzt. Endlich daß ihr die beiden bedeutendsten Völker deS Alterthums dienten, demnach ein sehr kräftiges und' geistreiches Werkzeug. . Sind wir nun nicht so einseitig, daß wir in dem Mangel eines unveränderlich wahren Resultats irgend einer bleibenden Befriedigung des menschlichen Geistes eine Demüthigung deS letzter« vermeinen, bewundern wir vielmehr in. diesem, unaufhörlichen, rastlosen, sich nie begnügenden, sondern immer wiederholt beginnenden Streben die Energie des Menschengeistes, welchenicht in zu erlangenden Erfolgen, sondern in der durch das Streben zu gewinnenden Entfaltung ihr gutes Ziel, ihre eigentliche Aufgabe erkennt: so werden wir eS durchaus nicht auffällig finden, wenn wir in der gesummten Philosophie eben nur eine Arbeit, aber kein Endziel des MenschengeifteS erkennen, wenn wir zu dem Schluffe gelangen: daH der Menschengeist durch frch, durch feine Spekulation zu einer wesentlich en Erken ntnitz des göttlichen Wesens nicht kommen konnte- Wir Huben vielmehr .die zwiefache Befriedigung, uns sagen zu müssen: deS Menschengeistes ist eS, unaufhörlich) mit sich selbst zu ringen, um zu irgrnd erstem B egriff Ist d einferKennt^niß des Ueberfinülichen zulom m en , und in diesem Ringen seine Größe und Entfaltung zu finden — aber den wahren und lebendigen Begriff und die Grkenntniß des göttlichen Wesens konnte er nur d urch ei ne u n m ittelb are Einw irku ng d er G ottheiterlangen, auf dem Wege göttlich er Verkündigung, faktischer Offenbarung. 'DieS ist es, was uns jene drei großen geschichtlichen Satze, erwiesen aus der Geschichte der Religionen und Philosopheme, lehren. Denn all den Religionen des Alterthums und den Philosophemen der griechischen Welt gegenüber, welche Gott nur auS der Natur abstrahirten, welche. daher Gott mit der Natur identificirten oder aus ihr spekulativ construirten, trat nun der Mösaismus mit der religiösen Idee in die Welt, lehrte Gott vor der Welt, als den alleinigen Grund alles Daseins, als den Schöpfer dieser Welt und all ihres Inhalts, der seinen Gedanken an der Welt und den Wesen zur Wirklichkeit brachte, und nun mit seinem Gedanken und seinem Willen in jedem individualisirten Sein ist, wodurch eben dies ein solches ist. Auf diesem Grunde lehrte diese religiöse Idee den D ualismuS des Stoffes und Geistes, aber nur im Gefchoffenen> nicht in Gott selbst, und wie durch das Schaffen Gottes dieser Dualismus in dem Geschaffenen zu einer Einheit des Lebens wird, vorzugsweise im Menschen, in: welchem der Geist durch Selbstbewußtsein und sittliche Freiheit zur Gottebenbildlichkeit geworden, durch die Liebe zur Gottähnlichkeit erhoben. . Auf . diesem Grunde lehrte diese religiöse Idee die" Heilig un g Und die 'Liebe als die höchste Aufgabe des Menschen, als den Anspruch GötteS an den Menschen, darin Gott als Vorsehung' und- Vergeltung waltet. So vereinigt sich Spekulation, Ethik und Aesthetik in der religiösen Idee zu einem engeingegliederten Ganzen, in welchem alle Fragen eine der Vernunft, dem Herzen und der Geschichte gemäße Lösung finden. Von dieser religiösen Idee aus wurden fortan alle religiösen Erscheinungen und. alle philosophischen Systeme theils ausgestrahlt, theils von ihrem Entstehen an beeinflußte Sobald sie sich von ihr entfernten, geriethen sie in's Heidenthum, vermischten das von ihr Dävongetragene mit' Heidnischem, oder) kamen ganz und gar auf die vom alten Heidenthume-! von ■' der griechischen Philosophie eröffneten Bahnen, auf welchen dann-diealten Cyclen in neuen

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