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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1854-02-20 · Heft 8 (20.2.1854) · p. Seite 94

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
18 (1854)
Issue
Heft 8 (20.2.1854)
Date
1854-02-20
Page
Seite 94 (sequence 6)
Language
German
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ist damit ausgesprochen. Im weitern Verlaufe der Debatte greift Abg. v. Mallinckrodt nochmals zurück, und. versichert, daß er für die Juden votirt habe nur aus der Verfassung Heraus, aber hoffe und wünsche, daß nie ein Jude Gemeindevorsteher in Westfalen werde! Berlin, den 14. Februar. (Privatmitth.) Wir stehen am Vorabende einer großen Entscheidung in den Angelegenheiten unsrer Gemeinde, einer Gemeinde, die vermöge ihrer Größe an Seelenzahl und geistiger Kraft, so wie wegen ihres Sitzes in der Hauptstadt und ihres überwiegenden Wohlstandes Maßgabe und Rückwirkung auf die Judenheit des ganzen preußischen Staates üben dürfte: Der seit 1849 durch wiederholte Wahl im Amte befindliche Vorstand muß endlich auf Befehl der Regierung sich eine neue Wahl auf Grundlage des Judengesetzes vom 23. Juli 1847 gefallen lassen, und er hat am 9. d. M. die Einladung zum Wahltermin auf Donnerstag den 23. d. M. ausgegeben. Nach dem dieser Einladung beigegebenen „Regulativ" des königlichen Polizei-Präsidiums muß die Einladung „mindestens" vierzehn Tage vor dem Wahltermin ausgeschickt werden, und der Vorstand hat wirklich bis auf den letzten Tag dieser Frist gewartet, wahrscheinlich weil feine Partei mit ihren Manövern und Transactionen noch nicht vollauf gerüstet da stand. Jetzt ist sie eS, wie eine anonyme, von ihr ausgehende, den Gemeinde- Mitgliedern per Post zugeschickte Candidatenliste zeigt. Wir werden auf diese Lifte unten zurückkommen. WaS bei der „Einladung" vom 9. zunächst und ganz besonders auffällt, das ist die Abwesenheit deS Namens Harry Jacob chei dem Unterzeichneten Vorstände. Fordert die Wichtigkeit des Aktenstückes an sich schon und auch der Usus die Namen sämmtlicher Mitglieder des Vorstandes, fo läßt gerade die Unterdrückung dieses Namens großen Raum für Vermuthungen offen: Harry Jacob hat seit fast fünf Jahren den Vorstand und die Gemeinde durch, alle Formen geselliger Bildung verschmähende, Keckheit gemeistert, und nur durch diese Gabe , nicht durch Gaben deS Geistes und her Bildung, hat er Vieles im Vorstände zu Beschluß und Ausführung gebracht, waS die andern Mitglieder ohne seinen durchdringenden Einfluß der Gemeinde für picht würdig gehalten haben, würden. H. Jacob ist auch religiöser Fanatiker, aber ganz und nur auf Kosten dfr Gemeinde, d.! ,b. er wagt nichts vom Inhalte der eigenen Tasche für seine Meinung und Richtung, Wahl aber sagt er, seine Richtung sei das allein seligmachende Judenthum, die Gemeindemittel seien da nur für dieses Judenthum, und da feine Parteifreunde auch diesem Judenthum anhängen, folglich seien die Gemeindemittel nur für sie bestimmt. Diese Philosophie und dieser Fanatismus verschaffte Herrn Jacob den großen Anhang der Neuorthodorie, d. h. der Partei, welche das Judenthum stets zugleich im Munde und unter den Füßen hat, und er war seit einem Lustrum ihr Sturmbock und Schlachtroß in einer Person. Und ,dieser Harry (God beware me for Sir Harry! sagte schon Cromwell) fehlt im letzten Akte deS verständlichen Trauerspiels! Es muß etwas faul im Staate der Neuorthodorie sein! Und auch in der oben erwähnten Candidatenliste Name, während neben fünf empfehlenswerthen Namen lauter Vollblutneuorthodore verzeichnet sind, und einige, die sich Schermeisel nicht zu Vorstehern Wählen würde. Unterzeichnet ist diese Liste: „Eine Anzahl Mitglieder der hiesigen jüdischen Gemeinde," die Empfehler Haben also nicht gewagt sich zu nennen, und daran erkenne ich meine Neuorthodoren, deren Hand stets im Dunkeln wühlt und deren Namen aus wohlweislichen Gründen verschwiegen werden. F. Lt. ■ Oesterreichisch er K a i se r st a at. Wien, 6. Februar. (Privatmitth.) ES ist sonst nicht meine Art, Ihnen über Concerte zu berichten, aber ich glaube heute eine Ausnahme machen zu sollen. Die Concertantin ist ein Kind von 6 Jahren, NamenS ThereS Epstein. ES ist die Zeit der Wunderkinder, der Wunder überhaupt, vorbei; aber jedenfalls zeigt das Kind von besonderer Begabung. Der Vater dieses Mädchens ist ein armer Chassin einer kleinen Gemeinde, und hiesige Mepschenfteunde haben sich dieses Kindes angenommen (besonders die Herren Doctoren L. A. Frankl und Fischhof), und Herr Szßnto läßt ihr den wissenschaftlichen Unterricht unentgeltlich zukommen. r ES führt mich das zugleich auf eine Anzeige, dch jüngst an den Straßenecken angeschlagen war: „v^iv Vorfeier;" die Einladung zu einem öffentlichen Balle.

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