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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1854-02-20 · Heft 8 (20.2.1854) · p. Seite 95

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
18 (1854)
Issue
Heft 8 (20.2.1854)
Date
1854-02-20
Page
Seite 95 (sequence 7)
Language
German
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JP Heile dies nur der Curiosität wegen mit, denn glauben Sie ja nicht, daß ich etwa damit einverstanden wäre. Ich gehöre nicht zu den Sittenpredigern, die die „satte Tugend" befürworten; aber eben so wenig kann man damit einverstanden sein, daß der Jude sich bei derartigen ' Gelegenheiten hervordiängt. Ich habe von Leuten», die dem ceremoniell-religiösen Leben im Judenthume ferne stehen, bittet klagen hörendaß die Juden überhaupt den heurigen Fasching mit solch außerordentlichem Gepränge feiern. Seit Jahren wurden nicht so viele gtvßartitze Bälle bei den Juden veranstaltet, wie Heuer. Diese Herren meinen nämlich , daß die Behörden dadurch zu dem Glauben verleitet wtrden köNntöN-, es liege dein Juden nichts daran, ob er so vder so gestellt sei: Die Kreuzzeitung würde übrigens in ein noch ' größeres Klagegeschrei über die >,Verjudung" ausbrechen ■, wenn sie sehen würde, welche ehrliche Christen an den jüdischen Bällen Theil nehMem Frankreich. Paris» im Februar. (Nach ben ^rcliiv. isrssl. de Fr.) Der neue Großrabbine des Central-CönststormmS ^ät einen „Hirtenbrief" (leüre psstorslej erlassen, aus welchem die Arch. einen Auszug mittheilen. Wir müssen uns mit einem ÄuSzuge aüö dem Auszüge begnügen-. Herr Ullmann wünscht sich zunächst Glück über dke vollkommene Einigkeit, die, unter den französischen Juden herrscht; die leidenschaftlichen Diskussionensind geschwunden. (Die Archiv, fragen/ ob dies nicht. Mehr durch äußere Umstände . herbeigeführt worden fei?) Die Laien und Geistlichen stehen sich nicht gegenüber, sondern stärken sich gegenseitig: . Der Großrabbine wendet sich dann an seine Collegen, und ladet sie ein, ferner durch daS würdevollste-;persönliche Betragen die Achtung; und. Liebe ihrer Gemeinden sich. zu wahren, worin biS jetzt die französischen Rabbinen ihren Collegen, andrer Länder nicht nachgestanden. Insbesondere hebt er . sehr richtig hervor, daß sie in ihren Predigten, keine anderen als jüdische Quellen citiren, und der.' verwerflichen Manier einiger. Prediger nicht zu huldigen,: welche auS Schriftendie ganz antijüdischen Geistes sind, Stellen auf der Kanzel citiren. (Bei uttS in Deutschland ist diese Unsitte nie äüfgekommen!) Schr gut sagt er: „In Besitz eines so reichen Schatzes, wie der unftige, können wir uns davon frei halten, aus fremden Quellen zu schöpfen: die Worte unsrer Propheten und die Worte unsrer Weisen bieten uns genug Schätze, sie kennen zu lehren, genug Schönheiten, sie nachzuahmengenug Blumen, sie zu verbreiten." Weiterhin spricht er über den Eultus: Durch eine -weise und einheitliche (unikorme) Organisation unseren religiösen Ceremoüieen ihren legitimen Einfluß zu sicherndie Jugend-, welche davon zu entfernen Alles hinzielt, zu ihnen zurückzuführen und darin zu befestigen., durch eine angemessene Feier aller gottesdienstlichen Akte die doppelte Wirkung, die Gläubigen zu erbauen und sie zu unterrichten, hervorzurufen; mit einem Worte, den Formen unsres Cultus ihre sittlichende Kraft (puissÄnee morslj89tric'6) wiederzügeben, indem man ihnen zugleich ihren alten ünd traditionellen Charakter bewahrt , das ist die Aufgabe, welche zu lösen wir berufen sind, daS muß das Ziel sein für. unsere ausdauernden Anstrengungen." (Sehr gut gesagt, aber — wie auch die Arch. bemerken ' hat der Herr Großrabbine auch nür ein reales Mittel angegeben , welches zu diesem Ziele zu kommen uns fördert? Formeln sind bereits genug gegeben, aber eS ist Zeit, diese Formeln auSzusüllen. Alsdann empfiehlt Herr Ullmann seilten Collegen die Schulen und Lehrer. Er wendet sich hierauf an die Glaubensgenossen selbst und macht sie darauf aufmerksam, daß die Synagoge und Schule nichts vermögen ohne die Mitwirkung der Familie. „In der Präris des häuslichen Lebens, in den Traditionen der Familie schöpfen die Religion, die Moral ihre wahren Kräfte, ihre dauerndstes Bürgschaften." — „Die häusliche Erziehung allein hat die Kraft, dem menschlichen Herzen die bleibenden Eindrücke auf das menschliche Herz zu bewirken, die Richtung gegen das Guteden lebhaften und thätigen Glauben, der sich stärkt, der sich einwurzelt mit dem Alter, der. zu kämpfen -und zu widerstehen weiß - der bisweilen unterliegen kann, aber niemals zerbricht, der sich immer wieder erhebt, und der, früher oder später, , den Sieg davon tvägt." — „Ihr denn, Familienväter und Mütter/ ihrdie, um sich einer Mühe zu entledigenwelche ihr lieben solltet, der Sorgfalt, die zu üben ihr - euch glücklich, schätzen solltet - das, was euch baS' Kostbarste; fein muß * bie Erziehung

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