Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 18 (1854)
- Issue
- Heft 7 (13.2.1854)
- Date
- 1854-02-13
- Page
- Seite 86 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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86 über die Gestalt meines gekrönten VaterS dort im blutdurchströmten Antiochien zum Richtplatz schleppen — seh' ich nicht des NachrS das jugendliche Haupt meines Bruders, o geschmückt mit dem goldenen Stirnblech und dem 'Hohenpriesterbunde, lief, Lief unter die Wellen gedrückt — es ist dieselbe Faust, die meinen Vater zum Richtplatz schleppt, dieselbe Faust, die meinen Bruder unter das Wasser drückt...." „Und was ruft Dir dieser Vater unter dem Schwert de- Henkers, dieser Bruder unter der Wucht des Wassers zu, Mariamne?.. „Wenn in dem schrecklichen Bilde, das mich verfolgt, endlich mein Vater 'seinen letzten Blick auS dem Staube wirftin den sein Haupt gerollt, endlich mein Bruder sein letztes Röcheln hören läßt aus dem Schlamm, in den sein Haupt gesunken..Schammai, ich habe keine Ruhe Tag wie Nacht, ich sehe jenen letzten Blick, ich höre jenes letzte Röcheln um mich, neben mir, vor mir...' „Und was sagt Dir dieser erblassende Blick und was ruft Dir dieses ToteSröcheln zu, Mariamne?..." „WaS sägst Du, Rabbi, Du weißt eS...." „Ich weiß eS nicht, Weib.... ich weiß eS noch gar nicht... „Lehrer, Meister, wie werd' ich daS Röcheln loS, daß ich es nickt mehr höre, den Blick, jenen verscheidenden, daß ich ihn nicht mehr sehe.... Sag' eö mir, rathe mir, Scl'anunai!..." „Wie Du sie loS wirft, Mariamne?.. . und dies zu beantworten, hast Du mich aus den Felsen von Juda kommen lassen?... Dann, Mariamne, sollst Du sie gar nicht los werden, und wenn ich das Wort wüßte, mit welckem sie in ewige Vergessenheit zu bannen wären— nimmermehr sagt' ich eS Dir.... neinwenn Dir der TodeSblick Deines Vaters, das Todesröcheln Deines Bruders nichlS weiter sagen, wenn Du der Faust vergissest, die Beide in den Staub und Schlamm geschleudert, so sollen sie Dich ewig verfolgen, sie mögen sich mit Dir setzen an die schwelgerische Tafel deS HerodeS, und sich mit Dir niederstrecken auf das üppige Lager deS JdumäerS.... wie Du sie los wirst? Geh hin zu Deinem Großvater, zum Hyrkan, er kann Dich lehren, wie man die Hand küßt, die den Bruder vergiftet*)...' „Rabbi- Rabbi, schrecklicher Mann, hör' auf...." „Nun, Mariamne," fügte Schammai ruhiger hinzu, ,-Ich bin 'übdr-die Felsen von Iüdä -Mimmtich bin durch die Eingeweide der Erdt gewandert, wenn Dü' aber nichts von mir wolltestals das unruhige Jnnerö; beschwichtigen, die Trauer aus dem Gedächtniß verwischen und wieder- Rosen auf den Weg streuenso konntest Dü den müden GreiS ruhig in seinem Felsenneste lassen.. i.V „Ach, ihr grausamen, ihr harten Männer!" hob die Fürstin an, „so seid Ihr Alle-Ihr reißet unS gewaltsam hinein in den Wirbel Eurer strömenden Leidenschaften, und wenn dann das schwache Weib hin- und hergeschleudert, bald von dieser, bald von jener ergriffen, nicht gleich Eine Richtung halten kann, dann hohnlachet Ihr und tretet sie. mit Füßen... .> Sag', was Erwartetest Du denn von mir zu hören?.. ." „Nichts, gar nichts erwartete ich, so lange ich fern war — als Du aber Deinen Sendling zu mir entbotest, um mich herzubescheiden, da erwartete ich ein Wort von Deinen Lippen, ein Wort, das, einmal vernommennimmer wieder verhallt, sondern durch das ganze Leben und durch die ganze Welt tönt — dort, sagt' ich, ist ein tödtlich getroffenes Weib, dem man Vater - und Bruder gemordet - dem man das ganze väterliche Haus mit dem Mordstahl verödet hatdem man Namen und Rang gestohlen, dem man Volk und Glauben gewürgt hat, dies Wcib ruft Dich , hinter ihr stehen die Schatten der Gemordeten, hinter ihr der Schatten eines geknechteten Volkes, eines geschändeten- Heiligthums — frägst Du, Mariamne, was ich von ihr zu hören erwartete? „Aber vergissest Du, Schammai, daß eS mein-Gatte, daß es der Vater meiner beiden Söhne ist?. . ." 1;:r Schammai schwieg einen Augenblick; dann sprach er leise wie'vor sich hin: „Ha, sie weiß es nicht, sie ahnt eS noch nicht, daß Er auch ihre Söhne tödten, daß er auch ihr eigenes Haupt in den Staub strecken wird.. . :" Mariamne hörte diese Worte, und kreischte auf: „Was sagst Du, falscher, thörichter Mann... „Nichts sag' ich, nichts, Fürstin" — erwiederte Schammai kalt, „als die Bitte: entlasse mich...." „Meine Söhne tödten, Mann, sagst Du? mich, mich selbst? mag's sein, aber meine Knaben morden, meine, seine.... was iveißt Du? Sprich...." ' ' „Ich sage nichts, Mariamne; Du sollst nicht dereinst sagen, Schammai habe Dich gestachelt, aufgereizt — nein, Fürstin, was nicht aus Dir selbst entspringt, soll niemals geschehen-"! Aber Mariamne fuhr auf Schammai loS und ergriff seinen Arm und'rief: „Hast' Du etwas gehört? führt *) Aristo bül II.