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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1854-02-13 · Heft 7 (13.2.1854) · p. Seite 84

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
18 (1854)
Issue
Heft 7 (13.2.1854)
Date
1854-02-13
Page
Seite 84 (sequence 8)
Language
German
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m so eher, da die Knaben, zu jung beim Austritte aus der Volksschule für irgend eiue'bürgeMche Beschäftigung, in der Regel noch einige Jahre der Unterrealschule mitnehmen, undwo das nicht der Fall, da ergänzt der Sonntagsunterricht für Handwerkslehrlinge das Mangelnd^ Die drei' Jahre der Unterrealschule mit den drei erstem Gymnasial-Claffen bilden da einen abgeschlossenen Cursus. Das Lehrbuch trnn "118 v. L. Br. als Religionslehre in den ersten zwei Jahren, die (noch nicht im Druck erschienene) Fortsetzung desselben : das Mosaische Gesetz, Ethik und Ritualgesetz, im dritten Jahre. Die vierte Gymnasial-Elasse mit der ersten! Oberrealschul-Claffe hak die Geschichte der Israeliten, von demselben Verfasser, von den Königen bis zur Zerstörung des zweiten Tempels. In den zwei folgenden Jahren der Oberreal- und Gymnasial-Elasten: Eine kurze Uebersicht der wichtigsten Religionslehren, dann ausführlich die allgemeine Sittenlehre und die besondere' Pflichtenlehre mit tieferen rationellen Begründungen. Es bildete dieser Cursüs ehemals: für die Gymnasialschüler, welche unmittelbar nach der sechsten Elaste in die Philosophie übergingen, und heute für die Realschüler den Schlußstein und die Mitgabe in das praktische Leben. Im Jahre 1849 wurden die Gymnasial-Studien von sechs auf acht Jahre ausgedehnt. Was sollte in den obersten Elassen für die reife Jugend genommen werden? Die Materien waren bereits extensiv erschöpft, und nichts ist der Jugend unangenehmer, als das Wiederkauen, wenn auch hie und da eine geistanregende Würze hinzukommt. Zudem setzt Religions-Philosophie im Allgemeinen andere philosophische Disciplinen , wenigstens eine gewisse philosophische Propädeutik voraus; die special jüdischen philosophischen Arbeiten eines Maimonides. Juda Halevi, Jos. Albo u: s. w. mußten erst der Jugend durch Umarbeitung, in deutscher Sprache, zugänglich gemacht werden, und gäben, nach dem heutigen Standpunkte der Wissenschaft, vielleicht mehr einen literar-historischen, als religiös-wissenschaftlichen Gewinn ab. Selbst dem Bibelunterrichte boten sich in dieser Elasse wegen des verhaltnißmäßig stärkern Zuzuges aus der Fremde größere Schwierigkeiten dar, als in den frühem Jahren, wo doch mit Konsequenz Etwas erzwungen und mit der Zeit Etwas geleistet werden konnte. Ein Gebiet jedoch war bisher fremd geblieben. Es wurde der Jugend bisher nur das Gewordene als ein fertiges im Judenthume gegeben; es soll ihr nun das Werden vorgeführt werden: Religionsgeschichte im weitesten wie imengern Sinne, Geschichte . der Religionen dos ganzen Orientes im. Atterthckire und Geschichte des JudenthuMeswenigstens- bis zum Abschlüsse des Talmudserschien als der: geeignetste und'würdigste Gegenstand für diese Elasse. Der Erfolg entsprach auch den Erwartungen. Die Geschichte des Geistes in seinem Ringen nach Licht, in seiner gigantischen Arbeit, die ihm inwohnende Ahnung zum klaren, anschaulichen Begriffe sich zu gestalten, erregte bei den gebildeten Jünglingen das lebhafteste Interesse; die daraus gewonnene Einsicht, daß die religiöse Idee, mit der Menschennatur auf's Innigste verwoben, der ursprüngliche Motod aller geistigen Thätigkelt und die eigentliche. Bildnerin der Menschheit war,' ließ sie diese in ihrem wahren Lichte, in ihrer wahren Glorie erfassen, und die EntwickelungSgefchichte des Judenthums zeigte ihnen dieses als ein: organisches Gebilde, in heiligem Boden wurzelnd und auS einem göttlichen Keim entsprossen. Man stoße sich nicht daran, daß in der Jugend fremde Religions - Systeme vorgetragen wurden: Wie das Tageslicht nur da am schönsten ist, wo es unmittelbar auf die Nacht folgt, fu gewinnt das göttliche Licht der Wahrheit erst recht seineit Glanz, wenn es inmitten der Geistesnachtdie das Alterthum umhüllte, in seiner Reinheit und Klarheit zur Anschauung gebracht wird... Indem wir diesen Bericht der Oeffentkichkeit übergeben, sind wir, .wir wiederholen es, fern von jeder Anmaßung, als normgebend aufzutreten:; wir beabsichtigen bloß, Andern mit Beispiel voranzugehen. Für jene Herren:, die etwa den zuletzt besprochenen Gegenstand einer Beachtung würdig halten sollten, möchten wir für die Geschichte der Religionen des Alterthumes auf Niemeyer aufmerksam machen: „Lehrbuch für die obern Religions- Claffeu in Gelehrtenschnlen" in Verbindung mit dessen : „Anmerkung u. s. w. zum Gebrauche für Lehrer", Halle-18&&. Die in dem letztem Werke angegebenen Quellen bieten dem Lehrer ein weites Feld zum Selbststudium. Für Geschichte des Judenthums, besonders in der für: uns wichligften Periode der nach-erilischeu Zeit bis auft die Tanaim, fließen dir pragmatischen Quellen allerdingsl sparsam, Alles tritt da wieder als ein Gewordenes, wie Minerva aus dem Haupte Jupiters, hervor; allein es ist' das nicht daS' einzige Gebiet auf dem geschichtlichen Boden;: wo man mit dem Janus-Kopse vorwärts undrückwärts zugleich schauen und von dem vor unfern Augen sich Entwickelnden auf den Entwicklungsgang:des bereits Gewordenen schließen muß. Erwarten wir, daß Herr lir. Grätz mit seinem reichen Wissen, seinem historischen Scharfblicks

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