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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1854-02-13 · Heft 7 (13.2.1854) · p. Seite 83

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
18 (1854)
Issue
Heft 7 (13.2.1854)
Date
1854-02-13
Page
Seite 83 (sequence 7)
Language
German
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83 haben, und sich als vollkommen gesund gebahren. Und dies war bei den meisten Herren der Fall, denen seit Jahren der Beruf des Religionslehrers an höhem Bildungsanstalten übertragen wurde. In naiver Gläubigkeit erwarteten sie mit dem V'ne-Zion oder einem ähnlichen Buche dasselbe Wunder, das unfern Vätern in der arabischen Wüste mit ihren Kleidern geschah: das sollte sich dehnen und schmiegen mit dem geistigen WachSthume der Jugend, und was dem Kinde paßte, darin sollte der Jüngling sich nicht beengt fühlen!! — Mußte da die Jugend -- und wir sprechen auS trauriger, gar trübseliger Erfahrung — mußte da die Jugend nicht alle Achtung vor Religion und Religionsunterricht verlieren, wenn ihr gerade auf diesem Gebiete von Jahr zu Jahr keine andere Geistesnahrung geboten wurde, als der längst verkante und oft verdaute Kinderbrei? — In früher» Zeiten nahm der Religionsunterricht die ganze Kraft und die ganze Zeit der Jugend in Anspruch, er füllte das ganze jugendliche' Leben aus und bildete ihren ganzen Wissens schätz — die Chaderim und die Jeschiboth waren nichts anderes als Religionsschulen, vom Leben gestützt und getragen — aber die glichen der Jakobsleiter, an der die Jugend, bei allmälig sich entwickelnder und wachsender Kraft, von der untersten Sprosse des einfachsten, mechanischen Wortverständnisses bis zur schwindelnden Höhe der talmudischen Dialektik emporklomm — und heutzutage, wo die Jugend ihr Wissen auf andern Gebieten sammelt und dieses als Maßstab und Probirstein für das in der Religionsschule ihr Gebotene mitbringt und anwendet, heute sollte der reifen, denkenden, kritisirenden Jugend dasselbe für alle Stufen der Entwicklung genügen, was dem Kinde genügte? — Es drängen sich uns, indem wir dies niederschreiben, eine Menge Zeitfragen, oder vielmehr in unserer Zeit aufgeworfene Fragen auf: Ob Dogmen, ob nicht Dogmen, ob das Judenthum eine Religion der That oder der Thatsache! — ob Religion überhaupt in Paragraphen, oder, wie es der liebe Gott mit seinem -n22T ‘vmö machte, nnvr twiüai gelehrt werden soll; ob in bestimmten Tagesstunden, oder, wie die Mucker, wenn der Geist zum Durchbruche kommt und dergleichen mehr. — Allein die Erörterung dieser wichtigen Fragen würde unS zu weit über die Grenzen eines Journal-Artikels hinausdrängen, und wir kehren wieder zu unserem redlichen Herrn Amtsbruder zurück, dessen Aufruf wir als ein -an»:! mp bw begrüßten, als ein Aufruf zum Aufräumen und zum Wegbahnen in der trostlosen Einöde. ■ Um eS aber nicht bei dem Gruße allein bewenden zu lassen, wollen wir den Reigen der in Folge dieser Aufforderung zu erwartenden öffentlichen Besprechungen dieses hochwichtigen Gegenstandes mit einem Berichte über die Einrichtung in der hiesigen Religionsschule beginnen, ohne jedoch auf Unfehlbarkeit oder in irgend einer Weise auf Maßgebung für andere Anstalten dieser Art Anspruch zu machen. In der Wiener Religions schule bildet Bibel in der Ursprache einen integrirenden Theil des Religionsunterrichtes; von der untersten Classe der Volksschule durch alle Realschul- und Gymnasial-Classen, bis zur siebenten. In den drei Volksschul-Classen nebst biblischer Geschichte bis zu den Königen das Geeignete aus den ersten vier Büchern der Thora; in den drei Unterrealschul- und den entsprechenden Untergymnasial-Classen deS 5. B. Mos. und die historischen Bücher Josua, Richter und Samuel; in, den Oberrealschul- und den drei folgenden Gymnasial-Classen die Sprüche Salom., Psalmen und Propheten mit Auswahl. ES ist nicht in Abrede zu stellen, daß dieser Lehrgegenstand die meisten Schwierigkeiten bietet, theils wegen des geringen Zeitmaßes, das ihm zugewendet werden kann — nicht ganz zwei Stunden die Woche, da die Schüler jeder Classe nur drei Stunden wöchentlich die Religionsschule besuchen, und auch für nicht mehr bemüßiget werden können — theils wegen der Mißliebigkeit des Gegenstandes bei einem großen Theile des Publikums, theils wegen des steten Zuzuges von Schülern aus den Provinzen, denen oft ein hebräisches Buch ein Dinn *idd ist. Allein durch Eifer und -konsequente Beharrlichkeit wird doch im Laufe der Jahre eine gewisse Vertrautheit mit den heiligen Urkunden und eine Achtung vor dem darin waltenden Geiste bei der Jugend erzeugt, und hat der Lehrer nur Selbstverläugnung genug — und die muß der redliche Lehrer haben — für seine mäßigen, aber consequenten Ansprüche an Privatlehrer und Schüler den Unkenruf hinter seinem Rücken: Hannibal ad portas, nicht zu scheuen, so wird er auch die Schwierigkeiten von Außen, von Seiten der Eltern und Lehrer, besiegen. Für so manche verlorne Kraft und Mühe muß ihn das Wort Gottes Jes. 6, 13 trösten; ganz verloren und bei Allen verloren ist redliches Streben niemals. Der systematisch geordnete Religionsunterricht beginnt hier mit dem Eintritte in das Gymnasium oder in die Unterrealschule. . Für die untern Volksschulelaffen genügt hier der Unterricht in Thora und biblischer Geschichte um

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