Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 18 (1854)
- Issue
- Heft 6 (6.2.1854)
- Date
- 1854-02-06
- Page
- Seite 71 (sequence 7)
- Language
- German
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71 schrift versehen sein muß. Zum Wahllocal ist, wie wir hören, die große Synagoge in . der Haidereutergaffe bestimmt, und dürste der Wahltermin in etwa 14 Tagen bis 3 Wochen stattfinden. Wie man hört, werden hie näheren.Festsetzungen hierzu binnen kurzer Zeit von dem Vorstände der Gemeinde öffentlich erlassen werden., Oesterreichischer Kaiserstaat. ., Wien, 27, Januar. lPrivatmitth.) - In der am 23. Januar —. also vor 3 Tagen — abgehaltenen Sitzung. des Gemeinderaths zu Pest.h wurde unter Anderm die Antwort der hohen Statthalterei auf eine von - der Gemeinderepräsentanz gestellte Anfrage verlesen, in welcher es heißt, daß dem Gesetz vom 2. October 1853, welches die Erwerbfähigkeit von liegenden Gütern für.. Israeliten sistirt, keine weitere Deutung unterlegt werden soll, daß daher den Israeliten die Gesuche um.Bürgeraufnahme und um Meisterrechte. zu bewilligen sein werden,. wenn die übrigen Bedingungen zur Erlangung dieser Rechte erfüllt sind. Im Jahre 1846 7hatte sich die böhmische Judenschast zur Ablösung der damals noch. bestandenen Judensteuer mittelst eines in 5jährigen Raten abzutragenden Pauschalbetrags verstanden. Zwei Raten mit 3 20,000 Gulden waren hiervon schon erlegt, H im. Jahre 1848 die Aufhebung sämmtlicher Judensteuern erfolgte. Die böhmische Judenschaft reclamirte nun die gemachten Erlege, welche sie zur Begründung. eines Wohlthätigkeitsfonds . unter dem Namen Kaiser-Ferdinandsstiftung bestimmte, doch sollten vorerst die Pensionen der ehemaligen Judensteuerbeamten davon bestritten werden. Bis in letzten Tagen war hie Sache noch, anhängig; gewesen, indem.sich eine — freilich nicht durchgedrungene — Ansicht geltend machen, wollte, daß, die Judenschaft sogar zur fortgesetzten. Leistung der-Pauschalraten verpflichtet,, und um so weniger zur Erhebung des Erlegten berechtigt sei. In diesen Tagen ist die Sache nun vom Kaiser nach dem Wunsche, der Bittenden entschieden worden. v;^;- Der religiöse Elementarunterricht in hiesiger CultuSgemeinde macht unter der Leitung des wackern Lehrers Wolf recht erfreuliche Fortschritte. Namentlich/ist chie weibliche: Jugend an bedeutend vermehrter Anzahl herangezogen-worden, und,ich habe die Üeberzeugung erlangt, daß -der für die unterste Claffe der Mädchen auf die biblische Geschichte bis zum Tode MoseS und auf das Verständniß der Hauptgebete ausgedehnte Unterricht in Kopf und Herz eindringt, und die Aufgabe einer sittlich religiösen Grundlage vollkommen erfüllt. .; Aus Mähren, 20. Januar. (Privatmitth.) Sie werden sich wohl mein längeres Stillschweigen leicht erklärt haben, da sich jetzt aus-dem Kaiserstaate nichts. Erhebliches mittheilen läßt. Oesterreich , das jetzt in der Politik das Zuwarten für-das heilsamste ansieht, scheint auch, in der Entwickelung seiner'neuen innern Organisation mit Bedächtigkeit und Behutsamkeit voranzuschreiten. Die Publication des Gemeindegesetzes ist noch nicht erfolgt: : Ueber den bekannten Erlaß in der „deutschen Volkshalle" hat sich eine wahre Fehde, ein Federkrieg in der Presse erhoben. - Die „Presse," -der „Lloyds erklärten den Erlaß für apokryph; das. „Salzburger Kirchenblatt" und die „Allgemeine" traten für die Canonicität desselben in die Schranken. Der wahre Sachverhalt ist daher noch nicht erforscht, worauf ein dichter Schleier zu ruhen scheint. Der durch seine einschneidende Dialektik.ausgezeichnete und wahres Aufsehen erregende Artikel im Lloyd Nr. 273-, den auch Ihre. Zeitungwiedergegeben, beruht auf falschen Prämissen, da in der That der katholische Clerus mit der Controlle der Matriken der Akatholiken betraut war. Die Controlle der Matriken bei den Protestanten wurde im Jahre 1848 aufgehoben, und eo ipso bei den Juden durch die Verfassung vom 4. März 1849. — Unter solchen Verhältnissen ist es recht erfreulich und tröstend, daß-unsere 'gerechte Sache von einer andern Seiteeinen mächtigen Vertheidiger gefunden. Der Orient, die Wiege der Eultur und der Offenbarung der Menschenrechte, hat sich zur Vertheidigung der Emancipation erhöben! Ein trefflicher Artikel in der Allg. Ztg. vom 12., d. Mts. aus I erusalem über die orientalischen Zustände, ein wahres Gegenstück zu den bekannten Correspondenzen dieses Blattes über die Türkei, brachte eine beredte Vertheidigung der jetzt im Orient ausgesprochenen Emancipation der Jü d e n uyd'Ehriften, .des einzigen Mittels, wodurch die Pforte voM unvermeidlichen Untergange - gerettet werden kann, der wahrlich zwüderDmexkwürdigen- Erscheinungen-der/Zett gehört.;