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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1854-02-06 · Heft 6 (6.2.1854) · p. Seite 69

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
18 (1854)
Issue
Heft 6 (6.2.1854)
Date
1854-02-06
Page
Seite 69 (sequence 5)
Language
German
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hat und wonach dort das Gerücht „Bestand zu haben schien," Herr v. Rothschild habe sich bereit erklärt, das Anlehen der Pforte zu übernehmen, ja noch eine größere Summe zu verabfolgen, wenn ihm dafür Palästina verpfändet werde, da für seine, Glaubensgenossen die Zeit herannahe, wo sie dahin; zurückkehren und den Tempel zu Jerusalem aufbauen wollen! Da die Zurückschiebung der Juden in's ge- ' lobte Land längst zu den Lieblingsideen der Mg. - Ztg. gehört, so läßt sich vermuthen, daß sie sich, ihrer wenig türkenfreundlichen Gesinnung unbeschadet, an dieser Rothschild'schen Anleihe mit einer namhaften Subscription betheiligen und hierdurch einst einen wichtigen Platz in der Weltgeschichte einnehmen werde. H. B. Preußen. Berlin, 19. Januar. (Privatmitth.) Am ver-! gangenen Sonntag, d. 15., berührten sich im Schoße! der hiesigen jüdischen Gemeinde zwei sonst sehr entge- : gengesetzte Feierlichkeiten, goldne Hochzeit und Leichen^? feier, und ■asian am Morgen die! Beerdigung des jungen Buchhändlers und ehemaligen Gemeindevorstehers M. Simion, am Mittag die goldne Hochzeit deS ersten RabbinatS-Verwesers I. I. Oettinger. Beide Feierlichkeiten, so verschiedenen Gründen und Gefühlen auch die ihnen gewordene Theilnahme angehören mag, vereinigen sich tarin,; daß sie Zeugniß ablegen von der im Volke hier voll-? endeten socialen Annäherung und dort vollendeten socialen Gleichstellung der Juden und Christen. Die Feier der goldnen Hochzeit eines so frommen Rabbinen ist neu, im Judenthum ist weder silberne noch goldne Hochzeit bekannt, und gehört ein solches geselliges Fest ganz dem modernen Leben der Civilisation an. Auch scheint die neuorthodore Partei sich bloß auf die.Gelegenheit geworfen zu Haben, um sie für die heranrückenden' Gemeindewahlen urbar zu machen, d. h. die zahlreichen Freunde deS Jubelgreises mittelbar damit zu bestechen, während doch sonst der fromme, harmlose und tolerante Mann mit ihr in keinem Verhältnisse gegenseitigen Wohlwollens steht. Die nicht erwartete Betheiligung der Reformgenoffenschaft hat aber der Feier den Nimbus specifisch neuorthodorer Judenthümlichkeit geraubt, deren Gepräge daS. Fest in den Augen der Welt und namentlich der Behörden tragen sollte. Letztere' schienen auch in dem Lärm nur ein schlecht angelegtes und ungeschickt verhülltes und geleitetes Parteimanöver zu erkennen, und sie blieben persönlich fern, wenn sie auch die persönliche Ehewürde deS Gefeierten durch Zuschriften anerkannten. Das bei Mäder ftattgehabte Festesten befriedigte nicht die gehegten Erwartungen von dem zu machenden Eindrücke, und der Witz behauptete zugleich, daß die Toaste (Reden und Trinksprüche) weit ungenießbarer, als die wirklichen Toaste (Geröstetes und Gebratenes) gewesen wären. In der Voß. Ztg. vom Festtage geißelt F. Lt. mit hebräischen Versen die Absichten der Partei, dafür sagt ihm zwei Tage darauf ein Anonymus (der sich aber durch fein „Zungengold" als Festdichter und also als D. C. verräth) fein, wie man'S an der Partei gewohnt ist, Lt. sei „— Y82 snt üw" . Ueber Simions Person und Leichenfeier finden Sie einige Worte in der Nationalzeitung Nr. 27. Der in der Blüthe deS männlichen Alters Heimgegangene war einunternehmender Verleger, geist- und kenntnißvoll, hochgebildet, unermüdlich in Geschäften und für daS Wohl der Mitmenschen thätig, und einer der schönsten Männer Berlins. Seine persönlichen Vorzüge und die Achtung, welche er im Leben genoß, wurden durch die Theilnahme bezeugt, welche seiner Leichenfeier von Seiten hoher Beamten und der christlichen Buchhändler geworden ist.. Um so auffallender, wenn nicht em Zougniß mehr für das Verdienst deS Hingeschiedenen, ist eS, daß unser Gemeindevorstand und unser Schulvorstands den Parteihaß noch am Todten kühlend, weder in corpore noch durch Deputation der Feier ihren Anschluß gönnten. Simion war mehrere Jahre in beiden Collegien, und das bloße Schicklichkeitsgefühl hätte die Vorstände in's TrauerhauS weisen müssen. Aber Simion war nicht bloß Reform genösse , sondern auch ein Geächteter der Polizei, und man glaubte wahrscheinlich, die Regierung indirect durch diese Voraussetzung verläumdend, sich in den Augen der Polizei ein Verdienst zu erwerben, wenn man der Leiche des mißliebig gewesenen Mannes letzten Haß statt letzte Liebe erweist. Wir sahen im Sterbehause einen der höchsten Staatsbeamten, der muß demnach weder die Ansicht noch die Voraussetzungen des Vorstandes getheilt haben. F. Lt.

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