Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 18 (1854)
- Issue
- Heft 6 (6.2.1854)
- Date
- 1854-02-06
- Page
- Seite 68 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3224737-3225877-3225884--13664-3243117- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
68 mit unnützen Dingen geplagt, der Geist wird aufgeklärt, das Herz veredelt, der Geschmack geläutert — ohne der Wirklichkeit a-gewendet zu werden. Denn Dies ist die Hauptsache in der weiblichen Erziehung, daß die große Kunst deS Weibes: auch das Gewöhnlichste, auch daS Einfachste mit dem Reiz..und dem Adel der Anmuth zu bekleiden, in dem Mädchen geweckt und entwickelt werde. Dazu führt aber nicht die Verbildung, die Ueberladung, die Verkehrtheit, das Romanhafte — gerade im Gegentheil: die Natürlichkeit, die Gesundheit deS Geistes, die das Schone in der Wirklichkeit zu finden und daS Wirkliche durch den Geist zu verschönern versteht.... Die Quälerei der weiblichen Zugend mit Sprachen und Musik, welche in der Regel doch nur halb erlernt und bald ganz wieder verlernt werden, welche, selbst tüchtig erlernt, später höchstens zur seltenen Lectüre eines Buches in fremder Sprache oder zum Klimpern eines halb vergessenen Walzers oder einer Ouvertüre veranlassen — ist nur schädlich. Romane aber sind das Gift der Jugend, daS Opium der Jugend, aller ernstern Lectüre, aller tüchtigen Bildung Feind, und wohl, wenn sie noch bei diesem negativen Schaden verbleiben*)! Ha, Ihr glaubt, durch die Gegenstände, welche wir oben angegeben, würden sie nur hausbackene Frauen? Thoren, hausbacken werden sie doch, hausbacken sollen sie sein. Aber ein Weib, das die Classiker gelesen, daS Gesckichte und Naturwissenschaften in gutem Maße kennt, das den Kreis ihrer Häuslichkeit mit scharfem Blick überschaut, daS hat in zehn Fällen eher ein gesundes Herz, einen gewandten Geist und eine feste Hand, als diese geistigkränkelnden Geschöpfe, welche in ihrem achtzehnten Jahre die Lechbibliothek ausgelesen, einige französische Phrasen parliren und einige Arien spielen und fingen — ha! waS für ein Singen! — können. Nein! theure Glaubensgenossen, verlasset den Weg blöder Nachahmung, den Ihr nun schon so lange zu großem Nachtheil beschritten, auf welchem Ihr Euch schon fast verloren habet. , Ganz besonders unsre weibliche Jugend bedarf der Umkehr, wenn sie geistig und körperlich keinZerrbild werden soll. *) Romanschreiber Haben gesagt, die Jugend müsse Romane lesen, sonst mache sie welche — eitle Phrasendreh« rei! Die gesunde Jugend empfindet und denkt, aber macht keine Romane — Romane machen lernt sie aus den Romanen — und wenn sie selbst von selbst Romane macht, spielen diese in ihrer Wirklichkeit! ES thut hohe, hohe Noch — wir bedürfen geistig und körperlich gesunder Frauen, gesunder Mütter! Zeitungsnachrichten. Deutschland. Aus Baiern, im Januar. (Privatmitth.) Wenn man in neuerer Zeit häufig Klagen über Abnahme deS WohlthätigkeitSsinnes unter den Israeliten hört, so ist es mir um so erfreulicher, Ihnen ein Factum mittheilen zu können, welches einen gegentheiligen Beweis liefert. Das große Brandunglück, welches im September vorigen Jahres das Dorf Schenungen in Unterfranken betroffen, ist seiner Zeit allerorts bekannt geworden. Sobald der Hilferuf ertönte, säumten auch unsre Glaubensgenossen nicht, den Anforderungen der Humanität Rechnung zu tragen, und gingen mitunter namhafte Spenden ein. Besonders verdienen die Städte Frankfurt a. M., Mainz, Kassel u. a. m. rühmliche Erwähnung. Unsere baierische Kreuzzeitung (Volköbote) hat bei dieser Gelegenheit wieder ein schönes Stückchen „RischuS" zum Besten gegeben. Die Redaction dieses Blattes wurde nämlich von einem ihrer Gesinnungsgenossen ersucht, gleich andern baierischen Zeitungen eine Collecte für die Verunglückten zu eröffnen, allein sie lehnte dieses Ansinnen aus dem Grunde ab, weil sich unter den Abgebrannten auch Juden befänden! Überhaupt fährt diese Cloake fort, Juden und Judenthum zum Ziele ihrer gehässigen Angriffe zu machen, wozu ihr leider schon seit geraumer Zeit gewisse Vorfälle in der Rheinpfalz willkommenen Stoff darbieten. Unter dem Mitgliederverzeichniffe des bei Gelegenheit^ deS hohen Geburtsfestes Sr. Maj. unseres Königs am 28. November vorigen Jahres neu gestifteten Ordens für Heroen der Künste und Wissenschaften befindet sich auch der bekannte jüdische Componist I. Meyerbeer aus Berlin. Das Kammermitglied jüdischen Glaubens, Herr vr. Arnheim, ist bei diesem Landtage wiedereinem Ausschüsse zugetheilt worden. Mit welchem läppischen Zeug zuweilen auch „europäische" Blätter sich zum Besten halten lassen, zeigt eine Nachricht aus Paris, welche in der zu Augsburg erscheinenden Allg. Ztg. Aufnahme gefunden