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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1854-02-06 · Heft 6 (6.2.1854) · p. Seite 67

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
18 (1854)
Issue
Heft 6 (6.2.1854)
Date
1854-02-06
Page
Seite 67 (sequence 3)
Language
German
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67 besten Ausdrücken aus allen Ländern der Welt von den Logenspitzen selbst erklärt worden. So lange also die drei Berliner Logen so großen Widerspruch, nichts als Widerspruch aus allen übrigen Logen erfahren, so lange können wir dies nur als einen Gewaltftreich jener bezeichnen, den sie gegen die eigentlichen Grundsätze und das-wahre Wesen der Maurerei ausgcführt haben, und den wir ihnen mit Gleichgültigkeit, ja mit-Verachtung Nachsehen. Sie haben sich damit selbst als außerhalb der wirklichen Maurerei stehend bezeichnet, und das ist ihre Sache. Nur dürfen sie sich nicht als Organe der aufrichtigen Maurerei geriren — denn dann müßten sie ein glänzendes Dementi erhalten, was sie freilich schon gewohnt sind. Sehr irren werden sich aber diese Berliner Logen, wenn sie glauben, daß sie mit dieser Erklärung ihre Gegner befriedigt haben. Und sie können sie auch nicht befriedigt haben. Denn selbst wenn diese Logen das Iudenthum verläugnet haben, sind sie katholisch oder protestantisch? und kann ein aufrichtiger Geistlicher dieser Kirchen rnit ihnen verkehren? Wir glauben nicht-— und dies ist Euer Ftasco, Berliner Logen*). Die Erziehung. H. Da es uns hier nur darauf ankommt, einige gute Rathschläge zu geben, so gestatten wir uns heute zunächst Einiges über die Erziehung des weiblichen Geschlechtes zu sagen. Wir wissen sehr wohl, daß wir hier nicht für die höchsten Stände schreiben — nicht für jene jüdischen Reichen oder Scheinreichen, welche den bon ton der dauta volee in ihren Familien nachzuäffen streben; wir denken gar nicht an die ftanzöfische Bonnen-Wirthschüft, an die „elegante" Erziehung; denn erstens wäre es thöricht von uns, für dergleichen zu schreiben, die unser Blatt nicht lesen, und zweitens wissen wir gar nichts für sie zu schreiben. Wir schreiben für jenen tüchtigen Mittelstand, zu dem die Juden eigentlich gehören, und dem Diejenigen unter den Juden stets zustreben, die noch nicht zu ihm gehören. Was ist nun in der Erziehung der weiblichen Jugend *) In diesem Augenblick lesen wir eine Erklärung des Herrn Prof. 0r. Hengstenberg in Berlin, welche den Logen denn auch ein Weiteres ankünvigt. - ■ bei unsren Glaubensgenossen im Durchschnitt zu thun? Sie einfacher, realer, zweckmäßiger einzuricht e n. Es findet durchgehends bei dem weiblichen Geschlecht der Juden in der Erziehung ein Zwiespalt, ein Widerspruch zwischen Streben und Wirklichkeit statt. Während das Leben ringsum das materiellste, gewöhnlichste, praktischeste ist, sucht man der weiblichen Jugend eine Idealität einzustößen, ihr „eine feine Erziehung" zu geben, die Opfer genug bewirkt, und noch ungleich mehr traurige Opfer bewirken würde, wenn diese Art Erziehung öfter anfchlüge, und wenn die menschliche Natur nicht so Vieles überwände, und selbst starke Dosen Gift vertrüge. Gelingt diese Art Erziehung nicht, so bleiben doch unoerdaute Brocken und Magenschärfe davon übrig, die bis in das Marronenalrer eine schlechte Würze des Lebens abgeben. Gelingt sie aber, und die Vorsehung führt solche verfeinerte Naturen einen rauhen Lebensweg, bringt sie nicht glücklicher Weise in Verhältnisse, die ihnen Zusagen —-wehe ihnen! Doch sprechen wir geradezu. Wir rathcn den jüdischen Eltern, ihre Töchter — außer ihrer religiösen Erziehung, wovon später -— lehren zu lassen: 1) ihre deutsche Muttersprache auf's Gründlichste, so daß sie mündlich und schriftlich eines reinen, fließenden Ausdrucks mächtig, und in den besten cläffischen Schriften seit der Mitte des vorigen Jahrhunderts sehr belesen sind; 2) Uebung im Rechnen der vier Species, klare Handschrift; 3) eine möglichst ausgedehnte Kenntniß in Geschichte, Naturwissenschaften und Erdbeschreibung. Damit ist es aber gut — keine Sprachen, sie müßten denn außerordentliche Talente haben, keine Musik, die unter hundert Fällen mindestens neunundneunzig Mal zu nichts gebracht wird, besonders aber keine Romane, gar keine Romanewir sagen durchaus keine Romane in's Haus! (Als kleine Mädchen keine Mähr« chen und keine Erzählungen!) Dahingegen, sobald sie aus der Schule sind, tüchtig Weißnähen, Schneidern, leichten Pütz machen, Waschen, Kochen — doch immer Hand in Hand — mit weiterm Unterricht in der Lectüre klassischer Werke (aller Literaturen in guten Übersetzungen), in Geschichte, Naturwissenschaften und Erdbeschreibung, möglichst auch im. Chorflngen.- ' Dies find die Elemente einer guten Bildung der'weiblichen Jugend. Dadurch werden sie nicht überladen, nicht

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