Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 18 (1854)
- Issue
- Heft 5 (30.1.1854)
- Date
- 1854-01-30
- Page
- Seite 58 (sequence 8)
- Language
- German
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58 ven, die für das orthodoxe Judenthum sprechen, die sich nicht einmal den „Tröp" wollen streitig machen lassen. Sie wissen zu erzählen von den glücklichen Zeiten, die du waren, als man noch religiös war, und die jetzt ganz verschwunden sind. Sie wissen mit einem Worte die ganze' Poesie des orthodoxen JudenthumS herauszuheben; — haben sie doch zumeist darin ihre Jugend verlebt. Kommt man aber den Herren etwas näher zu Leibe und fragt sie, ob ihr Leben auch mit den geäußerten Ansichten übereinstimme, dann freilich hören Sie zwei Forderungen, die das orthodoxe Judenthum seinen Bekennern gewähren solle. Die Schranken der Speisegesetze und die strenge Feier des Sabbaths mögen fallen. — Und Nun stehen wir wieder so klug wie zuvor. Ich habe Ihnen nur das angeführt, weil eS mir ein Zeichen dex Zeit -zu fein scheint. Es läßt sich nicht läugnen, wir sind da, wie überall, in einer Uebergangsepoche begriffen. WaS daraus hervorgehen wird? — Wer wollte dem Weltenlenker vorgreifen 1 n Ich gedachte eS zwar zu übergehen, denn es ist nicht gut, sich mit schmutzigen Dingen abzugeben. Aher eS sei! Hat Ihnen vielleicht der neue MisfionSprediger zu Breslau und ehemaliger israelitischer Prediger in Bukarest, Herr Israel Pick, seine Predigt zugeschickt? Manchem seiner ehemaligen Bekannten hier hat er sie per Post eingesendet. Wahrlich, man braucht die Mission nicht um den Fang zu beneiden. Derselbe wollte Brod haben, und nachdem er bereits auf verschiedene Weise sein Glück versuchte, als Hehrer, Journalist rc. rc., hat er endlich jetzt 2000 Thaler Gehalt erlangt. Die Angaben, die derselbe Wer sein Wissen macht, scheinen allerdings auS kürzester Zeit herzurühren, wo er die hinünkische Erscheinung hatte. Aber jedenfalls scheint eS mit der Mission schlecht zu stehen, wenn Leute, wie Herr Pick, der solche Gemeinplätze in seinen TheseS aufstellt, ihr auf die Beine helfen sollen*). Wie ich höre, sucht die Gemeinde in Brünn einen Prediger und hat darüber Unterhandlungen mit Herrn vr. Jellinek in Leipzig angeknüpft. . '*) Da sich vielleicht einige Leser erinnern, daß eine Gemeinde zu. Bukarest vor einigen Jahren einen Prediger von uns verlangte, so bemerken wir ausdrücklich, daß wir Verrn Pick nicht' hingesandt, sondern, bevor E -noch unsre gewissenhafte Wahl getroffen hätten, Herr Pick: vom Wien aus dahinging. Redaction. ^roßbritavnieu. London,' im Januar. (Privatmitth.) Sie können und werden es' nicht von mir verlangen, daß ich über die letzten Vorgänge/ im' boanä ok veput. noch weiter berichte. Die Sache verläuft sich in Sand, oder beffep: in den Nebel, Versetzt drückend auf London liegt-. Ob die Gemeinde der New-Synagogue den Alderman Salomonö, nachdem er abdicirt hat, einstimmig wieder wählte, und dieser nichts Eiligeres zu thun hatte, als wieder in den boarä zu laufen, nachdem er erst davon gelaufen, daß die Gemeinde in Ehalham — doch ich sehe, ich komme schon wieder in's Berichten, und wollte dies doch nicht. Denn in der That, ich frage, wer auf dem Festlande hat ein Interesse an dieser parlamentarischen Farce, an dieser Carricatur deö Ober- und Unterhauses, die so rycht tman npro gespielt wird? Das doarä hat sich einen großen Nachtheil dadurch beigebracht, daß es her Presse gestattet hat, Berichte über seine Sitzungen abstatten zu können nun schauen die Neugierigen hiWr den Vorhang, und sehen— rein Nichts. Es geschieht in dieser Versammlung nicht das Geringstewas erwähnenswerth ist. Also lassen wir ruhig bm englischen Juden ihren Dalai Lama und ihren Boghtz Lama; rührte sich doch auch die Margareth-Street- Gemeinde bei der ganzen Angelegenheit nicht also was kümmertS uns. Nur einige Worte ap Herrn S. Bloch in Paris gestatten Sie mir. Wer die hiesigen Verhältnisse kennt, wußte, daß die hiesigen beiden jüdischen Wochenschriften den Mund höchstens aufthun werden, um sich einige Eßlöffel Briefe prq et contra beibcingen zu lassen, aber wohlweislich stillschweigen werden. Die englische Presse erleidet einen viel ärgern Zwang — von ihren Abonnenten als diq festländische von je einem.Preßgesetze. Nachdem daher die Sache abgethan ist, legten sie stch natürlich schnell wieder in die Strahlen der beiden großen Sonnen am Himmel der britischen Juda. WaS wqlltq aber Herr Bloch in Paris, daß er sich erdreistete, gegen meine Correspondenzen loszuziehen? Wenn eS ihm gelüstet, in Frankreich, dem einzigen Staate-, außer Belgien und Holland, in welchem die Gleich-, steüung nicht angetastet worden, GewiffenSzwaW hervorzurufen und ein kleines Musterchen von Bann und Ercommunication aufzustellenso mag er freilich bei den französischen Juden allenfalls darauf verwei-