Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 18 (1854)
- Issue
- Heft 5 (30.1.1854)
- Date
- 1854-01-30
- Page
- Seite 57 (sequence 7)
- Language
- German
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mmm» 57 nügt werden. Geschieht^ aber nicht — und dies ist wahrscheinlicher — so wollen die Orthodoren — oder die Mitglieder der msn tfo — den Rabbiner Guttmacher von Grätz nach Posen berufen und denselben ihrerseits vorläufig auf 3 Jahre als 'p'i rva 10»^ aufnehmen. Oesterreichischer Kaiserstaat. Wien, 19. Januar. (Privatmitth.) *) Die Verhandlungen über die Stellung unserer GlaubenSgenoffen im österreichischen Kaiserstaate find noch im Zuge, und es. kann -wohl noch eine Weile dauern, bis darüber entschieden werden wird; doch erscheinen die Hoffnungen begründet, daß eine volle und unverwirkt gebliebene Gleichberechtigung der österreichischen Unterthanen des israel. Glaubensbekenntnisses belassen werden wird, und daß die für den einen oder andern Fall sich noch aufdringenden Ausnahmen noch immer nicht die Verhängung einer drückenden Ausnahmsstellung und die Erlassung eines besondern Judengesetzes erheischen. Auch stellt es sich immer mehr heraus, daß von Seiten der österreichischen, böhmischen, mährischen, schlesischen, italienischen Juden gar kein Anlaß geboten wurde, um eine Rechtsschmälerung zu provociren. Vielmehr ist aber seitdem die Emancipation verliehen, in den betreffenden Provinzen sehr viel des Verdienstlichen nach den verschiedensten Richtungen geschehen. Allein auch in Ungarn und Gallizien sind Uebergriffe und Uebelstände nur sehr vereinzelter Art und nicht geeignet, ein hartes Verhängniß über die übergroße Mehrzahl der rechtlich Gesinnten heraufzubeschwören. Eine Beschränkung der Befitzerwerbung in Ungarn würde übrigens von den ungarischen Güterbesttzern nicht minder schwer als von den Juden selbst empfunden werden. Noch ist die Concurrenz der Erwerbungstüchtigen in jenem Lande nicht übermäßig groß, und eS zeigt sich das deutlich an dem noch tiefen Stande des Bodenwerthes. Wollte man nun gerade die nicht am geringsten mit Intelligenz und Geldmitteln ausgestatteten Käufer ausschließen, so wäre dies ein harter Schlag für diejenigen, die Güter zu verkaufen haben, oder sie gar verkaufen müssen. Die judenverfolgende Presie hat durch die Absur- , *) Nicht von unserm gewöhnlichen Correspondenten. Re.daction. ditaten, die sie zu Tage gefördert, und durch das Handgreifliche ihrer Verläumvungen mehr sich selbst als den Angegriffenen geschadet. Die blinde Leidenschaftlichkeit, welche selbst dahin trieb, den höchsten Namen im Staate zu mißbrauchen, scheint den maßlosen Angriffen von dieser Seite endlich ein Ziel gesetzt zu haben. Unter diesen freundlicheren Constellationen ist denn auch Vertrauen an die Stelle langer Besorgniß getreten. ES darf darum nicht wundern und auch nicht übelgedeutet werden, wenn die gegenwärtige Carnevalsfaifon nicht unerheblich durch Bälle belebt wird, die von mehreren der reichen und angesehenen Israeliten auSgehen. Bei der großen NahrungSlosigkeit, welche innerhalb vieler Gebiete der Industrie eingerissen hat, wird hiermit vielen Bedürftigen Arbeit und Erwerb gewährt. Ich bin für meine Person dem Aufwande in einigen unserer jüdischen Cotterien nichts weniger als zugethan, allein man kann auch nicht in Abrede stellen, daß er seine populäre Seite hat. Vor Kurzem starb hier eine Frau — tief in den achtzigern — die bei einem kolossalen Vermögen nichts weniger als den Ruf der Verschwendung zurückgelaffen hat: Frau Babette Edle von Sämel. Obschon sie im Leben sich wohlthätiger und hülfreicher erwies, als man es ihr beimaß, so waren doch die Erwartungen hinsichtlich wohlthätiger Verfügungen nach ihrem Tode durchaus nicht hoch gespannt. Hierin hat man sich nur getäuscht. Wie ich Ihnen bestimmt mittheilen kann — wird zum Theil in Folge eigener Anordnungen, zum Theil aber aus eigenem Antriebe der hinterlaffenen Erben, ein großartiges israelitisches Waisenhaus in Prag im Kostenanschlag von einmalhunderttausend Gulden erbaut werden. Andere sechzigtausend Gulden wollen die Erben zur Dotation und Einrichtung deS Hauses verwenden. Außerdem fallen zehntausend Gulden dem hiesigen Jsraelitenspitale und kleinere Spenden zu 500, 200 und 100 Gulden den andern hiesigen und Prager Wohlthätigkeitsanstalten zu. Auch das Institut der barmherzigen Brüder ist mit einer namhaften Spende bedacht. Wien, 15. Januar. (Privatmitth.) ES ist jetzt eine eigenthümliche Strömung im Hiesigen religiösen. Leben. Es neigt sich entschieden der größte Theil dem ConservatismuS zu. Ja, man hört Stimmen, die sonst ganz fern von Juden und Judenthume wa?