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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1854-01-30 · Heft 5 (30.1.1854) · p. Seite 54

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
18 (1854)
Issue
Heft 5 (30.1.1854)
Date
1854-01-30
Page
Seite 54 (sequence 4)
Language
German
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54 Dinge sichtbar und unsichtbar werden laßt"); wo dann den PythagoräiSmus und PlatoniSmuS zu verschmelzen versucht ward; wo andrerseits der Platonismus und zwar namentlich von mystisch-allegorischer Seite aufgefrisrbt wurde. Allein da wir hier an der Grenze stehen, auf welcher auf ursprünglich jüdischem, später auch christlichem Gebiete die geoffcnbarte Religion und die Philosophie sich zu durchdringen versuchten- und von wo ab der Einfluß jener auf diese nicht mehr zu verkennen ist, da insonters gerade des jüngern Platonisinus Urheber die beiden Juden Aristobul und Philo der Alexandriner waten, so können wir hier, wo es uns lediglich um die heidnische Philosophie galt, gerade auf jene Erscheinung nicht näher cingehen. Stellte doch Rumänin 8, der Nachfolger Philo's, den Satz auf, daß Plato nichts anders als Moses in attischer Sprache sei, ein Ausspruch, von dem man mit Recht gesagt, daß er sich eher auf die Leerure der Philonifchen als der Mosaischen Schriften gründet"). Das einzige und letzte Gebilde des heidnischen AltcrthumS war daher nur noch der Skepticismus in seiner Vollendung, und auf diesen werfen wir noch einen Blick. Der zur Zeit des Cicero lebende Aenesidemuö war es, der den Skepticismus, wie er bei den älteren Akademikern im Schwünge war, wieder erneuete und fester begründete. Die Akademiker waren inconsequent, und indem sie behauptetendaß nichts erkennbar sei, setzten sie doch wieder Tugend und Untugend, Gutes und Böses, Sein und Nichtsein als etwas Bestimmtes und Bestimmbares. Anders aber die echten Skeptiker (Pyrrhonier genannt), welche weder sagendaß der menschliche Verstand etwas erkennen, noch daß er es nicht erkennen könne, sondern nur, daß er überhaupt nichts zu entscheiden vermöge, so daß Dasselbe nicht mehr wahr als falsch, nicht mehr wahrscheinlich als umvahrscheinlich, nicht mehr seiend als nichtseiend fei13)* * Nach ihnen kann er nicht einmal darüber entscheiden, daß et nichts entscheiden kann. Nach Aenesidem ist Alles, was der menschliche Geist thun könne, vorurtheilslos über die Erscheinungen vergleichend zu xeflectiren, und dann ist Las WsuUaj: daß die größte Verwirrung und Gesetzlosigkeit in allen Dingen herrscht"). Dennoch hinderte ihn **) Epi.<t. Apollonii 58. 12) Tcnnemann, Gcsch. d. Philos. Bd. 5. S. 243. *3) IMiolhis, Bibiictlh. ed. Botliöm. p. 548* ") Dioyen. Laerl. IX. §. 78. dies nicht, in die Inkonsequenz zu fallen, dem heraklitifchen Systeme zu huldigen und sich hier ganz als Dogmatiker zu geriren. Ungefähr zwei Jahrhunderte später, gegen Ende des zweiten Jahrhunderts der gewöhnlichen Zeitrechnung, gab endlich Sertus Empiri kns, ein Arzt, diesem Skepticismus die Vollendung. Nach Sertus ist Skepticismus die Denkweise, welche allem Dogmatismus, positivem wie negativem, entgegentritt, er behauptet nicht die wirkliche Erkenntnlß der Dinge, wie der positive Dogmatismus, noch läugnet er die Möglichkeit derselben wie der negative, sondern er dringt auf die Zurückhaltung jedes entscheidenden Urthcils. Er ist ihm das Vermögen, die Erscheinungen und Vorstellungen auf jede mögliche Weise einander gegenüber zu stellen, und durch das dadurch gewonnene Gleichgewicht der Gründe zuerst zur Zurückhaltung von jedem Urtheil, alsdaNn zur größten Gemüthsruhe zu kommen"), weil der Forscher durch die Gegenüberstellung und das endliche Gleichgewicht der Gründe das Interesse an den Objecten verliert "). (Welcher falsche Schluß!) Für den Skeptiker hat daher nur das Wirklichkeit, was wir unmittelbar (jeder Einzelne im Augenblicke) wahrnehmen, empfinden, denken, das Objekt dieser Wahrnehmungen und Empfindungen aber ist uns gänzlich verborgen (aörjXov, ä<parig). Was den Skeptiker hierzu vermochte, das war lediglich die verschiedene' Art, wie die einzelnen Menschen von den Dingen verschieden afficirt werden, ja der einzelne Mensch zu verschiedenen Zeiten, und selbst zu gleicher Zeit. Eine wirkliche Untersuchung des Erkenntnißvermögens stellte tv aber noch nicht an. Es ist aber leicht einsichtlich, daß der Skepticismus zu diesem Resultate nur durch die äußerste Sophisterei gelangen konnte, und daß er hiermit nicht bloß die dogmatische Philosophie, sondern auch sich selbst aufgelöst hatte, denn er muß, um dem Ddgmatis-i mus seine Falschheit zu erweisen, doch gewisse Gesetze des logischen Denkens anerkennen, und hiermit den Beweis zu gleicher Zeit gegen sich selbst führen. Wir wollen nur ein Beispiel anführen. Sertus bemüht sich, zu beweisen, daß es eigentlich keinen Gegenstand der Letzte giebt. keinen Lehrer, keinen Lernenden und keine Methode 15) Sext. Empir. Hypot. Pyrrh. I, 4. ton St r\ mtnxtxr} Sümf.ug avtiftenxf} (putvofxivföv xal voov/utvtov xa&' oiov Senate TQoftöVr ötf qg tgyu(j.t9a Sia xfjv iv toTg uvxtxufitEVOig nguyfiaoi xai Xoyoig iooo&z+ vtiav to iitiv ngÜTOv dg tnoy/jv, rd di fniju tovto dg axago^tav. 16> Derselbe §.12,

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