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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1854-01-30 · Heft 5 (30.1.1854) · p. Seite 53

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
18 (1854)
Issue
Heft 5 (30.1.1854)
Date
1854-01-30
Page
Seite 53 (sequence 3)
Language
German
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so zeigt sie sich also denn auch weiterhin, indem er zwischen Nutzen und Uneigennützigkeit in der Tugend nicht consequent zu unterscheiden vermag, und bald den Nutzen mit der Tugend zu identificiren sucht, bald die Pflicht um ihrer selbst' willen mit Hintenansetzung alles Vortheils erfüllt wissen will * * * 4). Jndeß konnte es nur einem so gewiegten und feinen Geiste, wie Cicero, möglich sein, sich in dieser freien, selbstständigen Weise, zu erhalten. Vielmehr wurde es nach ihm um so mehr bei den Römern Sitte, sich einer bestimmten Schule zuzugesellen, und da in hergebrachter Weise die überkommenen Lehrsätze zu üben. So blühete in Rom die epikuräische Schule, welcher Lu er etius die poetische Form zum Ausdruck lieh, den Höchsten Preis der epicuräischen Philosophie darin findend, daß sie den Menschen vom Uebersinnlichen unabhängig mache und ihn von aller religiösen Furcht befreie. Indem er, beschränkt genug, Religion und. heidnischen Cultus, wie er ihn vor sich sah/ , für Eines erachtete, setzte er das Verdienst Epikur's darein, daß er zuerst gezeigt habe, die Götter seien selige Wesen, die sich um die Welt und die Menschen nicht bekümmern, frei von allen Leidenschaften, unfähig zu lieben und zu hassen, von denen man also nichts zu hoffen und nichts zu fürchten habe. Diesen gegenüber fanden insonders die Stoiker ihre Vertretung in Rom, aber auch hier mehr von praktischer Seite. Indem Seneca die Philosophie als die unveränderliche Wissenschaft des Guten und Bösen (!.?) erklärt5), verurtheilte er alle anderweitigen Bestrebungen derselben 6). iinäm esse hominum inter ipsos vivendi parem communemque rationem; deinde omnes inter se naturali qua* dam indulgenlia et benevolentia, tum etiam societate juris contineri. 4) Cic. de offic. III, 6. non enim mihi esl vita mea ütilior, quam änimi talis afleclio, neminem ut vielem commodi mei gralia— dann aber wieder c. 28: pervertunt homines ea, quae sunt fundamenta naturae, cum utilitatem ab honestate sejungunt. Omnes enim expedimus utilitatem ad eamque rapimur, nec facere aliter ullo modo possumus. 5) Seneca, epist. 88: scientia bonorum ac malo* rum immutabilis, quae soli philosophiae competit. Amstelod. 1619 p. .517. 6) S. Über die freien Künste und Wissenschaften und deren Werth den 88. Brief ep. 106 p. 614: Sed nos ut cetera in supervacuum diffundimus, ita philosophiam ipsam. Quemadmodum omnium rerum, sic litlerarum quoque inlemperantia laboramus: non vitae, sed scholae diseiinus. Der Mann hätte jetzt.leben.sollen! Dies rächt sich wiederum an ihm, indem er. selbst In der Begründung seiner ethischen Begriffe, immerfort in der Irre geht. Es ist ihm gut, was der Natur gemäß ist. Da aber vieles Natürliche unbedeutend und zu verachten ist, so kommt es auf die Größe und Bedeutung an. Das vollkommene Gute ist daher „das Ehrenhafte, was das Begehren der Seele der Natur gemäß auf sich lenkt7)." Ist es daher zu verwundern, wenn Seneca den Selbstmord auf's Giftigste vertheidigt, obgleich dieser doch der Natur am meisten widerspricht? In ähnliche Widersprüche verfängt sich seine Lehre von Gott nach stoischen Grundsätzen. Bald ist ihm Gott und Welt Eines, wir sind „Glieder und Genossen Gottes8)." Bald wieder ist Gott die durch, die ganze Natur verbreitete Vernunft, die der Welt und deren Theilen eingesenkt ist, also die Natur selbst'-'), ja was in dem Menschen gut ist, das ist Gott; bald aber verläuft er sich, dennoch zu der Absurdität,'den Weisen über Gott zu setzen49). Es würde uns zu weit führen, hier die vielen Widersprüche aufzuzählen, in die Seneca in seiner Schrift „über die Vorsehung" sich fängt, wo er bald die Existenz des Bösen läugnet, bald wieder zugiebt und aus der Materie erklärt, bald Gott Alles bestimmen, aber doch wieder selbst der Nothwendigkeit unterworfen sein läßt, also ein Fatum anerkennt, welches „Menschliches - und Göttliches in seinem Laufe dahinreißt" (irrevocabilis humana pariter ac divina cursus vehit, de prov. c. 5.). Am meisten waren aber lediglich mit der Lehre ihres Meisters beschäftigt, ohne sie lebendig weiter zu bilden, die Schüler des Aristoteles, die Peripatetiker, unter welchen allein Alexander Aphrodisiacus zu erwähnen, welcher den eben erwähnten Fatalismus der Stoiker siegreich bekämpfte. Damals war es auch, wo.der Phtagoräismus wieder auferwcckt und bis. zu dem Satze des Apollonius von Tyana geführt ward, daß nur ein Wesen, eine Substanz eriftirt, die nicht wird und vergeht, sondern die sich ausdehnt und zufammenzieht, verdichtet und verdünnt, und durch diese Bewegung die 7) Senec. epist. 118 p. 619. 8) Sen. ep. 92 p. 547. Tolum hoc quo contine* mur, et unum est: et Deus: et socii ejus sumus, et membra. 9) Sen. de benefic. IV, 7 p. 83: quid enim aliud est natura, quam Deus et divina ralio, toll mundo et parlibus inserta? ,■ 10) Sen. epist. 53 p. 368: Est aliquid, quo sapiens antecedat Deum. Ille naturae beneficio, non suo sapiens est.

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