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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1854-01-30 · Heft 5 (30.1.1854) · p. Seite 52

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
18 (1854)
Issue
Heft 5 (30.1.1854)
Date
1854-01-30
Page
Seite 52 (sequence 2)
Language
German
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52 bensgenossen heillos herunter. Der größere Theil lebt allein dem bürgerlichen Erwerbe — der Vater, und oft der -Vater und die Mutter sehen- und beachten ihre Kinder höchstens beim Aufstehen und Niederlegen, was wissen sie von ihren Kindern? Man schickt diese in die Schule, man läßt ihnen noch ein Dutzend Privatstunden, Arbeitsstunden u. s. w. geben, und hat nun genug für die Ausbildung der jugendlichen Seelen gethan — nein, noch nicht, sie bekommen auch so viel Bücher, Kleider, Spielzeug, auch Geld mitunter, daß sie — all Dies zu schätzen verlernen. Die Behandlung der Kinder ist durchgängig eine inkonsequente, weichliche, wo der Geist der Strenge niemals, oder meist zur Unzeit hindurchdringt; die Kinder werden vorlaut, impertinent, entziehen sich früh der Zucht der Eltern, laufen Vergnügungen nach, fröhnen Lastern. ... welche Früchte aus solcher Saat! Die Uebel, die wir da geschildert haben, finden nicht etwa /allein bei den reichen nd begüterten, sondern auch bei den nur eben bemirtelten und sogar armen Juden statt. Nun gar die religiöse Erziehung... es giebt da nur zwei Extreme, entweder werden die Kinder mit dem Stock zu genauester Uebung jeder Form gezwungen, oder — sie werden nicht einmal heidnisch erzogen, sie hören und sehen von Religion, von wahrhafter frommer Ueberzeugung, von Gebet und gottesdienstlicher Uebung nichts, gar nichts. Das Resultat beider Erziehweisen ist dasselbe — Religionslosigkeit, Irreligiosität, Prunken mir Unglauben. Dem orthodoxen wie dem modernen Juden ist die Herzensfrömmigkeit, die religiöse Einfalt, die Innigkeit ab- Handen gekommen. Schwere, schwere Anklagen, aber ich höre sie ja von allen Enden erheben und wiedertönen. Am meisten leidet die Jugend darunter — das Alter hilft sich schon durch und nimmt zuletzt die Krücke der Erinnerung — aus seiner Jugend zur Hülfe, wenn die eigenen Beine doch nicht mehr fort wollen.... Also vor Allem die Erziehung muß besser werden.' Junger Vater, junge Mutter, an Euch wende ich mich — bei den älteren, die nun schon zu tief in die Gewohnheit versunken sind, hilft es doch nichts mehr — Ihr, die Ihr die Pflicht der Erziehung noch wie eine heilige Schuld, die Ihr zu lösen habt, und die zu lösen so süß ist, in Eurem Herzen träger, deren Gemüth es wie mit heiliger Weihe durchzittert, wenn es heißt: Du sollst Dein Kind erziehen!... an Euch wende ich mich! Magdeburg, den 22. Januar. Die drei großen geschichtlichen Sätze. .(Fortsetzung Ms Nr/ 1 — 3/) . .. Unter den Römern war es Cicero, der die Philosophie schriftstellernd, namentlich im höhern Alter, als er von der Wirksamkeit im Staate ausgeschlossen worden, 'heimisch machte. Er huldigte dem Eklekticismus, indem er in der speculativen Sphäre der neuern Akademie folgte, im Praktischen aber der Stoa. Das Ergebniß dieses Verfahrens war, daß er. so deutlich, wie bis dahin noch nie geschehen, zeigte, wie dem unerschütterlich festen und allgemeinen Glauben an die Gottheit vermittelst des einfachen gesunden Menschenverstandes die Speculation der Philosophie gegenüber stehe, welche noch zu keiner festen, jede Prüfung bestehenden Ueberzeugung habe gelangen können; es sei noch keine philosophische Lehre von Gott und Welt vorhanden, gegen welche der prüfende Verstand nicht siegreich streiten könne, und doch sei es möglich, daß von allen widerstreitenden Behauptungen keine einzige, aber unmöglich, daß mehr als eine wahr sei*). Cicero ist hierbei nicht Skeptiker, denn er will damit den Forschungsgeist der Menschen nur noch mehr wecken, damit dieser Gegenstand von Neuem genauer untersucht werde, denn mit dem Wegfall der religiösen Ueberzeugung gerathe das ganze menschliche Leben in Verwirrung, und jede Tugend, jede Treue höre auch unter den Menschen auf* 2). Daher gründet er auch seine ethischen Ansichten auf das Dasein der Gottheit, und erklärt sich das Recht durch die unmittelbare Unterweisung der Götter (das Gewissen) , die eine und gemeinsame Art des Lebens unter den Menschen und das natürliche Wohlwollen der Men-' schen unter sich3). So schwankend diese Feststellung ist, *) Cicero, de nat. deor. I, 2. Res enim nulla est, de qua tantopere non solum indocti, sed eliam docti dissentiant, quorum opiniones cum tato variae sint, tamque inter se dissidentes: alterum fieri profecto polest, ut earum nulla, alterum certe non potest, ut plus una vera sit. 2) Daselbst: In specie autem fictae simulationi sicut reliquae virtules ita pielas inesse non potest; cum quai simul et sanctitatem et religionem tolli necesse est, quibus sublatis, perturbatio vitae sequitur et magna confusio. Atque haud scio, an pietate adversus deos sublata, fides etiam et societas generis humani et una excellentissima virtus, Justitia tollatur. 3) Cie. de legib. 1, 13. primum quasi muneribus deorum nos esse instructos et ornatos; secundo autem loco,

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