Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 18 (1854)
- Issue
- Heft 4 (23.1.1854)
- Date
- 1854-01-23
- Page
- Seite 46 (sequence 8)
- Language
- German
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46 versündigt sich in gleicher Weise, die ersten, indem sie die Sorge für ihre Kinder andern überlassen wollen, und die Armen, die sind zumeist jedes bessern Gefühles bäar. Sie sehen Ln den Kindern nicht den Segen Gottes, die ihnen einst den Trost bringen sotten; sie sehen nur die schwere Last, daß sie ihnen das Brod geben müssen. Und kommt eS, daß die Wohlthätigkeit sich dieser armen Geschöpfe annimmt, dann fühlen sie sich jeder Last enthoben. Ich habe eö in Wien mit angesehen, wie Eltern ihre Kinder nur deshalb in die Schule schicken, weil die Kinder dadurch eine Unterstützung an Kleidern bekommen. Wohl weiß ich, daß eS manche Ausnahmen giebt; aber Ausnahmen. Die Folgen zeigen sich auch bereits sehr deutlich. ES ist das Band zwischen Eltern und Kindern sehr gelockert gegen früher. ES gilt da vollständiges Maß für Maß. Nur wo die Eltern mit ihrem Herzblute die Kinder groß ziehen, da geben sie wieder ihr Herzblut her. Ich will nicht damit sagen, als wäre der Quell der Liebe versiegt; aber jene werkt h ä t i g e se l b st a u fo pfern d e Liebe ist seltener zu treffen. Ich könnte daS Thema so fortspinnen, und müßte auch auf daS kommen, daS Sie jüngst so wahr .und klar besprochen, daS Verhältniß zwischen Dienstgeber und Dienstnehmer, doch ich müßte fürchten, die Leser zu ermüden. Darum kurz gefaßt: WaS uns fehlt, das ist: Religion. Ich werde diesen Satz nicht weiter auSführen, ich könnte in den Predigerton verfallen. Aber so viel ist gewiß, daß die Resultate deS Religionsunterrichtes, wie man ihn seit einem halben Jahrhundert reformirt, den Menschen nicht besser gemacht und am allerwenigsten den Juden. Die Bibel muß zunächst den Kindern in die Hand gegeben werden, damit sie gläubig werden. Wien- 9. Januar. (Privatmitth.) Wie die Zeitungen berichten, sollen früher die Gemeindeverhältnisse geordnet sein, welches um die Mitte dieses Jahres fallen soll, dann werden die Judenangelegenheiten daran kommen. Indessen hörte ich von gut unterrichteter Seite, daß ein Ministerialrath den Auftrag bekommen habe, Erhebungen in den verschiedenen Kronländern über die Judenfrage zu machen und darüber dann einen Entwurf vorzülegen. Dieser wird dann von einer Commission geprüft, und wenn er begutachtet ist, dem Ministerium übergeben. Vom Ministerium macht der Entwurf dann den Weg zum ReichSrathe und von da zu Sr. k. k. Majestät. FreL^- lich müssen alle Instanzen mit der ersten Vorlage einverstanden sein, wenn die Angelegenheit nicht auf weit hinaus verzögert werden soll. Und allerdings dürfte eS noch längere Zeit dauern, bis die Verhältnisse geregelt sind. DaS Jahrbuch, das die Brüder Szanto herausgeben wollten, ist in die Hände des Herrn Jost Wertheimer übergegangen. Palästina. Jerusalem, 18. December. (Privatmitth:) ES ist eine wunderbare Sache, daß in einem Lande, wie Palästina, wo Jahr aus Jahr ein daS Getreide, wie alle Lebensmittel, überaus gedeihet, und der Segen Gottes auf diese Zweige menschlicher Bedürfnisse wahrhaft auSgegossen ist, dennoch seit mehreren Jahren eine große TheUrung stattfindet, so daß die Preise seit 15 Jahren sich zuerst verdoppelten, nunmehr verdreifachten, trotz dem auch daS verflossene Jahr ein sehr gesegnetes war. DaS Geld ist sehr rar. Niemand ist da, keine Behörde, um Maßregeln zu treffen, der großen Theurung zu steuern. Und wer kennt die Ursachen? DaS vielfache Gerede, daS aus den orientalischen Wirren, die auf daS heilige Land bis jetzt gar keinen Einfluß hatten, fließt, kann doch nicht die einzige sein. Die Armuth schwebt in Lebensgefahr. Der Mittelstand verfällt in Schulden. Und Schulden hier zu Lande find das sicherste Verderben. Denn man erhält nur auf 12 bis 14 Procent geborgt, und so hat sich in kürzester Zeit eine Kapitalschuld verdoppelt. Bin doch auch ich, der ich bereits 22 Jahre im heil. Lande wohne, vor einigen Jahren durch große Schicksale in meiner Familie und die Theurung in eine Schuld von zweihundert Gulden gerathen, was hier zu Lande eine erdrückende Schuld ist! Durch die Güte.der Herren Baron Karl und William von Rothschild, deS Herrn Baron von Hirsch in München und Herrn Hanauer in Brüssel ward ich befreit, und konnte wieder frei aufathmen. ES ist in der That erstaunlich, wie Tausende von Menschen im heiligen Lande von Nichts, von rein gar Nichts leben, und auf die Mildthätigkeit ihrer Glaubensbrüder angewiesen find. Wahrhaft erschreckend