Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 18 (1854)
- Issue
- Heft 4 (23.1.1854)
- Date
- 1854-01-23
- Page
- Seite 45 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/3224737-3225877-3225882--13639-3243090- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
45 Bronn, ein „Frauen-Verein" ins Leben gerufen Wörden, dessen Tendenz es sein soll: „weiblichen Personen in Noch-, Krankheits- und Sterbefallen Liebesdienste zu ^gewähren und Liebesgaben zu spenden." — Bei der ersten zu diesem Zwecke abgehaltenen Generalversammlung haben sich bereits circa 50 Frauen und Jungfrauen dem Vereine als „beitragende Mitglieder^ angeschlossen. Zu dem in derselben Versammlung begründeten ersten Fonds sind von .der Wittwe A. Mosessohn allein 50Thlr. und von den Uebrigen zusammen auch gegen 150 Thlr. hergegeben worden. Wenn Herr Bronn sich auch ferner, waS von seiner Humanität nur zu erwarten ist, der Sache deS Vereins thätig annimmt, so ist gegründete Aussicht vorhanden, daß derselbe^ gedeihen und segensreich wirken werden In Schwersenz ist der Gastwirth Baruch zum Präses der'Stadtverordneten -Versammlung und der Generalagent A. Hirschfeld zum Schöffen (beide sind Israeliten) erwählt worden. Unter den neulich in Samter (Städteordnung vom 30. v. I.) neugewählten 9 Stadt-Verordneten befinden sich vier Israeliten. Von den neulich in den russisch-polnischen Grenzstädten so häufig vorgekommenen plötzlichen Ueberfällen und strengen Revisionen der Waarenlager rc., welche jedes Mal bedeutende ConsiScationen und noch bedeutendere Geldstrafen im Gefolge hatten, sind zumeist Juden betroffen worden, da drüben noch weit mehr als hier zu Lande der Waarenhandel in den Händen der jüdischen Bevölkerung sich befindet. Nachschrift. - So eben geht uns aus Rußland die authentische Nachricht zu, daß durch einen neuerschienenen kaiserlichen UkaS „das Geldsammeln für die armen Juden in Palästina" allen jüdischen Unterthanen deS Kaiserreichs aufS Strengste untersagt worden. Man will diese Maßregel mit dem Kriege, den Rußland jetzt im Orient führt, in Verbindung bringen. Bedenkt man, welche Summen Geldes nur aus den. Gemeinden Warschau, Wilna, Kiew, Riga, Mitau rc. nicht selten nach Palästina gingen, so dürstenden größtentheils in drückender Noth lebenden jüdischen Bewohnern dieses Landes aus der gedachten kaiserl. Verordnung kein kleiner Nachtheil erwachsen. - Ocsterreichischer Kaiserstaat. Preßbuvg, 8. Januar. (Privatmitth.) Ich habe lange gezögert, Ihnen ein Stück chronique scandaleuse mitzutheilen, das sich hier zugetragen, und das bereits seit einigen Wochen Stadtgespräch ist; indessen glaube ich der Wahrheit die Ehre erweisen zu sollen. Die Aufgabe einer Zeitung ist es eben, die Gebrechen, der Zeit aufzudecken, unablässig auf den wunden Fleck hin zu zeigen. Somit will ich Ihnen mittheilen, daß der Lehrer P. an der hiesigen Gemeindeschule mehrere der Mädchen, die die Schule besuchen, in sträflicher Weise mißbraucht hat. — Ich habe wohl nichts hinzuzufügen, um diese schmähliche That zu charakteristren, wenn die Lehrer und Leiter der Jugend sich in solcher Weise vergehen und das Vertrauen der Eltern mißbrauchen. — Doch ich muß sogleich das Wort corrigiren; — ich spreche hier von Lehrern und doch glaube ich behaupten zu dürfen, daß dies unter den Lehrern Oesterreichs, so wie unter den andern Lehrern in Israel ein vereinzelter Fall ist. Aber es ist ein böses Zeichen der Zeit, wenn daS Gift schon so weit gezehrt hat, daß eS selbst diejenigen ergreift, die als Muster und Beispiel gelten sollen. Und da wollen Sie mir erlauben, ein ernstes Wort zu sprechen, ein Videant consules den Gemeindevorständen, den Rabbinen und Lehrern, den Eltern insgesammt zuzurufen. ES ist keine Frage, daß die Sittlichkeit in Israel in Verfall ist. Ich weiß, ich spreche da eine harte Anklage aus, und doch trotz aller Liebe zu meinem Volke kann ich nicht anders. Es ist entschieden, daß die vielgepriesene Keuschheit nicht mehr in ihrer ganzen Reinheit dasteht. MaimonideS giebt als Grund für die Befchncidung an, daß der Sinnenreiz durch sie vermindert wird; in neuerer Zeit hat der Grund zumeist aufgehört. Ich will schweigen von den Männern; aber selbst bei dem weiblichen Geschlechte giebt eS solche, die davon nichts wissen wollen, daß eö der größte Schandfleck sei, sich sagen zu müssen: nt* nrnviTi. Leider muß man sich eingestehen, daß seitdem „die Kultur alles beleckt hat," das Familienleben auch nicht mehr ganz in seiner Reinheit ist und leider hat die Zeit sehr viel Aehnlichkeit mit der , von der der Prophet spricht (AmoS 2, 7.). DaS Nebel wird dadurch noch größer, daß die Jugend in den ersten Keimen zu Gründe gerichtet wird. Reich und arm