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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1854-01-23 · Heft 4 (23.1.1854) · p. Seite 44

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
18 (1854)
Issue
Heft 4 (23.1.1854)
Date
1854-01-23
Page
Seite 44 (sequence 6)
Language
German
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44 ein neues erbaut und dieses am 29. v. M. feierlich eingeweiht. Zur Verherrlichung dieses, Actes waren der Rabbiner vr. Gebhardt aus Bromberg und der Cantor Ketten auS Posen nach Samter berufen worden. Letzterer (der seinen ganzen Chor mitbrachte) hat die (zumeist von ihm selbst componirten) Festgesänge geleitet, Ersterer, in Herz und Geist-erhebender Sprache, die Fest- und Weihrede gehalten. Außer einem heitern Mahle, welches nach dem gottesdienstlichen Acte die Vorsteher, die Ehrengäste u. s. w. froh vereinigte, ward der Tag noch dadurch würdig gefeiert, daß unter die städtischen Armen ohne Unterschied des Glaubens ansehnliche Unterstützungen aus der Gemeindekaffe vertheilt wurden. — Die neuerbaute Synagoge soll, was Räumlichkeit, Festigkeit, innere und äußere Ausstattung rc. anlangt, Nichts zu wünschen - übrig lassen, und das Verdienst, bei geringen Mitteln in kurzer Zeit ein so schönes und großes Werk? ausgeführt zu haben, lediglich der rastlosen Tätigkeit des Verwaltungs-Vorstandes und der Bau-Com- , Mission — ganz besonders aber dem Eifer des Vor- - steherS, Herrn Barnaß — zuzuschreiben sein. Herr vr. Gebhardt ist nach der erwähnten Feier - noch 3 Tage in Samter geblieben, und hat daselbst am Sabbath Chanukah (31. Dec.) im neuen Tempel noch einen gottesdienstlichen Vortrag gehalten. Tags darauf aber (1. Jan.) ist derselbe nach Gnesen telegraphirt worden, um hier, in der Gemeinde, wo er früher gelebt und gewirkt hat, dem Leichenbegängnisse einer edlen Frau beizuwohnen, welche am letzten Tage v. I. — leider! nur zu früh — in'S Jenseits hinüber geschlummert war. Es ist dies die Frau Gute WittkowSka, von welcher eS in dem ihr von dem Gemeinde-Vorstände zu Gnesen gewidmeten Nachrufe heißt: „Die Verstorbene war ein seltenes Muster der? Gatten- und Mutterliebe; sie. war die Zierde ihrer? Glaubensschwestern durch Frömmigkeit, Bescheiden-' heit, Gastfreundlichkeit und ganz besonders durch - Wohlthätigkeit. Jhr.apgeborner Sinn für alles Gute,: Erhabene und Edle brachte reichen Segen nicht nur; der Gemeinde, der sie angehörte, sondern der ganzen! Stadt. Fünfzehn Jahre hindurch war -sie Vorsteherin , des „Frauen-Vereins zur Bekleidung armer jüdischer j Schulkinder," uno in dieser Würde entfaltete sich die, reichste Fülle ihres herrlichen Gemüthes; denn sie? bekleidete die arme Jugend fort und..fort und thatj stets aus eigenen Mitteln hinzu, wenn die Gaben * und Spenden, die -einflossen, nicht ausreichten. Der ganze Gründzug ihres Charakters war Menschenliebe in der weitesten Bedeutung: deS Wortes; denn ihre Menschenliebe erstreckte sich aus alle Claffen der leidenden Menschheit, und ihr war Jude und' Christ ganz gleichwenn.er der Hilfe bedürftig war. Ihr Wohlthätigkeit'ösinn trug beständig daS Gepräge der Freundlichkeit und der Milde, und das- Geben war so mit ihrem ganzen Sein -verwachsen, daß eS immer den Anschein hatte, als geschehe ihrder Geberin, mehr Gefallen, als dem Empfänger." — Der unübersehbare Zug von Menschen (auS allen Confefsionen, Standen und Claffen), welcher der Leiche bis zum israelitischen Friedhofe folgte, war wohl das sprechendste Zeugniß von der großen Achtung, in welcher die Verewigte bei allen Bewohnern GnesenS gestanden, wie von der Liebe und Anhänglichkeit, mit welcher ihr alle Herzen zugethan waren. Da aber ihre Beerdigung auf einen Tag siel, an welchem nach jüdischem Ritus keine Trauerrede gesprochen werden darf (eS war am 7. Chanukah-Tage), so hat ihr Herr vr. Gebhardt eine solche 2 Tage darauf (am 3. d. M.) in öffentlicher Synagogegehalten. — In Neustadt b. P. hat der jüdische Gemeinde-Vorstand — in Rücksicht auf die herrschende Theurung und die strenge Kälteam diesjährigen ChanUkah-Feste 30 Thlr. an verschämte Arme vertheilt. — Von der „Gesellschaft der Freunde" zu Wollstein (einem Verein, der bereits seit 13 Jahren bestehend segensreich wirkt) sind am letzten Chanukah-Tage (2. d. M.) wiederum 8 arme Schulkinder mit warmer Winter-Kleidung beschenkt worden. — In Bezug auf unsere Mittheilung in Nr. 53 v. I., betreffend die. Gründung ber Chewxa- Kedischa zu Lissa, wollen wir heute schließlich noch bemerken,. daß in der dort erwähnten General-Versammlung vom 30. Novemb. v. I. schon gegen 200 Gemeinde-Angehörige dem erwähnten Vereine als beitragende Mitglieder sich angeschlossen haben. (Vgl. den Bericht aus Posen in Nr. 1 d. J,> Aus der Provinz Posen, 13. Januar. (Privatmittheil.) Neben dem „WohlthätigkeitS-Verein," welcher in. der jüdischen Gemeinde zu Schneidemühl schon seit 8 Jahren eristirt und zum Zwecke hat- >,an verschämte Arme Geld ohne Zinsen zu leihen und daS Ausgeliehene in kleinen Raten tilgen zu lassen" — ist daselbst neulich durch den Rabbiner, Herrn

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