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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1854-01-23 · Heft 4 (23.1.1854) · p. Seite 43

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
18 (1854)
Issue
Heft 4 (23.1.1854)
Date
1854-01-23
Page
Seite 43 (sequence 5)
Language
German
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43 geschehen soll. Wir theilen dies hier insbesondere für .Diejenigen mit, welche vielleicht die Absicht haben sollten, daS hiesige Seminar zu besuchen und von dem erwähnten Beschlüsse noch nicht in Kenntniß gesetzt sind. Wie beim Abgänge, so hat sich aber auch bei. der Aufnahme der Aspirant einer Prüfung zu unterziehen. Den Unterricht in der Bildungsanstalt ertheilen die Herren Landrabbiner Dr. Meyer, Oberlehrer Dr. FrenSdorff, Oberlehrer Dr. Wiener, Jüdel und Solling, außerdem noch drei christliche Lehrer: die Herren Behre, Begemann und Wenzel,, zu denen seit Neujahr noch Herr vr. Hildebrandt kommt der den Unterricht im Deutschen übernommen hat. Wir können nicht umhin, bei dieser Gelegenheit einen schönen Zug eines der christlichen Lehrer mitzutheilen. Der genannte Herr Behre hat sich nämlich kürzlich verheirathet, und da er gern bei seiner Hochzeitsfeier auch den Seminaristen eine Freude bereitet hätte, diese aber nicht bei sich bewirthen konnte, so schickte er ihnen fünf Thaler mit der Bestimmung, daß sie sich dafür einen vergnügten Abend machen sollten, waS die jungen Leute auch im Verein mit ihren übrigen Lehrern an einem der jüngsten Chanuka- Abende thaten. Die Prüfung, welcher sich die Zöglinge bei ihrem Abgänge zu unterwerfen haben, zerfällt in eine schriftliche und eine mündliche. Die schriftliche besteht darin, daß von den einzelnen Lehrern Arbeiten über die in ihr Fach schlagenden Gegenstände ertheilt werden, und die mündliche Prüfung , die sich ebenfalls auf sämmtliche im Seminar gelehrte DiSciplinen erstreckt, findet, wenigstens so weit sie sich auf die profanen Wissenschaften bezieht, in Gegenwart eines RegierungScommiffarS statt. Diese allgemeinen Bemerkungen mögen für heute genügen und behalten wir es unS vor, gelegentlich auf diesen Gegenstand zurück zu kommen. Bremen, 8. December. An verschiedenen Orten der Stadt liegen Unterschriftsbogen einer Petition gegen die Bestimmungen des Verfassungs-Entwurfes auS, welche sich auf die Zulassung von „Nicht-Christen" zum Genüsse bürgerlicher Rechte beziehen. Die Petition, von den orthodoxen Eiferern angeregt und von dem specifisch bremischen Pfahlbürgerthum unterstützt, klagt die Juden der revolutionären Gesinnung an, und macht auf die Nachtheile aufmerksam, welche die christlichen Gewerbtreibenden durch die überlegene Geschäftsbefähigung der Juden erleiden würden. Die bezüglichen VerfaffungSbestimmungen sollen .gegen die specifische „Bremer Tugend," die Bedachtsamkeit, verstoßen. Schließlich wird eine Berufung auf den Bundestag in Aussicht gestellt,, wenn die Petition unberücksichtigt bleiben sollte. Bremen wird also auch, wie die Schwester-Republiken Hamburg und Frankfurt, seine „Verfassungs-Chinesen" bekommen. (Wes. Zeit.) Preußen. Berlin, 15. Januar. In diesen Tagen feierte der RabbinatSverweser, Herr Oettinger,; feine goldene Hochzeit. Sie erregte in den jüdischen Kreisen sehr viel Theilnahme, und Adressen nebst werthvollen Geschenken erfolgten von der Gemeinde und den verschiedenen Vereinen derselben, auch von dem Vorstände der Reformgenoffenschaft, so wie vom Polizeipräsidenten Herrn von Hinckeldey. Breslau, 8. Januar. (Privatmitth.) Siefragen mich nach den hiesigen Verhältnissen. Lassen Sie mich vielmehr, wenigstens für jetzt, über die in dieser Gemeinde, die ehemals zu den würdigsten und ehrwürdigsten gehörte, aber durch Parteizwecke förmlich auSgebeutet wird, herrschende Finsterniß einen Schleier ziehen. Nur so viel will ich hier gesagt haben, daß hierorts der vielköpfige JndifferentismuS anmaßend genug ist, sich den Anschein zu geben, die fromme Richtung zu vertreten, und daß gerade von dieser Seite insbesondere zu wiederholten Malen wahrhaft verrätherisch gegen das Judenthum gehandelt worden und noch wird*). DaS ist ja leider! ein Fluch der Halbwisser, der namentlich auf jüdischen Halbgelehrten ruht, daß sie sich nicht anders als auf den Trümmern Anderer erheben zu können glauben — auf Trümmern von Heiligthümern jedoch bejammert man in der Regel fein eigenes Grab!... Aus der Provinz Posen, 9. Januar. (Privatmitth.) Die jüdische Gemeinde zu Samter, deren Gotteshaus vor ungefähr 2 Jahren abbrannte, hat *) Aber Facta, lieber Correspondent, Thatsachen, Verehrtester! Redaction.

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