Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1854-01-23 · Heft 4 (23.1.1854) · p. Seite 42

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
18 (1854)
Issue
Heft 4 (23.1.1854)
Date
1854-01-23
Page
Seite 42 (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
98% known words query
IRI
…/3224737-3225877-3225882--13636-3243087
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

42 als vollkommen unbegründet erwiesen , indem unsere Regierung bisher durchaus auf verfassungsmäßigem Boden beharrt und haben auch bereits die Neuwahlen zu der aufgelösten zweiten Kammer nach dem Wahlgesetze von 1848 stattgehabt, bei welcher Gelegenheit wiederum vier Juden Wahlmänner geworden sind, nämlich die Herren Banquier Adolph Meyer, Fellhändler M. BehrenS, Oberlehrer vr. Wiener und Hoflakirer Frank. Auch hat sich das- Ministerium bereits in Betreff der Juden' in humanster Weise dahin geäußert, daß die schon im abgelaufenen Jahre aus Staatsmitteln zu jüdischen Zwecken verwandte Summe von 1500 Thalern auch ferner in dem Budget mit einbegriffen werden soll. Die von den vier Landrabbinern in Betreff des jüdischen Schulwesens gemachten Vorschläge haben gleichfalls zum größeren Theile die Zustimmung der Regierung gefunden und werden wohl nächstens mit geringen Modificationen als Gesetz publicirt werden. Doch nicht bloS über unsere politische Lage, sondern auch über die Pflege, welche daS jüdische Leben im Schooße unserer Gemeinde findet, haben wir Gelegenheit, dieses Mal Erfreuliches mitthejlen zu können. Mit Recht wird eS nämlich beklagt und haben eS ja auch diese Blätter oft genug mit Bedauern ausgesprochen, daß die erwachsene Jugend sich dem jüdischen Leben immer mehr entschlage, und daß bei ihr theils in Folge der geringen Beachtung, welche der jüdisch-religiöse Sinn in gar vielen jüdischen Häusern findet, theils in Folge der ihr mehr oder weniger innewohnenden Leichtfertigkeit, theils endlich in Folge ihres Umganges mit christlichen Altersgenossen sowohl die Kenntniß des JudenthumS als auch die Rücksicht gegen die von demselben gebotenen Ceremonien immer mehr schwinde. Gehört nun gleich unsere Gemeinde Gott Lob noch nicht zu denjenigen, in welchen man dem jüdischen Leben nur noch in der Synagoge ein Asyl gönnt und giebt vielmehr noch fast jedes Haus Zeugniß von dem in ihm waltenden jüdischen Geiste, so ist doch auch hier bei der erwachsenen Jugend der Einfluß der Zeit wie der Umgebung unverkennbar. Um nun diesem einigermaßen entgegen zu treten und namentlich zu verhüten, daß einzelne junge Leute nicht ganz dem jüdischen Leben entfremden, hat unser Landrabbiner, Herr Dr. Meyer, diejenigen jungen Leute, welche daS schulpflichtige Alter bereits überschritten und ihre Kenntnisse auf dem Gebiete deS JudenthumS zu erweitern suchen wollen, aufgefordert, sich bei ihm zu melden, und nachdem dies von zwölf derselben geschehen war, erklärt er diesen nunmehr in zwei Stunden wöchentlich die Psalmen, wobei er zugleich Veranlassung nimmt, noch andere die Lehre des JudenthumS betreffende Gegenstände vorzutragen und zu erläutern. Auf diese Weise wird nicht nur verhütet, daß das in der Religionsschule früher Gelernte von den jungen Leuten ganz vergessen werde, sondern auch, daß sie dem jüdischen Leben immer mehr entfremden. Wie für diese Bemühung, so verdient überhaupt Herr vr. Meyer für seine insbesondere dem Praktischen zugewendete Thätigkeit die gerechteste Anerkennung, die ihm denn auch nicht nur hier im Orte, sondern auch in seinem ganzen Sprengel zu Theil wird. Diese wurde ihm neulich auch in Celle, wo er sich auf seiner JnspectionSreise befand, dadurch bewiesen, daß, nachdem, er daselbst mit außerordentlichem Beifalle gepredigt hatte, der Vorstand ihm zu Ehren ein Festessen gab, an welchem fast sämmtliche Gemeindemitglieder Theil nahmen. Nachdem unlängst in diesen Blättern von der Bildungsanstalt für jüdische Lehrer hierselbst die Rede gewesen, benutzen wir diese Gelegenheit, hiermit Einiges über die Wirksamkeit derselben mitzuth eilen, wobei wir zugleich bemerken, daß die Unterstützung, welcher die genannte Anstalt sich von Seiten der Regierung erfreut, nicht rühmend genug anerkannt werden kann, indem letztere dieselbe seit ihrem Bestehen noch alljährlich mit einer namhaften Summe bedacht und ihr auch im verflossenen Jahre 450 Thlr. zugewendet hat. Die Anstalt trat zu Michaeli 1848 in's Leben, und hat in den fünf Jahren ihrer Wirksamkeit schon recht Tüchtiges geleistet. Die neun Zöglinge, welche daS Seminar bis jetzt nach bestandener Prüfung verlassen haben, wirken größtentheils hier im Lande als Lehrer zur Zufriedenheit ihrer Gemeinden, und von den sechswelche ohne ein abgelegtes Eramen die Anstalt verließen, haben Einige Hauslehrerstellen übernommen und die übrigen sich anderen Berufsarten zugewendet. In diesem Augenblicke befinden sich noch 16 Schüler auf dem Seminar, von denen wiederum drei nächste Ostern nach bestandener Prüfung abgehen werden. Zu derselben Zeit wird auch wiederum eine neue Aufnahme von Schülern stattfinden, was nach einem unlängst gefaßten Beschlüsse von jetzt ab alle Jahre nur einmal

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.