Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 18 (1854)
- Issue
- Heft 3 (16.1.1854)
- Date
- 1854-01-16
- Page
- Seite 36 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Belletristisches. WkÄVWMUEd i e l e H t e H a s m o n ä e r t n. . Von Schragge. I. lFortsetzung.) Ben Babusch hatte dem erregten Greise gespannt zugehört/und ehrte das Stillschweigen, in welches dieser nun -versank. Endlich erhob er das Antlitz, stützte das Kinn in die Linke, daß der graue Bart dahinter hervorquoll, und sprach: „Ach, Zsaak, was ist seitdem geschehen, welche Gräuel sind vor unfern Augen vorübergegangen, und wir mußten eS dulden, wir, denen es Gräuel sind, dulden, weil wir in allen Kämpfen unterlagen .... und warum?:... weil ausden gesegneten Hasmonäern Brudermörder geworden . weil den rechten Kämpfern die rechten Führer fehlen.,.. .ach", weil der GottJsrael's es so haben will...." „Ich habe viel gehört, Rabbi, aber ist es wahr, was ich gehört, oder von der geschwätzigen Sage vergrößert, oder gar ersonnen.... und dabei ist es mir nur bruchstückweise bekannt... „Nichts da, Knabe," erwiederte Schammai, „ich bin kein Geschichtsschreiber, und Vieles paßt sich für Dein jugendliches Gemüth nicht. Ach, ein wenig ist schon genug, um einen Teller Honig in einen Becher Wermuth - zu verwandeln. Waren nicht durch die Anstiftungen des Antipater's der König Aristobul der Hasmonäer vergiftet, sein ältester Sohn Alexander in Antiochien hingerichtet worden? Ließ nicht Herodes bald darauf den tapfern Malichus, der das Volk gegen die ungeheuren Steuern vertheidigte, in einen Hinterhalt locken und erdolchen? Kaufte er nicht hernach die Krone von Judäa in Rom vom feilen römischen Senate? Ach, da kam er mit einem zahllosen Haufen römischer Krieger und syrischer Hilfstruppen gegen Jerusalem, nahm es ein nach langer Belagerung, und ruhete nicht eher, als bis auch der König Antigonus hingerichtet wurde, und zwar, o der Schmach! unter entehrenden Ruthenschlägen! Aber während er im Blute der Vertheidiger der Religion und Nation sich badete, während er den Oheim tödtete und den Bruder der Krone beraubte, zwang er die sechszehnjährige Mariamne, die Tochter des Hingerichteten Alerander's, noch! während der Belagerung sein -Ehebett zu besteigen , und die königliche Prinzessin aus dem hohenpriesterlichen Geschlechte ward die Gemahlin des blutgierigen JdumäerS! .... Kaum hatte der Römer nun den Herodes der..widerstreitenden Nation zum Könige eingesetzt'und Jerusalem ihm unterworfen, als der neue Herrscher alle Mit- ' gliederndes Sanhedrins , alle Anhänger der.Hasmonäer, ^alle erklärten Gegner dieser idumäischen, uns aufgezwungenen Familie verhaften und morden ließ. So hat er gewükhet bis heute...." j Der Jüngling wagte die Augen nicht aufzuschlagen und den Greis anzublicken.' Nach einigem Zögern fuhr ' dieser fort: „Was haben wir für Aussichten? Das blühende Geschlecht der Makkabäer, das von Gott berufene hasmonäische Haus beruht, außer Mariamne und ihrer Mutter Alexandra, nur noch auf zwei Häuptern — dem al- ' tersschwachen Hyrcan, der an unserm Unglück Schuld ist, ' und diese in der Gefangenschaft der Parther büßt, nachdem man ihm die Ohren abgeschnitten, damit er niemals die Würde als Höherpriester wieder bekleiden könne, und 'dem jungen Aristobul, dem Bruder Mariamne's, diese beiden sind die aus dem Feuer geretteten Brände...." , „So weißt Du noch nicht, Rabbi, daß Hyrcan aus der Gefangenschaft der Parther zurückgekehrt ist nach Jerusalem?" „Wie?" fuhr der Greis aus, „Hyrcan in Jerusalem wieder?.... doch das steht ihm ähnlich, dem schwachsinnigen Manne, der die Schlangen an seinem Busen noch wärmte, als sie ihn schon zu Tode gebissen.... nicht so, 'Herodes hat ihn eingeladen, und seine Sehnsucht nach ' der Heimath ließ ihn auf die Locktöne des schlauen Idu- ' mäers hören?....." „So war es, er war so geehrt und frei in Parthiechv... „Nun," beruhigte sich Schammai, „es ist an ihm nichts mehr gelegen, das Aergste, was ihm widerfahren kann — und wird, beraubt das Volk nur eines selbstmörderischen Feiglings...." Isaak schwieg. - „Aber," hob der Greis bald von Neuem an, '„sag'. . an, Ben Babusch, zu welchem Zwecke bist Du denn hierher gekommen? Doch nicht allein, um mich zu sehen, hast Du den Gefahren getrotzt und die Mühsale -dieser Reise überständen.... Ich traue Dir die Liebe wohl zu, aber es ist jetzt keine Zeit, seinem eigenen Gelüste zu -folgen.... Aksö/sprich' - ■ - - - .......