Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 18 (1854)
- Issue
- Heft 3 (16.1.1854)
- Date
- 1854-01-16
- Page
- Seite 34 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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34 ten der Gesellschaft sy^ umfassend durchdrungen, der Einfluß des gedruckten, belehrenden und erbauenden Wortes ist ein so - allgemeiner - geworden, daß auch die'besten religiösen Reden trotz der lebendigen Macht ihver Unmittelbarkeit Gefahr leiden, nur einen gewöhnlichen vorübergehenden Eindruck zu machen, wenn sie nicht lebendige Thaten des Glaubens, bibelgeborne Zeugnisse der göttlichen Wahrheiten sind: Das oratorische Kunstwerk allein thut es nicht, und eben so wenig thun es die Wort-Blumen-Guirlanden, die so manchen geistlichen Redner zum Modeprediger seines Orts oder seirler Gegend machen. Nicht der augenblickliche Eindruck giebt einer Predigt ihren wahren Werth, sondern die Wirkung, die sie nach Tagen, Wochen oder Jahren in der Seele der Hörer zurückgelassen hat, denn sie soll nicht nur ein Schmuck des Feiertags, sondern weit mehr ein geistiges Kleid für das Werktagsleben sein. Mit solchen Gewändern dürfen wir Neumann's Predigten vergleichen. Im Bau derselben der Homilie genähert, ohne der thematischen Gliederung zu entbehren,, zeichnen sie sich durch Klarheit, Einfachheit und die eindringlichste Lebendigkeit "aus. In ruhiger Gedankenplastik baut er,' aus dem göttlichen Wort Stein für Stein entnehmend, der Feier des Tages einen Tempel, und weil er den geheiligten Kreis nie verläßt, so erhält auch die Form seiner Reden unwillkürlich die lebendige Kraft, den. unmittelbaren Gehalt, die ergreifende Wirkung, welche niemals alleiniges Menschenwerk ist. Es ist darum kein Wunder, daß Neumann's Predigten und namentlich seine Festreden, noch nach Jahren in der Erinnerung der Hörer bleiben. Er giebt weder abstracte Dogmatik/ noch nüchterne Nützlichkeitsmoral, sondern führt unmittelbar mit wenigen Worten in die rechte Stimmung des Festes und des Themas und läßt dieses mit seinem Ursprung , seinem thatsächlichen Gehalt und seiner geistigen Bedeutung selbst sprechen. Aber so kann auch Nur ein Mann predigen, der in Gegenwart der höchsten Landesautorität nicht nach irdischem Beifall hascht, sondern nur für Glauben und Glaubenstreue seine Stimme erhebt. Wir haben zum Schluß noch einer Seite von NeumannS segensreichem Wirken zu denken, der unscheinbarsten und schwierigsten. Es ist seine gesellschaftliche Stellung zu einem großen Theile der einzelnen Gemeindeglieder. Sein Einfluß, sein Rathsein Beispiel und Umgang siyd für sie zu allen Zeiten belehrend, fördernd erhebend gewesen, undsein HauS steht allen, dem Bedeutendsten wie dem Geringsten offen, der ihn suchen will. Diese Hingebung, so ausgedehnt, wie' sie Dr. Neumann auSübt, verlangt manches Zeitopfer, aber eS ist wohl auch die schönste Pflichteines Seelsorgers, wenn er auch' außer dem Gotteshause für das Wohl seiner Gemeinde lebt, Freude und Leid mit.ihren Genossen theilt, und für alle Lebensverhältnisse zu Ermunterung, Belehrung, Rath und Trost sich ihnen hingiebt. Zu diesen Kreisen kommt die große Zahl Armer und Unglücklicher, für die eS gilt, unmittelbar thätige Hilfe zu geben, oder zu verschaffen. Bald ist eS die Noth des Lebens,/ die augenblicklich gelindert werden muß, bald ist es' eine Lebenssorge, die eine Verwendung bei einer Behörde erheischt;' bald gilt es einem Rathlosen eine neue Lebensbahn zu eröffnen, oder unerwartete Hindernisse auf der gewohnten zu beseitigen. Ueberall wirkt und schafft Neumann, hilft den Bedürftigen, tröstet die Traurigen, giebt Rath den Ungewissen, fördert die Schwachen. Und das Alles geschieht' so anspruchslos und im Verborgenen, daß oft nur die Betheiligten selbst etwas davon wissen, es geschieht durch Antriebe, die nicht von außen kommen. Wir dürfen eS nicht verschweigen, daß eS ganz der geistigen Stärke bedarf, die nur ein edler Charakter giebt, um Berufs- und Menschenpflichtett so auszuüben, wie I)r. Neumann es thut, denn gar manche Hindernisse sind ihm von der Partei derer unter seinen Glaubensgenossen entgegengestellt worden, die sich mit dem wahren Geist des Judenthums noch immer nicht befreunden wollen. Aber Geduld, Nachsicht und Liebe überwindet Alles; sie wird auch Neumann über seine Gegner siegen und jetzt noch ihm Äbgewendete ihm zuwenden helfen. ‘ Korrespondenz. Zur Geschichte der Juden Glogau'S. ' - lH. ' ' 'f'f (Schluß.); 1 Wir theilen nunmehr einige die Juden betreffende Urkunden mit.' A. Verordnung des Herzogs Johann, und seiner Brüder, daß Juden, welche freveln, nach der Stadt Rechte gerichtet werden sollen (Jahr 1407).; '