Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 18 (1854)
- Issue
- Heft 3 (16.1.1854)
- Date
- 1854-01-16
- Page
- Seite 33 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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33 Herr L. de Castro ist der Herausgeber des unter dem Titel Vaw "iin erscheinenden BlatteS, das.jährlich 6 DoroS (8 Thlr.) kostet. ES berichtet über die große Theilnahme der jüdischen Bevölkerung für die Sache des Sultans. So hat der Rabbiner von Adrianopel ein Paar prächtiger Pferde zum Geschenk gemacht. Rußland. Riga, im December. (Privatntttth.) *) Nach längeren Wahlkämpfen ist so eben Dr. Abraham Neumann aus Geroldshausen bei Würzburg , seit 10 Jahren Prediger der hiesigen israelitischen Gemeinde und Oberlehrer der Ebräer-Schule, von Sr. Durchlaucht dem Herrn General-Gouverneur der Ostseegouvernements Fürsten Suworow als Rabbiner bestätigt worden. Wenn jemals ein wahres Verdienst durch Verleihung einer höhern Amtswürde eine gerechte Anerkennung gefunden hat, so ist es diesmal geschehen. Seit 10 Jahren wirkt Dr. Neumann hier fern von der Heimath, gar manchmal verkannt von einem Theil derjenigen, denen seine besten Geistes- und Lebenskräfte gewidmet sind, unter vielfach hemmenden Verhältnissen für die Veredlung seiner Glaubensbrü-' der. Seine Lebensstellung war bis jetzt durch Entbehrungen aller. Art bedingt und durch Opfer bezeichnet, die an andern Orten hingereicht hätten, den größten Theil seiner Lebenseristenz zu begründen. Selten ist ein Mann in seinem Wirkungskreise so anspruchslos und bescheiden aufgetreten wie er. Jede Kundgabe an die größere Oeffentlichkeit durch Schriftwerke hat er theils auS zu großer Bescheidenheit vermieden, theils die dafür erforderliche Zeit nicht seinen unmittelbaren, vielseitigen Berufsgeschäften zu entziehen gewagt. Dr. ReumannS Thätigkeit umfaßt zuerst die Leitung der auS 3 Elasten bestehenden hiesigen Ebräer- Schule, an der außer ihm noch zwei israelitische und ein russischer Lehrer angestellt sind. Ein großer Theil der meist in der entlegenen moskauer Vorstadt wohnenden Schüler lebt in drückender Armuth, die bisweilen so groß, ist, daß durch Kleidungsmangel der *) Wir bemerken ausdrücklich, daß diese Mittheilung uns von höchst achtbarer Hand, und ganz ohne Mitwissen des auch von uns sehr geachteten Herrn Dr. Neumann zugekommen ist. Redaction. Schulbesuch verhindert wird. Wie schwer hei solchen Zuständen Bücher und Schutbedürsnisse zu beschaffen sind, ist selbstverständlich. Da gilt eS erst zu helfen, bevor gelehrt werden kann. Mit welchen Vorkenntnissen die Kinder zur Schule kommen, welche häusliche Anregung zum Lernen ihnen wird, wenn jeder Tag der Familie einen Kampf um die ersten Bedürfnisse deS Lebens bringt, darf nicht erörtert werden. Trotz dem sproßt, wenn auch langsam, die jüngere Generation immer gedeihlicher aus, nimmt an der allgemeinen Bildung der Zeit je nach Stand und Fähigkeit einen immer lebendigeren Antheil, wodurch ihr Glück in der Zukunft immer mehr begründet wird. Gilt das von denen, die aus der Schule unmittelbar ins bürgerliche Leben ühergehen, so stellt, sich ,Dr. Neumann's Wirken noch erfreulicher heraus und ist noch bestimmter zu erkennen bei den Schülern, die von der ebräischen Schule aus das, Gymnasium besuchen. Diese werden nach Quarta und Tertia ausgenommen, wobei bemerkt, werden muß, daß. der Unterricht im Lateinischen und Griechischen nicht Schulgegenstand ist, sondern den Fähigem unentgeltlich privatim von Dr. Neumann ertheilt wird. Durch mehrere ehrende Schreiben Sr. Ercellenz deS Herrn Curators der dorpater Universität und des dorpater Lehrbezirks, General von. Craffström, sind die Verdienste Neumann's um die Schule anerkannt worden und auf Vorstellung des. Herrn Curators wurde Dr. Neumann vom Herrn Minister der Volksaufklärung im vorigen Jahre die Inspektion und .Revision der ebräischen Schulen in Curland übertragen, woran Se. Durchlaucht der Herr General- Gouverneur, Fürst Su w orow, den Auftrag anschloß, die curländischen Ebräergemeinden in Hinsicht ihres ökonomischen und sittlichen Zustandes; zu inspiriren. Von Sr. Durchlaucht wurde vr. Neumann außerdem zum Be amten für besondere Aufträge bezüglich jüdischer Angelegenheiten in den Ostsee-Gouvernements gewählt und durch Nescript deö Herrn Ministers des Innern vom August 1851 bestätigt. — Ein solches ehrendes Vertrauen wird hier nicht so leicht errungen, man giebt es nur erprobter geistiger und Charaktertüchtigkeit. Wenden wir uns zu dem religiösen und geistlichen Wirken Neumann's, zunächst zu seinen Predigten. In unfern Zeiten find gute Predigten nichts Seltenes, aber die allgemeine Bildung hat alle Schich-