Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 18 (1854)
- Issue
- Heft 3 (16.1.1854)
- Date
- 1854-01-16
- Page
- Seite 32 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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enthalten. Ihnen die Namen dieser hochherzigen Frauen in Israel zu nennen : Frau Henriette-Wertheimer, Frau Julie Schlesinger, Frau Regine Brandeis (deren sel. Schwester, Frau Therese Mayer, diesen Verein begründet hat, zu dem auch Christen beisteuern, darunter die Schwester Sr. Ercellenz des Herrn Ministers des Innern) , ferner Frau Henriette Biedermann und Frau Maria Schnapper. — Ich kann eö aber auch nicht unterlassen, einen Tadel auszusprechen. Die Damen sind in ihrem angebornen Edelmuthe zu bescheiden. Es brauchte nur die geringste Aufforderung, und sie könnten das Einkommen um ein Bedeutendes erhöhen. Zum Schluffe will ich Ihnen nur noch mittheilen, daß die erste Rate zum Tempelbau jetzt eingezahlt wird. Frankreich. Paris, im Januar. (Nach den Arch. isr. de Fr.) Die großmüthige Dame in Athen, welche einen Preis für junge jüdische Damen, die sich hebräische Kenntnisse erworben haben, gestiftet hat, als sie erfuhr, daß die junge Julie Brunschwig wegen ihres Alters nicht zur Concurrenz zugelaffen worden (vgl. Nr. 48), sandte an Herrn S Eahen für sie 1000 FrcS. — In Toulouse eristirt eine Schule, welche professionelle heißt. Jüngst führte man den Gebrauch ein, daß, wer ausgenommen werden wollte, ein Taufzeugniß beibringen müßte. Auf Beschwerde der dortigen Juden vermittelst deö Central-Consistoriums resolvirte der Minister an den Vorstand der Schule, daß entweder dieser Gebrauch ganz unterbleiben, oder die Kinder der Juden ohne solch Zeugniß zugelaffen werden müßten. — In MLcon verlangte der Schulvorstand, die jüdische Jugend sollte dem christlichen Religionsunterricht und den christlichen Andachtsübungen beiwohnen, und eS bedurfte erst der Dazwischenkunst des Ministeriums, um diesen Zwang weichen zu lassen. Ztalieu. Piemont. Der hebr. Obs. berichtet, daß in Nizza Julius d'Avigdor in die Deputirtenkammer mit 329 gegen 100 Stimmen gewählt worden. Derselbe ist ein Schwiegersohn des Herrn Aaron Asher Goldsmid in London. Turin, 28. December. Nachdem gestern der erste Präsident der Deputirten-Kammer, Herr Boncompagni, eine zur Einigung und Mäßigung ermahnende Antrittsrede gehalten, wurde die ganze Sitzung dieser Kammer durch einen interessanten Wahlsall ausgefüllt, an dessen Discussion sich zehn Redner betheiligten. Zum ersten Male seit unserer conftitutionellen Aera war es nämlich vorgekommen, daß ein Jude, der Banquier Avigdor aus Nizza , von seinen katholischen Mitbürgern in die Deputirten-Kammer gewählt wurde. Die Kammer würde ohne Zweifel diese Wahl bestätigt haben, wenn sich nicht ein anderer, schwererer, freilich durch das Gesetz nur unvollständig vorgesehener Umstand an dieselbe angeschlossen hätte. Herr Avigdor ist nämlich preußischer Consul zu Nizza. Der Art. 98. deS Wahlgesetzes erklärt nun alle Mitglieder des diplomatischen EorpS in Mission für unzulässig zur Wählbarkeit, — ein Artikel, auf welchen sich hauptsächlich die Bekämpfer der Wahl stützten, indem sie vermeinten, daß das Gesetz, welches Mitglieder der sardinischen Diplomatie von der LandeS- Dertretung ausschließt, um so weniger Mitglieder einer fremden Diplomatie zulassen könne. Das Ministerium bemühte sich vergeblich (vermittelst des Ministers des Auswärtigen, Herrn Dabormida) darzuthun, daß die Consuln nicht als Mitglieder deS diplomatischen Corps zu betrachten seien, indem er hinzufügte, daß im Falle eines Krieges die Regierung das Erequatur ausheben würde. Die Opponenten entgegneten, daß, wenn man dieses Princip annähme, auch der Consul einer feindlichen Macht in den Schooß des gesetzgebenden Körpers treten und die Geschicke deS Landes mitberathen und mitbestimmen könne. Dieses Argument übte eine elektrische Wirkung aus. Nach dreistündiger Debatte wurde die Wahl Avigdor'S mit ungeheurer Mehrheit verworfen. (Während also in Preußen ein Jude ein StaatSamt nicht bekleiden können soll, wird in Piemont ein sardinischer Jude als preußischer Beamter angesehen und ercludirt. Welche sonderbaren Complicationen unsrer Zeit! Red.) Türkei. Konstantinopel. ES ist jetzt hier abermals der Versuch mit einer Wochenschrift in hebräischer Sprache und spanischer Uebersetzung gemacht worden.