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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1854-01-16 · Heft 3 (16.1.1854) · p. Seite 31

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
18 (1854)
Issue
Heft 3 (16.1.1854)
Date
1854-01-16
Page
Seite 31 (sequence 5)
Language
German
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31 ger, die Gemeinde-Repräsentanten, Militär- und Civilbehörden, dann unter einem Baldachin der hiesige Rabbiner imb. der greise, 90jährige Rabbiner" aus Erin, darauf kamen die Thora-Träger, die Schuljugend, die übrigen Theilnehmer des Festes und eine Abtheilung der hier stationirten Uhlanen, welche den Zug beschlossen. Vor der Synagoge hielt der Zug und trat erst, nachdem einige Festgesänge in hebräischer und deutscher Sprache von dem zu dieser Feier herberufenen Cantor aus Breslau vorgetragen wurden, in das Gotteshaus. Daselbst hielt der hiesige allgemein verehrte Rabbiner Friedmann eine erhebende Weihrede, welche die Zuhörer sichtlich ergriff. Die Synagoge ist im neuesten Style gebaut und die inneren Räume sind mit vielem Geschmack reich verziert» Dem rastlosen, energischen Bemühen'des Vorstehers, Herrn I. Meyer, der mit Hintansetzung der eigenen Interessen den Bau beförderte , verdanken wir das schnelle Erstehen unseres schönen Gotteshauses. — Unsere Gemeindeverhältnisse erfreuen sich eines lebhaften Aufschwungs und berechtigen zu den besten Hoffnungen. Die seit einiger Zeit hier erstandenen wöhlthätigen Institutionen haben einen recht guten Fortgang und gewinnt namentlich der in Ihrem geschätzten Blatte bereits erwähnte Ausleihe-Verein immer mehr an Kraft und kann somit seine segensreiche Wirksamkeit immer weiter ausdehnen. Wir sind indeß auch von dem Krebsschaden eines jeden Fortschrittes und einer jeden normalen Entwickelung, woran leider die meisten jüdischen Gemeinden laboriren, nicht ganz frei. Es eristirt nämlich auch hier eine, zwar sehr zusammengeschmolzene Opposition in der Gemeinde, die Allem einen Widerstand, wenn auch nur einen passiven, entgegensetzen. Da eS aber eine hartnäckige, principloft Opposition ist, deren Mitglieder, mit sehr wenigen Ausnahmen, bereits dem greisen, verstorbenen Rabbiner ebenso opponirten, wie sie den jetzigen Zuständen in der Gemeinde Opposition entgegensetzen, so ist sie ganz bedeutungS- und wirkungslos. Oesterreichischer Kaiserstaat. Wien, 1. Januar. (Privatmitth.) Indem ich Ihnen heute beim Beginne des bürgerlichen JahreS schreibe, drängt sich mir wohl unwillkührlich der Gedanke' auf, mit welchen Hoffnungen wir daS Jahr begonnen und mit welchen Aussichten es geschloffen hat. Und doch möchte ich sagen, daß wir trotz dem nichts verloren haben; so enge. eS sich auch nach Außen gestaltet, so weit wird es nach Innen. Ich bin geneigt zu behaupten, daß das 'Judenthum beute viel kräftiger dastehet, als heute vorm Jahre. Der Egoismus , an dem unsere Zeit krankt, hat nur durch die Begünstigungen von Außen neue Nahrung bekommen, und alles lief darauf hinaus, sich fest zu stellensich zu sichern. Und ganz wahr hat Gutzkow gesagt, der Jude, der nach der Emancipation für seinen Glauben einstehet, .zählt für zwei. — Wie so daS kam, ist hier nicht der Ort zu erörtern. Es war so. Heutewo sich der Blick nach Innen gewendet hat, kam auch die Einkehr zu unS selbst, und wir.finden uns wieder. Es ist eine solche Einkehr zu sich selbst für ein Volk, wie für den Einzelnen, von großem Nutzen. Und ich möchte behaupten, daß man heuer viel mehr an das Chaenkab oder an die Makkabäer gedacht hat, als im vorigen Jahre, wenigstens ist es, gewiß,, daß bei den Juden Heuer viel weniger Christbäume aufgestellt wurdenals im vorigen Jahre. Freilich, wenn Sie fragen, wie so kommen Christbäume zum Juden, so ist es nicht ein Liebäugeln mit dem Christenthume., sondern unsere traurige trübselige Zeit hascht nach Allem, was Freude bereiten kann. Ob dadurch wirklich der trübe Geist gebannt wird, und ob nicht der alte Jude an Einem Sabbathe im Kreise seiner Familie mehr Freude gefunden hat, als heute, wo die Phantasie sich erschöpft, Freuden zu schaffen, das will ich nicht untersuchen. Das Chanukafest wurde auch Heuer in. sehr erhebender Weise gefeiert. Die FrauewVorsteherinnen des Kreuzervereins haben den Kindern, die sie unterstützen: Schulen zu besuchen rc., ein Fest bereitet. Mit eigenen Händen richteten und bereiteten sie alles zu, und die Kinder bekamen eine Jause, wie man das hier nennt, dann Geschenke an Kleidungsstücken. Herr Religionslehrer Breuer hielt, wie seit Jahren, eine herzliche Ansprache. Möge Gott das Wirken dieser wahrhaft edlen Frauen segnen! Ich muß um so mehr daS Wirken loben, weil alles persönlich geschieht. Die Frauen verhandeln selbst mit den Mindern, mit den Lehranstalten, und nehmen sich der Sache an als wahre: Mütter. Sie sind leider manchmal sogar genöthigt, den Eltern entgegen, die.Kinder.auf den Weg des Heiles zu führen. . Ich kann mich nicht

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