Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1854-01-16 · Heft 3 (16.1.1854) · p. Seite 30

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
18 (1854)
Issue
Heft 3 (16.1.1854)
Date
1854-01-16
Page
Seite 30 (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/3224737-3225877-3225881--13623-3243073
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

30 die Regel des Wahrscheinlichen sei 23). So viel wirkte dies, daß wir bei den spätem Stoikern, z. B. PosidoniuS, die Vielgötterei wieder auf eine dreifache Gottheit reducirt sehen, welche Begriffen wieder nahe kommt, nämlich Gott, Natur und Schicksal24); indeß huldigte auch dieser sogar der Wahrsagerei, indem er behauptete, daß, da die in der ganzen Natur verbreitete Denkkraft auch bei dem Opfern der' Thiere vorhanden sei, einige Veränderungen in den Eingeweiden der Opferthiere Vorgehen können, weil Alles dem Willen Gottes unterworfen sei2^). Wir find hier an dem Ende des zweiten Cyclus der griechischen Philosophie angekommen, das ungefähr mit der Zerstörung des zweiten Tempels zusammen fällt. Das griechische Alexandrien in Aegypten und die nach Rom verpflanzte griechische Wissenschaft haben der Entwickelung einen neuen Impuls gegeben. Mit diesem Impulse konnte aber keine neue Originalität geschaffen werden, und wir sehen die Philosophie nur noch einmal dieselbe Laufbahn, aber nur auf schon da gewesenen Pfaden und mit weit geringerer Kraft durchschreiten; die alten Schulen werden erneut: Epikuräer, Stoiker, Peripatetiker, ja Pythagoräer und Platoniker kreisen von Neuem, bis allein der SkepticiSmus mit frischer Energie sich an der Zerstörung aller Dieser verjüngt. Hierüber noch eine möglichst kurzgefaßte Ueberficht. (Fortsetzung folgt.) Zeitungsnachrichten. Deutschland. Hamburg. (Privatmitth.) ES rührt stch in unfern dickfelligen Bevölkerungen ein Bischen mit der Auflärung. Am Schlußtage des Jahres 1853 ward hier ein jüdischer Kaufmann zum Commerz- Bürger (Mitglied der Handelskammer) erwählt: ein Umstand, der an und für stch freilich nicht mit der Emancipation in Verbindung steht, da das Commercium bisher nur in seinem eigenen Fleische wühlte, wenn eS die ihm stch darbietenden jüdischen Arbeitskräfte unbeachtet ließ; indeß — waS wollen wir denn Mihr, als daß die Leute uns gegenüber vernünftig *3) Sext. Emp. adv. Mathem. VII. §. 171—175. u) Slob. Eclog. Phys. l. p. 178. tiqwtov (tev /«p tlvat tov 4ia} ötVTtpuv de trjv cpvav, tqIxijv de 25) Cic. de divinat. II. 15.? sein, mit andern Worten,' daß sie ihre eigene Ver- -nunst über die anerzogeneN Vorurtheile sollen siegen lassen? Einige Wochen früher hat unsere Nachbarstadt Altona ein noch frappanteres Zeichen vernünftiger Gesinnung gegeben, indem sie einen zweiten jüdischen Stadtverordneten wählte, während gerade die holsteinische Ständeversammlung beschlossen hatte, den Juden diese Wählbarkeit zu rauben. . Ei8 hiesiger jüdischer Verein zur Anschaffung billiger Lebensmittel , während dieses Winters hat guten Fortgang, indem er etwa 350 Familien'gegen 2000 Personen (und die Zahl wird noch.wachsen) mit guten Kartoffeln, Hülsenfrüchten, Roggen und Weißbroden zu Preisen versorgt, die etwa 20 Procent unter den jetzigen Marktpreisen stehen. Dieser Verein hat die Vorsicht gebraucht, seine Maaren in größerer Entfernung von hiesiger Stadt einzukaufen und sie dann nur mit großer Vorsicht anzubringen, um nicht etwa durch unbedachtes momentanes Herabdrücken der Preise die Zufuhren abzuschrecken, Und den hiesigen Händlern, Bäckern rc. ihren legitimen, durch schweres Risico erworbenen Gewinn zu entziehen. Dasselbe Princip befolgt ein anderer hiesiger allgemeiner Verein, der den gleichen Zweck im größeren Maßsiabe für die / ganze Stadt verfolgt, und seine Verkäufe nächstens eröffnen wird. Preußen. Nackel, im December. (Privatmitth.) Die Einweihungsfeier einer Synagoge ist wohl auch für weitere jüdische Kreise nicht ohne Interesse, um so mehr dürste dies bei der am 1. d. M. hier siattgehabten Einweihungsfeier unserer neuerbauten Synagoge der Fall sein, da sie durch die zahlreiche Betheiligung der verschiedenen Religionsbekenner an derselben die vielfachen confessionetten Reibungen in letzter Zeit, den offenkundigen Zeichen von Intoleranz in einzelnen Ortew gegenüber, zeigte, daß, letztere hier keinen Boden hat. — Die Feier machte einen.imposanten Eindruck. In der Behausung des Rabbiners versammelten sich die Theilnehmer deS Festes und begaben sich um 1 Uhr Nachmittags in geordnetem Zuge unter Festgesangen und Musikbegleitung nach der Synagoge. Den Zug eröffnete der Vorstand der Gemeinde, diesem folgte das Mustkchor und die Sän-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.