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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1854-01-16 · Heft 3 (16.1.1854) · p. Seite 29

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
18 (1854)
Issue
Heft 3 (16.1.1854)
Date
1854-01-16
Page
Seite 29 (sequence 3)
Language
German
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2S und zwar ein feuriger, darum sterblich "). Wie Epikur den Demokrit, so hatte Zeno den Heraklit zum ersten Führer genommen. Diesem ausschreitenden und in's Leere führenden Dogmatismus, der auf die allem Menschenverstände Hohn, sprechenden Gegensätze auslief, gegenüber mußte der Skepticismus wie von selbst wieder erstehen, und fand seinen Hauptsitz unter den sogenannten Akademikern, die, so verschieden sie auch in ihren Philosophemen sind, ihren gemeinsamen Namen von dem Orte ihrer SchuleAhaben. Der Vater des zweiten Skepticismus war Arcesilaus aus Pitane (geb. 318 vor, der gew. Zeitrechnung; er stellte den merkwürdigen Satz auf: daß die speculativen Behauptungen sich immer wieder aufhe- Len, indem für die entgegengesetzten gleich starke Gründe gesagt worden, und sich sagen lassen, woraus er folgerte: es läßt sich nichts wissen,, nichts mit Gewißheit behaupten. Es liegen also die Gegensätze im menschlichen Geiste selbst, und. das menschliche Denken bewegt sich nur innerhalb der Gegensätze"). Der Mensch könne demnach nichts wissen, nicht einmal, was Sokrates meinte, daß er nichts wisse, sondern für den Menschen sei Alles in Dunkel gehüllt "). Dennoch erkannte Arcesilaus an, daß der Mensch nach gewissen Regeln denke, und behauptete/ daß er in seiner Vernunft eine Richtschnur für sein Handeln) finde, und Recht sei, wofür man einen vernünftigen Grunp. angeben könne"). Man sieht, der Skepticismus schlägt sich hiermit selbst in's Angesichts - indem er „einen vernünftigen Grund angeben zu können" vorgiebt, während er der Vernunft alle Objectivetät abspricht, und für jedes Gegentheil gleich starke vernünftige Gründe angeben zu können behauptet. Es versteht sich, daß dieses Philosophiren keinen Raum'mehr für, Gott läßt, wie wir auch 14) Diog. Laert. VII. §. 156. Zqveop — nvevfta fV&iQ/LlOV tivcu ZTjP XfJV/TjV —7- (ffrctQTTJP 3k UV Ul. ") Cic. Acad. Quaest. II, 24. — ut doceret, nullum lale esse visum a vero, ul non ejusdem modieliam a falso posset esse. ’ ,6) Ebendas. I, 12. Itaque Arcesilas negabat esse quidquam, quod sciri posset, ne illud quidem ipsuin, quod Socrates sibi reliquisset. Sic omnia latere censebat in occullo, neque esse quicquam, quod cerni aut intelligi possit. ") Sexlus Empir. adv. JMathem. VII. §. 158. typ Je epqovrjaiv y.ivtiüd'at ev rotg xaTOQ&oüfiacrt * zo de xazogd-wjua elvui, oneg nqaxd-iv evtoyov eyu zrfv unoloyiup' o ngogtyo[ievog ovv zw evXoyep, xazogfhaoei mi eudwfAQprjOit. . . noch vom Aristo von Chius wissen, daß er das. Dasein Gottes bestritt"). Während demnach der Skepticismus bis zur Gottesleugnung kam, gelangte die Stoa bald dahin, die Vielgötterei philosophisch zu deduciren, indem Cleanth das Feuer des Zeno in die Sonne verwandelte, von welcher die Vernunftkraft als Wärme sich durch die ganze Natur ausbreite "). Während ihm die Sonne der eigentliche Gott war (to ^ye/zovixov), waren die Sterne und Planeten Götter zweiten Ranges, die entstehen und vergehen, indem sie in die Sonne (Zeus) aufgehen20). Dieser Gott ist das vollkommenste Wesen, weil, da unter den Wesen ein Gradunterschied vorhanden, so daß eines vollkommener als das andere ist, ein vollkommenstes sein muß2*). Dieser philosophisch deducirte Polytheismus blieb denn auch Eigenthum der Stoa, und wurde z. V. von Ehrysi pp noch verfeinert, indem er Gott als Naturkraft und als Vernunft unterschied, immer aber körperlich als Luft und Aether, die das Vehikel des thätigen PrincipS oder der Gottheit seien 22). Es war daher dem größten Nachfolger des Arcesilaus, dem geistreichen und beredten Carneades (geb. 217), leicht, einer so schwachen Lehre die vollständigsten Widersprüche nachzuweifen, und den Skepticismus siegreich alle Beweise der Stoa über Gott vernichten zu lassen, indem er immer von den Voraussetzungen der Stoa selbst ausgeht. Daher bildete CarneadeS den Skepticismus zu vollständiger Negation aus, so daß er nichts mehr behauptete, (selbst nicht, daß er nichts behaupte,) und dem Menschen nur noch die „Wahrscheinlichkeit" ließ. Indem er gegen den Anthropomorphismus der dogmatischen Schulen zu Felde "zog, und die Vielgötterei der Stoa lächerlich machte, bekämpfte Carneades den Aberglauben wirksam, wußte aber freilich — nichts an die Stelle zu setzen, indem er consequent genug war, jedes Princip abzuweisen; auch das Handeln des Menschen stützt er daher nur aus Regeln der Wahrscheinlichkeit, indem das Gewöhnliche (das oft Wahrgenommene) ") Cic. de nat. deor. I, 14. qui neque iormam dei intelligi posse censeat, neque in diis sensum esse dicat, dubitetque omnino, deus animans, necne sit. 19> Diog. Laert. VIII. §.139. 20) Plutarch. adv. Stoic. p. 1075. 21) Sext, Empir. adv. Malbem. IX. §. 88. ei epvaig epvaewq eozi xgehrojv, ut] uv zig uqiotv) (pvaig• ei 1Itvyrj tyvyrjg lozi xgekzeav y ety av zig agiozi] 'ifjvyj] xzX. ov yotQ eig einet gov exnmzeiv neepvxe zu zoiavzu. 22) Stob. Eclog. Phys. I.; p. 374.

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