Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 18 (1854)
- Issue
- Heft 3 (16.1.1854)
- Date
- 1854-01-16
- Page
- Seite 28 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 89% known words query
- IRI
…/3224737-3225877-3225881--13621-3243071- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Gott als Weltregierer und Unsterblichkeit bestreitet, weil ihm beide für die Erreichung der Schmerzlosigkeit und die Erlangung ungestörten Vergnügens nur hinderlich waren. Ihm ist das Weltall ein Körper; dieser Körper bewegt sich im leeren Raume; außer diesen beiden giebt es nichts weiter. Die Körper bestehen aus Atomen, die unveränderlich und untheilbar sind*). Die Welt, sagt Epikur, und hier erkennt Man die Einseitigkeit des Autodidakten so recht, kann gar nicht von Göttern geschaffen sein, weil diese als vollkommene Wesen nicht arbeiten können, weil keine Ursache denkbar ist, um derentwillen , fie die Welt schaffen sollten, und weil die Welt unendlich im Umfang ist, also gar nicht gebildet und regiert werden kann. Auch ist die Welt zu sehr voll Mängel, als daß fie für das Werk einer vernünftigen Ursache gehalten werden könne ^/sondern sie ist entstanden, weil sich die Atome von Ewigkeit in dem leeren Raume bewegen, und Epikur erklärte nun weitläufig und viel willkürlicher als irgend einer der Dogmatiker, die er bestreitet, wie durch .eine zufällige Abweichung der Atome von der senkrechten Linie die Dinge geworden sind. Was bewirkte aber diese. Abweichung?4 5 6 *) Es versteht sich von selbst, daß ihm die Seele auch aus Atomen besteht, und zwar den rundesten, feinsten — (unter Anderm weil nach dem Tdpe keine Abnahme an Gewicht zu spüren!) Indem nun Epikur die Furcht vor den Göttern bekämpfte, fühlte er doch, daß ihm dies so wenig wie irgend einem Gottesleugner gelingen würde, und er ging daher auf dem Wege des Demokrit weiter, indem er, wie dieser, die Vorstellungen von Göttern von Bildern Herkommen ließ, welche Bilder ihm aber wirklich von Göttern herkamen, die da aus Atomen bestehende, lebendeWesen von unermeßlicher Größe und menschlicher Gestalt, unsterblich und selig sind, sie haben einen Quasi- Körper, Quasi-Blut — und was dergleichen Unsinn mehr, so daß man'sich sobald schon fragen kann, wie dergleichen nach Anaragoras, Sokrates, Plato, Aristoteles möglich war? (Eine Frage, die man sich so . oft-bald nach einer klassischen Zeit vorlegen kann.) Und doch fand es Eingang, ja bei seinen Schülern Bewunderung. Den Epikuräern gegenüber entstand die Stoa, in der ein würdiger Ernst herrschte, indem fie die Philosophie als die Wissenschaft der Weisheit, welche das 4) Das. §, 39—41, 5) Lucret. V. v. 157—181. 200—235. 6) Mit Recht sagte schon Cicer. de finib. I, 6. Itaque attulit rem commentiliam; ■— quae cum res Iota ficta sit pueriliter, tum ne efficit quidem quod vult. höchste. Gut des Menschen ist, bezeichnet?). Aber ihr Stifter, Z enö, ging von den Sätzen aus, daß Reales nur durch-Reales erklärt werden dürfe; wir kennen aber nichts Realesmit Substanz und Causalität außer, den Körpern; also taugt nur das Körperliche zur Erklärung des Realen. So gelangt er dahin, Gott und Seele für materielle Wesen zu halten8). In der ursprünglichen Materie aller Dinge war das Feuer das thätige Princip, das die Dinge bildete, und in jedem Elemente etwas zurückblieb9). Dieses thätige Princip war ihm Gott, dem er nun, trotz seiner materiellen Natur, die höchste Vernünftigkeit zuschreibt, weil aus ihm vernünftige Wesen entstehen. Gott und Natur sind ihm Eines, und die Natur ein künstlerisches Feuer, welches nach den Gesetzen Alles erzeugt 1°). Das Wesen der Gottheit bestehet aus Feuer, das als Wärme, oder als Aether, welchen die Stoiker nvev^ia nennen, alle Wesen durchdringt. Die Stoiker unterschieden daher bald zweierlei Feuer, das gewöhnliche und ein feineres, wie solches Natur und Seele sei"). Als ursprüngliche Vernunftkraft ist die Gottheit auch die Urquelle alles Rechts und des Sittlichen, indem das höchste sittliche Princip ist: der Natur folgen"). Der Gottheit Zweck ist, daß die Welt geschickt sei zum Bestehen, daß sie nichts ermangele, und besonders' daß in ihr die höchste Schönheit und jeder Schmuck sei; indem die Gottheit dafür sorgt, ist fie die Vorsehung"). Indem aber die Gottheit als Feuer alle Theile der Welt durchdringt, sind auch diese göttlich, daher nach Zeno die Volksgötter Theile der Welt und der göttlichen Kraft bedeuten. — Auch die Seele war der Stoa ein Körper, 7) Senec. episl. 89. Sapieutia perfectum bonum est mentis humanae. Philosophia sapientiae amor est et ab fectatio. Haec oslendit, quo illa pervenil. 8) Cicör. AcademV Quaest. I, 11. 9) Diog. Laert. VII. §. 142. 10) Cic. de nat. deor. II, 22: Zeno igitur ita naturara definit, ut eam dicat ignem esse arlificiosum ad gignendum progredientem via. 11) Stobaeus, Eclog. phys. Vol. I. p. 538: Svo yfig yivrj nvQog xrX.--o.dtj <pvoig Ion xai ysy/tf. ") Cic. de nat. deor. I, 14. Zeno autem naturalem legem divinam esse censet, eamque vim obtinere recta imperantem, prohibentemque contraria. 13) Das. II, 22: haec potissimum providet et in bis maxime est occupata, primum ut mundus quum aptissimus sit ad permanendüm, deinde ul nulla re egeat, maxime autem, ut in eo eximia sit pulchritudo atqule omnis ornatus.