Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 18 (1854)
- Issue
- Heft 2 (9.1.1854)
- Date
- 1854-01-09
- Page
- Seite 24 (sequence 12)
- Language
- German
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testirte. „Was? sagt' ich, Ihr wollt verurtheilen und nicht ausführen; 'Ihr wagt es zu verdammen und den Verdammten entschlüpfen zu lassen? Dies Wagniß ist größer denn Eines. Lieber fteisprechen, denn Euer Urteil wird er Euch nie verzeihen, und unschädlich wollt Ihr ihn nicht machen!"... Da war es, wo Hillel aufstand und gegen mich redete. Er berief sich darauf, daß eS Rechtens wäre, das Urtheil am folgenden Tage zu rectificiren und zu verkünden *), daß es aber jedenfalls in der Macht des Sanhedrins liege; daß daher das Sanhedrin nur hierauf zu sehen habe, nicht aber auf die Folgen des Aufschubs. Es kam zur Abstimmung, und ich stand allein, ganz allein.... In der Nacht entfernte sich Herodes aus der Stadt-doch still, still, sie Alle haben es hernach mit dem Tode bezahlt, außer Hillel und mir, und ich — bin hier....." (Fortsetzung folgt.) Correfpon-enz. Zur Geschichte -er Juden Glogau'ö. m. Das nunmehr erschienene dritte Heft der Stadt und Festung Großglogau giebt uns wiederum Veranlassung, einiges die Juden Betreffende aus demselben mitzutheilen. Bevor wir dies jedoch thun, freuen wir uns, unfern in No. 37 dieser Blätter enthaltenen Bericht dahin berichtigen zu können, dass wie uns mitgetheilt worden, Herr Arnheim wiederum den Religionsunterricht den Schülern jüdischer Confession in beiden dortigen Gymnasien ertheilt. Derselbe Bericht hat auch, wie wir gleichfalls vernommen, zu einem Mißverständnisse Veranlassung gegeben. Nicht den Mangel an talmudischem Wissen inmitten der Gemeinde Glogau hatten wir damals beklagt, da wir wohl wissen, wie augenblicklich noch gar manche Persönlichkeiten sich daselbst befinden, die auf dem genannten Gebiete ausgezeichnete Kenntnisse sich erworben; wir nennen nur den greisen, überaus wohlthätigen und mit eminenter talmudischer Gelehrsamkeit ausgerüsteten Herrn I. Burgheim, der sich indeß auch mit den ,profanen Wissenschaften beschäftigt hat und es nicht verschmähet, den Tractat mit dem Euclid in der Hand zu studiren; wir nennen ferner Herrn P. Oppler, einen Mann, der nicht nur im Talmud und in der Halacha gründlich Bescheid weiß, sondern sich auch nicht geringe sprachliche Kenntnisse angeeignet hat Und noch mehrere Andere, die noch jetzt dann und wann l e rneN. Es fteut uns auch, daß seit einiger Zeit wiederum in dem dortigen i2ni?3i-r rnn ein ‘iw stattfindet, Wo bfthaa gesagt wird; dies Alles aber kann uns nicht zufrieden stellen, wenn wir sehen, wie die jüdische Wissenschaft, die fast in allen größeren Gemeinden jetzt Pflege findet, gerade dort unbeachtet gelassen wird uüd wie man namentlich durchaus keine Fürsorge trägt, die Jugend für die Kenntniß der Religion und die Wissenschaft des Judenthums zu interesstren. Eine Gemeinde aber, die noch jetzt den Ruhm hat, daß ihre Söhne in! den größten Städten Europas, in Berlin, Paris, London und anderen Orten, als geachtete Autoritäten in der genannten Wissenschaft gefeiert werden, sollte, wie wir meinen, bemüht sein, sich diesen Ruhm auch für die Zukunft zu bewahren und die alte Stadt des Glaubens und der Gesetzeskunde sollte es nicht durch Mangel an rechtzeitiger Fürsorge jetzt dahin bringen, daß jüdisches Wissen und jüdisches Leben nur zu bald völlig aus ihrer Mitte wird geschwunden sein. Wir fahren nunmehr in unserm historischen Berichte fort. Zu dem Eide, welchen wir unter No. 5 in dem Freibriefe vom Herzog Bolko bereits in No. 44 dieser Blätter erwähnt haben, wollte der genannte Herzog den Juden Vorredner oder Vorsprecher (ackvc>c:ato8 Anwälte) schaffen, die ihnen rathen und helfen und dabei ohne Verdacht bleiben sollten. Der Freibrief enthält ferner noch folgende Punkte: 6) Wenn Juden einen Betrug' thäteN oder in Buße verfielen, sollten sie ein Pfund Pfeffer geben und damit ledig sein. 7) Wenn ein Jude gegen, den AndE Klage führte, sollte er von den Judenältesten gerichtet werden. 8) Wenn Feuer in der Judenstadt auskame, sollte der, bei dem eS auskomnrt, eine Mark Groschen zahlen, im klebrigen Nicht' beunruhigt werden: 9) Daß die Juden im Lande auf- und niederziehen, von allen Zöllen und Zinsen frei, und wenn sie ohne Urlaub wegzögen, sollte dies an ihrem Frieden unschädlich sein. 10) Begehrten oder mutheten sie herzoglich Geleit, so sollte ihnen dies bis auf zehn Meilen über die Grenze gegeben werden. Einen Freibrief von fast gleichem änh'älte auf 12 *) Sanhedr. 37, 1.