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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1854-01-09 · Heft 2 (9.1.1854) · p. Seite 23

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
18 (1854)
Issue
Heft 2 (9.1.1854)
Date
1854-01-09
Page
Seite 23 (sequence 11)
Language
German
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„Was war dies für ein Tag, Meister?.... „Der Tag, an welchem bei Lebzeiten seines Vaters Antipater Herodes vor den Schranken des Gerichtes erschien. Es ist eine traurige Erinnerung, aber ich will ste nicht scheuen. O, Isaak, die Brut der Natter muß man frühzeitig zertreten, und erkennt man diese nicht etwa bald? Antipater, der Idumaer, der falsche Freund und Beherrscher des schwachen Hyrcans, des Hohenpriesters und Königs, hatte listiger Weise die höchsten Würden des Staates seinen Söhnen verliehen, und Herodes, den Zweitgebornen, zum Statthalter von Galiläa gemacht. Kaum fühlte Dieser sich an seinem Platze, so ließ er einen der gottbegeistertsten Kämpfer, den herrlichen Ezechias, ergreifen, und, ohne Gericht und Urtheil, als einen Räuber hinrichten, und viele Genossen desselben ihrem berühmten Anführer in den Tod folgen—warum? weil Ezechias stets für den hasmonäischen Fürsten gekämpft hatte, aber eben so dem Jdumäer, wie dem Römer kühn und tapfer entgegentrat. Die Mütter der Gemordeten begaben sich in Trauerkleidern nach dem Tempel, und verlangten vom Fürsten und Volke, daß Herodes vor das Sanhedrin gefordert werde, um gerichtet zu werden*). „Nun, wurde diesem Verlangen genügt?" „Der hohe Rath von Jerusalem begab fich zum Hyrcan, und stellte dem verblendeten Fürsten vor, wie er unrettbar dem Untergange zueile, falls er dem Ehrgeize AntipaterS und seiner Söhne immer mehr auch die Macht geselle; sie handelten schon als Fürsten, und nur noch einen Schritt, so bemächtigen ste sich auch der Krone." „O des prophetischen WortesUnd was that Hyrcan?" „Jetzt konnte er nicht anstehen, und so wurde Herodes zu einem bestimmten Tage auf die Anklage als Uebertreter der Gesetze vor daS Sanhedrin geladen." „Und erschien Herodes?" „Ja, er erschien, aber brauche ich Dir zu sagen, daß er seine Maßregeln wohl getroffen hatte? Er bereitete ein Truppencorps vor, in Jerusalem einzuziehen, um ihn zu vertheidigen; er suchte die Hülfe des römischen Statthalters von Syrien nach, indem er vorgab, Ezechias wäre ein Feind der Römer gewesen, und darum hätte jedes jüdische Gericht ihn freigesprochen. Der römische Statthalter schrieb desfalls an Hyrcan und befahl ihm mit Nachdruck, den Sohn des Antipater fteisprechen zu lassen. Ach, die schwache Seele des Hyrcan konnte solche Befehle nicht -.ertragen, und versank in schmähliche Furcht vor ihnen! Der Tag brach an; HerodeS erschien vor dem Sanhedrin, aber wie! In fürstlicher Prachtmit dro-' hendem Geleite, stolz wie ein Befehlshaber...." „Und was geschah nun?" „Der Hohepriester und Fürst selbst führte den Vorsitz. Der große Saal im Tempel, Lischest Hoggafit, worin der Gerichtshof saß, war angefüllt von den edelsten Männern Juda's. Ach, es hing so viel von dem Tage ab! Wurde Herodes verurtheilt, so war der Sturz der verhaßten Jdumäer gewiß und der hasmonäische Fürst frei — unterlagen wir, so war es mit der Selbstständigkeit des Sanhedrins aus. Herodes trat vor, er wartete nicht die Stimme des Vorsitzenden ab, sondern frech rief er: Ihr habt mich vorgefordert, hier bin ich, was wollt Ihr?...." „Und das ließ man sich gefallen?..." „Ja, Ben Babusch, zu unsrer Schmach. Auf die kühne Frage des verbrecherischen Schurken schwieg- Alles still; Hyrcan und Hillel als Ab-Bet-Din, alle, alle hatten den Mund verschlossen.... Da kochte es in mir auf, ich sprang von meinem Sitze und rief: „Wie, Ihr Männer des Sanhedrin, und Du, König, hat man jemals gesehen, daß Jemand, der vor Euch gefordert ist, um sich zu rechtfertigen, in solchem Aufzuge erscheint? ... Herodes, der mehrerer Morde schuldig und mit so schwerer Anklage belastet ist, zeigt sich hier in Purpur gekleider, das Haar sorgsam geringelt und von Bewaffneten umgeben. Wenn wir gegen ihn nach den Gesetzen Spruch thun, wird er demselben durch Gewalt sich entziehen und uns angreifen wollen. Ich verdenke es Niemandem, wenn er das Interesse seines eigenen Lebens über das Interesse der Gesetze stellt; aber Euch und Eurem Könige mache ich einen Vorwurf daraus, daß Ihr eine solche Unbill duldet. Wisset also, daß wenn Ihr, wie Hyrcan, Euch gefällig zu zeigen, diesen Mann der Züchtigung entziehet, welche er verdient, daß dann Herodes eines Tages Euch selber dafür bestrafen wird, Euch so wie Euren König!" *) „Konnten sie diesen Worten widerstehen?" „Allerdings begannen sie die Verhandlungen, und die. That war so offenbar, der Zeugen so viele, Herodes konnte so wenig sich vertheidigen, daß seine Verurtheilung gewiß war. Schon hatten die beiden Gerichtschreiber die Meinungen der Stimmenden ausgeschrieben, als Hyrcan aufstand und verlangte, daß die Verkündigung des Urtheils auf den andern Tag verschoben werde. Leicht erkannte ich, was im Plane lag. Ich erhob mich und pro- *) Joseph. Alterth. 14, 9. *) Salvador, Gesch. d. Römerherrschast I. S. 208.

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