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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1854-01-09 · Heft 2 (9.1.1854) · p. Seite 21

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
18 (1854)
Issue
Heft 2 (9.1.1854)
Date
1854-01-09
Page
Seite 21 (sequence 9)
Language
German
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21 grimmt über das Werk der Zerstörung, sagte er, daß, wäre er zu Hause gewesen, solch ein Act nicht hätte geschehen sollen. Auf dieses Wort ließ der Polizeidirector ihn inS Gefängniß werfen, und erst Montag in Freiheit setzen. Gleicherweise verfuhr der Beamte in noch zwei andern Häusern. Während nun der Polizeidirector vor dem Gerichtshöfe wegen eigenmächtiger Einkerkerung verklagt worden ist, haben die Juden von Gibraltar mit gedachter Beschwerdeschrift sich an das Ministerium nach London gewandt. Ueber den Erfolg werden wir berichten. Belletristisches. WTOVLOMMS/ die letzte H a s rn o n ä e r i n. Von Schragge. I. Eine öde, wüste Berggegend. Schroffe Felsen erheben sich von Porphyr und Basalt. Nackt stehen sie da in wunderlichen Gestalten. Kein Baum, kein Strauch, kein Grashalm. Nichts als Fels und Steingerölle, und blauer, tiefblauer Himmel, an dem keine Wolke, und wenn ein Luftzug in der Schlucht sich verfängt, Staubwirbel, welche die Sonne verfinstern. Bald thürmen sie sich, die Klippen, auf einander, daß sie hoch in die Wolken starren mit Spitzen und Hörnern und Kämmen und Säulen; bald ducken sie sich zu Boden, und steigen in Spalten hinunter, als ob sie sich in das Innere des Erdballs begeben wollten. Aber überall, ob hoch in der Luft, ob tief in der Erde Schooß, hat das, einst in der Vorwelt wie Blasen aufgeworfene, jetzt verwitterte Gestein große, zahllose Höhlen gebildet, die in verschiedenartigsten Mündungen zu Tage gehen, bald weitaufklaffend, bald mit engem, kaum bemerkbarem Schlund, bald droben nahe dem Gipfel, bald drunten am Boden schwarz gähnend. Kein Thier , kein Mensch. Denn, auch kein Tropfen Wassers ringsum. Kaum daß dann und wann die breiten Schwingen des Geiers über den Höhenzügen sich entfalten. Dann wohl fliegen Schaaren von Tauben herbei und dringen in die Höhlen hinein^ um sich vor, dem ehernen Schnabel und den scharftn Fangen des blutgierigen Feindes zu schützen. Pie Falten der Höhlen , und die Dunkelheit derselben bergen die unschuldig Verfolgten. Sonst findet auch nicht einmal eine dürre Vergziege ihre Nahrung in mageren Grashalmen. Dies ist das Gebirge Juda. Im Mittag des heiligen Landes streicht es hin, dem todten Meere zu, mit seinen Südspitzen an das Gebirge Se!r sich lehnend. Ost erschien der Geier über seinen Höhen, und dann flüchteten Tausende schuldlos Verfolgter in vie Höhlen, in welche der blutgierige Sieger .nicht zu dringen vermochte, weil er ihre Windungen im Schooße der Erde nicht kannte, und die Verzweiflung aus der tiefen Nacht und den Falten und Spalten der Höhlen ein starkes Schwert zu zücken vermochte. Schuldlos Verfolgter — denn seitdem Israel die Ureinwohner Canaans vertrieben, hat es stets nur Vertheidigungskriege geführt, und die Seufzer der Flüchtlinge' waren nur bittere Anklagen jener ehrgeizigen Fürsten und Völker, welche, Alles besitzen wollen, um — bald Alles wieder zu verlieren. Es ist eine tiefe Schlucht, versteckt in dem Winkel, der nach Südost abfällt. Hat jemals die Sohle eines Menschen dieselbe betreten? Doch. Dort steigt ein junger Mann hinunter. Als er die Kante der höchsten Klippe, auf der Nordseite der Schlucht, erreicht hatte, warf er sich nieder, und ob ihn das scharfe Gestein wund reiben und ritzen mußte, kroch er über die Höhe, legte sich dann hinter einen Block und schaute gen Mitternacht — ob ihn Jemand gesehen habe? Dann, als er die vollständige Oede überschaut hatte, sprang er auf, und eilte in die Tiefe hinunter zu steigen. Mühselig war der Pfad. Voller Gefahren. Ein Fehltritt, und der Jüngling lag zerschmettert im Steingrabe. Ein loser Stein, dasselbige... Unten angelangt, schaute er sich lang um. Die Schlucht hatte wie vier Seiten regelmäßig. Ueberall Löcher, schwarz gähnende Schlünde an ven Felswänden. Der Jüngling wandte sein Angesicht gen Morgen, zählte dann von Links nach Rechts die dritte Höhle ab, faßte dann über dieser eine kleine Oeffnung in's Auge, band einen Zettel um einen Stein, und schleuderte ihn geschickt in die Oeffnung. Auf dem Zettel stand: „Isaak ben Babusch sehnt sich das Antlitz seines ehrwürdigen Lehrers, Rabbi Schamwai, zu sehen." Nicht lange harrte der Jüngling. Aus der kleinen Oeffnung fiel eine Strickleiter Herab, die der Jüngling benutzte , um in wenigen Sekunden in der Oeffnung zu verschwinden; dann ward die Strickleiter zurückgezogen, und die Schlucht war öde wie vorher. . Wir folgen dem Jüngling in die Oeffnung. Einige 2*

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