Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 18 (1854)
- Issue
- Heft 2 (9.1.1854)
- Date
- 1854-01-09
- Page
- Seite 20 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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tarn deS board verworfen. Sie nimmt dabei dasselbe Recht in Anspruch, welches die City von London geübt, als sie den vom Parlament verworfenen Baron v. Rothschild zweimal wieder.erwählte, das Recht, daß in Bezug auf das Wahlrecht die Versammlung der Wähler über der Versammlung der Gewählten steht. Die übrigen drei Gemeinden werden Nachfolgen. Nachdem Alderman Salomons auf seinen Sitz im board resignirt hat, hat die Gemeinde, die er vertritt, die New Synagogue in Great Saint Helen'S am 16. d. ein Meeting gehalten, worin gegen das Votum deS board protestirt und Alderman SalomonS dringend ersucht ward, seine Demission zurückzunehmen. Wer hat an allem Dem Schuld? Kein Anderer, als Sir Mofts Montefiore; hätte dieser als Präsident sein Votum für die Ausnahme abgegeben, so wäre die Sache abgethan gewesen, denn die 22 Stimmen waren so meist' nur künstlich zusammengebracht. So aber geht der Kampf erst recht los, und kann von großer Tragweite werden. Mindestens Drei, Viertel des gebildeten TheilS der hiesigen Juden fühlt sich der Märgareth-Gemeinde näher, als dem Gegentheil, und will sich dennoch ihr Judenthum nicht von Sir MoseS absprechen lassen. (Nach dem Hebr. Observ.) London, 24. "December. Die Verwunderung über die Frechheit, mit der die eine Hälfte deS board of vexut. einer ganzen Gemeinde ihr Judenthum absprechen will, während der Talmud dasselbe selbst noch in getauften Juden anerkennt, und solchen z. B. "sv2 zu verkaufen nicht gestattet ist — steigert sich von Tag zu Tag. Wie? sagt man, unter den 23 Männern sind nicht lauter Sir Moses Montefiore'S, da sind auch solche, welche eS sich an jeder Tafel schmecken "und den Gewinnst am Sabbat sich Wohlgefallen lassen u. s. w. u. s. w., und diese wollen Mitglieder der Margareth-Street-Gemeinde für Nichtjuden erklären, darum weil sie die zweiten Festtage nicht halten, sie, die auch den ersten Festtag nicht halten? Also nicht die Frömmigkeit ist es, die den Juden ausmacht, sondern nur, ob er rth und v"-», und dann nicht wieder das ganze Jahr, in eine Synagoge geht, wo hei Leibe keinem Piut der Abschied gegeben worden? O Heuchelei,- mit im Magen, in der Tasche und Sabbat-Geld in der Börse gehen sie hin und sitzen über ihre Glaubensbrüder zu Gericht? Wehe, über diese Pharisäer, die nicht einmal wie Pharisäer das Verdienst asketischer Frömmigkeit haben, sondern allen Lüften nachgeben, sich nur ein Paar Satzungen herausholen,' die ihnen bequem sind, aber "wie Pharisäer urtheilen, verdammen und in Cherem. legen — ja, um solcher willen ist Jerusalem zerstört worden! Wohlan, wir stehen nicht an, selbst einem entnervten Geschlechte gegenüber, sie zu denunziren als die wahren Zerstörer Juda's. Wohl, der beschränkten und bornirten Einfalt gegenüber haben wir nur - Bedauern, aber der Heuchelei gegenüber haben wir mehr: Verachtung! Spanien. Gibraltar, Ende November. (Nach the Hebr. Observ.) An den Herzog von Newcastle, englischen Staatösecretair der Colonien, ist von 250 jüdischen Bürgern Gibraltars eine Beschwerdeschrift gegen den Gouverneur von Gibraltar, Sir R Gardiner, abgegangen wegen Beeinträchtigung der Glaubensfreiheit. Seit undenklicher Zeit errichten die Juden in Gibraltar ihre Laubhütten aus Mangel an Gärten und Höfen auf den platten Dächern ihrer Hauser. 1850 war in einer solchen Laubhütte Feuer entstanden, hatte aber nicht um sich gegriffen, und. der von ihm verursachte Schaden belief sich auf nicht mehr als 8 L. Sterling. Dennoch verordyete die Polizei, daß die Laubhütten nicht mehr auf die Dächer placirt werden sollten, aber der Gouverneur gab auf das Ansuchen der Gemeinde wieder die Erlaubniß. Diese hielten die Juden, wenn eS überhaupt derselben bedurfte, für eine beständige, und bauten 1851 und 1852 ungestört ihre Lauben. Aber in diesem Jahre erhielten einige Mitglieder der Gemeinde von der Polizei die mündliche Botschaft, daß keine Laubhütten gebaut werden dürften, und in betreffenden Fällen die Polizei sie wegschaffen würde. Die Vorsteher wandten sich sofort an den Gouverneur, dieser verweigerte aber die Erlaubniß durch ein Schreiben, das erst Sonnabend um 4 Uhr Nachmittags erfolgte. Mit dieser Weigerung zu gleicher Zeit drang Mr. Morgan, der Polizeidirector, in das Haus deS Abr. Benoliel, stieg auf das Dach, stieß mit den Polizeidienern die Laubhütte um und zerbrachHaS grüne- Röhricht, aus dem fte gemacht. Hiercmf kam einer der HauSeignerDanieh Benoliel,:, herauf, und er-.