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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1854-01-09 · Heft 2 (9.1.1854) · p. Seite 19

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
18 (1854)
Issue
Heft 2 (9.1.1854)
Date
1854-01-09
Page
Seite 19 (sequence 7)
Language
German
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19 und zwar 3 katholische und 3 evangelische — werden vermehrt werden, während von eineretwa in Aussicht stehenden Classen-Vermehrung der städtisch-jüdischen Schule Ln dem erwähnten Berichte durchaus Nichts gefunden wird. — ES sitzen in dem posener Stadtverordneten-Collegium a ch t I u d e n. Könnten diese Herren nicht ihrerseits darauf hinwirken, daß in Betreff des Elementarschulwesens auch der israelitischen Bevölkerung — die in Posen über den fünften Theil der Gesammt-Einwohnerschast auSmacht— Gerechtigkeit widerführe? Daß die israelitische Freischule — die seit ihrer Gründung immer nur auS drei, aber unmäßig überfüllten, Classen bestand — jetzt ebenfalls um ^mindesienS noch eine Claffe erweitert würde? — Und ist vorauszusehen, daß bei den Stadtbehörden hiermit Nichts auszurichten sein werde, warum wird dann die Sache nicht von dem Gemeindevorstand in die Hand genommen? Warum soll eS überhaupt — wie fast in jeder Stadt der Provinz — nicht auch in Posen eine jüdische Gemeindeschule geben? Posen müßte und könnte auch eine solche besitzen, die wenigstens aus 8 Classen bestände und allen ähnlichen Anstalten der Provinzialgemeinden als Muster, als Richtschnur diente. — Und besäße Posen eine dermaßen ausgedehnte Gemeindeschule, so würden daselbst erstens viele schlechte jüdische Privat- und Winkelschulen entbehrlich gemacht werden, und zweitens auch nicht mehr so stark die Nothwendigkeit vorhanden sein: „die jüdischen Kinder in die christlichen Schulen des OrtS (zu denen wir dreist auch die Gymnasien und die Realschule zählen) schicken zu müssen." — Oder Ware es leider wahr,— wie aus dem Berichte Ihres geehrten posener Correspondenten in Nr. 48 d. Bl. hervorgeht — daß ein posener Jude sich eine gewaltige Ehre daraus macht, sein Kind „Zögling einer christlichen Schule" nennen zu können, und mit namenloser Sehnsucht dem Zeitpunkte entgegensieht, wo sein Kind dasjenige Alter erreicht hat, das ihn der Ehre fähig macht, in die christliche Schule ausgenommen zu werden? — In Lissa sieht das städtische Schulwesen einer gänzlichen Umgestaltung entgegen. Wenn anders die Anträge, die dieserhalb im Schooße der Stadtverordneten-Versammlung gestellt worden, zur Ausführung kämen, so dürfte auch die dastge jüdische Schule baldigst Reformen erleiden, die ihr voraussichtlich mehr Nutzen als Nachtheil bringen würden. Der neugewählte jüdische Schulvorstand daselbst soll, wie wir erfahren, auch eine große Thätigkeit entwickeln. In der, am 30. v. M. neugewählten, Stadtverordneten-Versammlung zu Wöllstein, aus 9 Mitgliedern bestehend, befinden sich auch drei Bürger jüdischen Glaubens. Ein reicher israelitischer Kaufmann zu Lissa, Herr Simon Lövy, hat am 24. v. M. den Tag seiner silbernen Hochzeit dadurch würdig gefeiert, daß er sämmtliche Arme des Ortes, ohne Unterschied des Glaubens, mit baarem Gelde, Holz und Nahrungsmitteln (wie Brod, Kartoffeln rc.) ansehnlich beschenkte und außerdem noch an den Magistrat, wie an die jüdische Armendirection, namhafte Geldsummen zu dem Zwecke überwies, dieselben gelegentlich unter sogenannte verschämte Arme zu vertheilen. Solche Beispiele verdienen Nachahmung. Herr Lövy kann überhaupt als Einer der wohlthätigsten Männer Liffa'S mit genannt werden. Italien. Rom, im December. Der römische Ghetto, d. i. tws Iudenviertel am linken Tiberufer, war mit seinen Bewohnern seit vielen Jahrhunderten der Gegenstand der schnödesten Willkür und Tyrannei der geistlichen Beherrscher RomS. Es ist damit allerdings in neuester Zeit etwas besser geworden. Doch noch voö einigen Tagen erließ der Cardinal Generalvicar ein Edict, welches jedem christlichen Dienstboten einer jüdischen Familie aufs Strengste verbietet, auch während der Nacht im Hause der Herrschaft zu bleiben. Nur verheirathete Weiber oder Wittwen dürfen fortan während des Tages im Ghetto dienen: unverheirathete Mädchen sollen unter keiner Bedingung mehr dort zugelassen werden. Großbritannien. London, 23. December. Daß mit dem — mindestens sonderbaren — Votum des Board of Deput. die Sache nicht abgethan ist, versteht sich Wohl von selbst. Zunächst hat die Gemeinde zu Chatam, eine der vier Gemeinden, deren Abgeordneten man verworfen, weil sie zu der Gemeinde in der Margarethstraße gehören, den Herrn S. Ellis wiedergewählt, und so das Vo-

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