Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 18 (1854)
- Issue
- Heft 2 (9.1.1854)
- Date
- 1854-01-09
- Page
- Seite 18 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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18 Religion gefährdet. Herangereist kann eS ihm nur an Kraft und Math gebrechen, den Kampf mit dem Leben zu bestehen , und auch unter den ungünstigsten Umständen der Religion Israels mit Treue und Liebe anzuhangen biS zum Tode. Diese Kraft und diesen Much kann es nur besitzen, wenn es in der Kindheit mit der Milch deS göttlichen Wortes genährt, wenn Herz und Gemüth von den Lehren der heiligen Schrift erleuchtet, erwärmt, durch und durch belebt und beseelt worden. — Drei Mal daher Schmach über solche Gemeinden, die es hindern können und thun es nicht; sie tragen also mit die Schuld daran und werden eS büßen. Das Erröthen. der Jugend, von dem oben gesprochen wird, wird sie erröthen machen, wenn sie vor dem Höchsten Richter sich rechtfertigen werden müssen. — Dies Erröthen der Jugend steht im Dienste unsrer Religion höher, als das fortwährende Talmudstudiren unsrer Frömmler, welche die Hauptschuld auf sich laden, indem eine Schule und ein geregelter Unterricht im höchsten Wissen des Menschen ihnen ein Dorn im Auge ist, und sie daher jedes Zustandekommen einer solchen Anstalt durch alle möglichen Mittel zu vereiteln suchen. — Vielleicht regen diese Zeilen Einen aus diesen Gemeinden aus der Lethargie auf, daß er, den Satz unsrer Weisen: „Einem Orte, dem eS an Männern fehlt, bestrebe Dü Dich als Mann vorzustehen" in'ö Auge fassend, sich bestrebt, diese Schande von seiner Gemeinde abzuwälzen, indem er versucht, Andere dafür zu gewinnen, daß Hand gelegt wird an eine totale Beseitigung des sehr tief nagenden Uebels und der Jugend ein begeisternder und erhebender Religionsunterricht ertheilt wird. A. Br, Aus Schlesien, im November. (Privatmitth.) Dem Schreiber dieses ist seit einiger Zeit die Aufgabe, durch alle Classen eines Gymnasiums den jüdischen Zöglingen Religionsunterricht zu ertheilen. Für die Schüler der untern Classen wird , wie überall, eine biblische Geschichte und ein Religionsbuch zu Grunde gelegt. Den Schülern der obersten Classen wird in der Regel Geschichte der Juden vorgetragen. Doch muß zugegeben werden, daß der Geschichtsunterricht allein nicht genügt, daß die Zöglinge nicht durch eine Reihe von Jahren ohne eigentlichen höheren Religionsunterricht bleiben dürfen, zumal die meisten von ihnen sich den höheren Studien: der Philosophie, der Jurisprudenz oder der Medicin widmen werden und durch Mangel an einem höheren wissenschaftlichen Religionsunterricht auf dem Gymnasium später, wie das die bisherige Erfahrung genugsam beweist, gegen Religiosität im Allgemeinen und gegen jüdische noch ganz besonders vollständig indifferent werden. Sind die Gymnasiasten noch einigermaßen in die rabbinische, oder auch nur in die biblisch-hebräische Literatur eingeweiht, so kann man ihnen bei diesem Unterricht etwa den More des MaimonideS, den Cusari oder die Emunoth deS Sadiah, beziehungsweise einen biblischen Schriftsteller erklären. Wenn aber Vielen jede Kenntniß des Hebräischen, selbst die des Lesens, fehlt, so sind wir in keiner geringen Verlegenheit, solchen Jünglingen einen ihren sonstigen Fähigkeiten angemessenen Religionsunterricht zu ertheilen. Zu meiner großen Freude erblickte ich in diesen Tagen in dem Klein'fchen Kalender von diesem Jahre einen Aufsatz von Dr. Aub, Oberrabbiner zu Mainz, mit der Ueberschrift: „über den jüdischen Religionsunterricht an höheren Studien- Anstalten." Ich wußte, daß Herr Dr. Aub den jüdischen Zöglingen der Studien-Anstalt in Bayreuth den Religionsunterricht ertheilte, war aber, sehr unangenehm enttäuscht, da dieser ehrwürdige AmtSbruder bloS die Schwierigkeit aufdeckt, am wenigsten aber von dem reichen Schatz seiner mehrjährigen Erfahrung mittheilt. An ihn, wie an meine übrigen geehrten Herren AmtSbrüder, deren Beruf es ist, an den Oberclassen gelehrter Schulen solchen Jünglingen Religionsunterricht zu ertheilen, die im Hebräischen nur sehr mangelhaft vorbereitet sind, ergeht daher meine Bitte, uns ihre Ansichten, ihre Methode und Erfahrungen in diesen Blättern mitzutheilen. Sie werden sich um viele Lehrer und Lernende ein unsterbliches Verdienst erwerben, der Ideenaustausch recht vieler Männer von Beruf wird auf diesem Felde ungemein heilsam wirken. A. W. Aus der Provinz Posen, 4. Decbr. (Privatmitth.) Bei derletzthin zu Bromberg stattgehabten Stadtverordneten-Wahl nach der neuen Städte-Ordnung vom 30. Mai e. sind unter 36 gewählten Bürgern vier Juden mit aus der Wahlurne hervorgegangen. Aus dem neuesten städtischen Verwaltungsberichte des Magistrats zu Posen ist zu ersehen, daß die dasigen Elementarschulen nächstens um 6 Classen —