Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 18 (1854)
- Issue
- Heft 2 (9.1.1854)
- Date
- 1854-01-09
- Page
- Seite 17 (sequence 5)
- Language
- German
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17 Geistliche und intolerante Behörden sind bei uns Dinge, die nur dem Namen nach gekannt werden. Einige Beispiele mögen daS Gesagte bethätigen. Bei Auscheilung von Holz und Lebensmitteln an die Stadtarmen werden'auch die jüdischen bedacht. Bei der hiesigen Bürgerreffource sind die Juden nicht ausgeschlossen; eS betheiligen sich sogar viele daran. Bei den alljährlichen Wahlen der Gewerbesteuer-Deputirten werden gewöhnlich auch einige jüdische Gewerbetreibende erwählt. Schon vor vierzig Jahren bekleidete ein Jude Hierselbst das Amt eines RathmannS und Verwalters der städtischen Communalcaffe*)/ und seitdem sind bei dem hiesigen Gemeinderathe auch immer einige Mitglieder unserS Glaubens. Ferner führe ich auch andaß das Groß Strehlitzer Bataillon einen jüdischen Bataillonsschreiber hat, der die Gewogenheit seiner Obern besitzt. Auch dürfte die Nachricht von Interesse sein, daß ein jüdischer junger Arzt hierorts an der zu Schimischow, einem Dorfe eine Viertel-Meile von hier, errichteten bedeutenden Strafanstalt als Arzt fungirt, indem er bereits von dem königl. Ministerium seine Bestätigung und definitive Anstellung erhalten hat. Zum Schluffe die Bemerkung, daß in Stubendorf, einem zum hiesigen Kreise gehörigen Dorfe, ein Jude seit ungefähr zwei Jahren das Schulzenamt bekleidet. — t. - Von der Wnrthe, im December. (Privatmitth.) Der Correspondent des Artikels „Aus dem Großherzogthum Posen" in Nr. 49 dieser Zeitung weist darauf hin, wie in den größten und frömmsten Gemeinden zu wahrer Schande „seelenfangende Anstalten," wie er die Missionsschulen bezeichnet, gefunden und diese mit der größten Gleichgiltigkeit angesehen werdem Da hierin noch zu wenig daS *) Dieser Mann war der ehrwürdige Moses Liebrecht, dex, vor hundert Jahren in Namslau geboren, sich bald nach seiner Verheiratung in Strehlitz niederließ, woselbst er vor drciundzwanzig Jahren, von Allen betrauert, starbt Er genoß die Verehrung jedes Standes und ^jedes Glaubens. Sein Einfluß auf die städtische Verwaltung war bedeutend, und seine Verdienste um die hiesige Gemeinde, deren Vorsteher er beständig war, werden mit Anerkennung erwähnt. Er lebt noch jetzt im Munde der Leute, und mit Vergnügen hört man Züge seines liebenswürdigen' Charakters imd seines edlen Herzens erzählen. - Gefährliche dieser Schulen, besonders das Ziel, welchem sie nachstreben, dargethan wird, so mögen eine nochmalige Besprechung darüber und eine Stelle deS September-Heftes der „Neuesten Nachrichten aus dem Reiche GotteS" in diesen Spalten einen Platz finden. In dieser Zeitschrift laßt sich ein Mitglied deS Comitös zur Beförderung des ChristenthumS unter den Juden, welches die Prüfung in den von dieser Gesellschaft gestifteten Missionsschulen zu halten pflegt, unter Anderm auch folgendermaßen auS: „Bei keinem Gegenstände der Prüfung zeigen sie (die Kinder) einen so regen und freudigen Eifer, wie bei dem der Schristwahrheit. ES bewegt mich innig und tief, die Kinder des Volkes, daS unfern Herrn verworfen hat und verwirft, nicht nur in dem, was auf daS gegenwärtige Leben Bezug hat, sondern auch und vornehmlich in dem Worte, das aus Ihn hinweist und von Ihm zeugt, durch unS unterwiesen zu sehen, und ich suchte mir die Freude zu vergegenwärtigen, die wir einst empfinden werden, wenn wir von ihnen welche finden werden unter der Schaar, die ihre Kleider hell gemacht hat in dem Blute deS LammeS; indem ich doch glaube, das in unfern Schulen auSgestreute Wort 'dürfe jene Verheißung auch auf sich beziehen,/ eS soll thu'n , waS dem Herrn gefällt und soll ihm gelingen, dazu eS von demselben gesandt ist. Und obwohl ich sehe, daß viele Kinder, zumal in etlichen von unsem Schulen, schon erröthett, wenn sie merken, sie werden veranlaßt werden, den Namen unserS Heilandes aüszusprechen, so wird dadurch doch jener mein Glaube nicht erschüttert; indem ich weiß, Seine Gnade werde auch in ihnen allen Widerstand besiegen." Diese Stelle bedarf keiner weitern Erörterung; es geht genügend daraus hervor, daß unsre Provinz Gemeinden zählt, die, korribile clietu! kein Bedenken tragen, den Kindern eine Brücke zum Uebergang bauen zu lassen und deren Erziehung so einzurichten, daß, jedes Unterrichts in der eigenen Religion entbehrend, dagegen Kenntniß von einer andern erhaltend, ihr Abfall mehr als wahrscheinlich wird; denn „wer die Schule besitzt, hat die Zukunft in Händen." WaS steht überhaupt zu hoffen von einem Geschlechte, das ohne jede Belehrung über, ohne Sinn und Gefühl für unfern angestammten Glauben, für dieses unser geistiges Palladium, heranwächst, dagegen in der zartesten Jugend schon so Vieles hört, was seine