Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 18 (1854)
- Issue
- Heft 2 (9.1.1854)
- Date
- 1854-01-09
- Page
- Seite 15 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 88% known words query
- IRI
…/3224737-3225877-3225880--13607-3243056- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
15 heit zu verwirklichen. Gott ist daher für den Menschen das höchste Ideal der Sittlichkeit; er übt das Richteramt über den Menschen in dem irdischen und jenseitigen Leben aus, und zwar in gerechtester Weise, so daß der Mensch nur ihm möglichst nachzustreben hat6 * 8). —f Ist dies in Kurzem das System des Plato, so -lieben seine nächsten Schüler, die älteren Akademiker, diesem treu, nur daß sie die Lehre von der Wellseele (H tyvyji roü xoa/nov) weiter ausbildeten, und so den Begriff von Gott wieder verdunkelten. —- Unter allen griechischen Philosophen ist der mit dem reichsten Gemüthe und der erhabensten Phantasie begabte Plato derjenige, welcher dem geoffenbarten Worte am nächsten kam. Allerdings erkennt er Gott in so fern beschränkt, als er ihn nicht als Schöpfer auch des Stoffes erkennt, und während er Gott als absolute Ursache seht, den Stoff an und für sich ohne solche ansieht. Aber er erkennt doch in dem Geiste die Ursache des Daseins, er setzt den Geist als die Ursache des Daseienden, die Idee des Dinges ist ihm vor dem Ding selbst, und indem Gott den Stoff nach der Idee bildet, ist Gott der Schöpfer alles Daseienden. Abgesehen aber von dieser metaphysischen Construetion, sobald Plato'Gott und Mensch von ethischer Seite ansieht, da erhebt sich sein Geist zu dem reinsten und edelsten Ideal, wobei es freilich zu bedauern, daß es an einer konsequenten Durchlebung der Gottesidee fehlen mußte, so daß es nur wie Helle Fackeln in der Nacht des Heidenthums erscheint — wahrend doch die Sonne im Osten jenem Völkchen schon aufgegangen, den Nationen der Erde noch verborgen. Dem Rationalismus des Plato trat aber schon bei seinem eigenen Schüler der Empirismus des großen Stagirüen, Aristoteles, gegenüber. Aristoteles erhebt seine Philosophie auf dem Grunde der Erfahrung; diese ist ihm die einzige Quelle aller Erkenntniß; er gehet vom Sinnlich-Wahrnehmbaren, von der Natur, aus; und indem er von hier aus mit einer außerordentlichen Geistesschärfe die Begriffe analysirt, macht er auch Gott zu einer nüchternen, dialektisch gefundenen Definition. Was uns vor Allem auffällt, ist, daß Aristoteles Gott in gar keine Beziehung zur sittlichen Welt setzt, daß hier gar kein moralischer Endzweck besteht, daß bei Aristoteles weder von der göttlichen Vorsehung, von göttlichem Ge¬ 6) Theaetet. p. 280: -frabg, ov$u{.iTj ovd'a/nwg ud'ixogf ä-.X' cog olov ze dixaiozuzog, xai ovx l'aztv avzw bf-ioiOTtgov ovötv rj og äv y/uwr uv yivtytät ori öixutpiuzog. richt, noch von Gott als Ideal der Sittlichkeit, als von dem das Sittengesetz, wie überhaupt das Sittliche im Menschen ausgehet, die Rede ist. Indem Aristoteles in der Natur gar kein Uebel siebt, indem er das Böse am Menschen nur als eine Beziehung zu sich selbst betrachtet, steht Gott völlig darüber hinaus, mit einem Worte: Gott ist nur eine Idee von speculativem Interesse. Aristoteles theilt die Dinge in veränderliche und unveränderliche; die veränderlichen sind wieder entweder vergänglich oder unvergänglich. Es giebt aber nur ein unveränderliches Wesen: Gott, und ein veränderlich unvergängliches: der Himmel. Wie Plato Welt, Weltseele, Gott. so setzte Aristoteles die Wesen, den Himmel und das Urwesen (Gott). Nach Aristoteles giebt es außer der Welt keinen Raum 7), aber die Welt ist im Raum begrenzt, und zwar durch die oberste Sphäre des Himmels, der sich im Kreise herumbewegt 8); die Welt ist fernerewig, sie hat keinen Anfang und kein Ende9). Eben so ist die Bewegung ewig, ohne Anfang und Ende10). Jede Bewegung muß aber eine Ursache haben, etwas, das bewegt, und es muß daher ein erstes Bewegendes geben, welches bewegt^ohne bewegt zu werden"). Dieses erste Bewegende bewegt Etwas zuerst, das dann die Bewegung weiter fortpflanzt. Dieses erste Bewegte muß die vollkommenste Bewegung haben, die krcisförmige. DaS erste Bewegende ist Gott, dasersteBewegtederHimmcl"). Alle Kräfte der Körper auf Erden werden von dem Himmel regiert und bestimmt, weil daselbst der Anfang der Bewegung ist"); so das Entstehen und Vergehen, die Möglichkeit der Erzeugung. Gott ist das vollkommenste Wesen; er bedarf keines Handelns, um einen Zweck zu erreichen, da er Selbstzweck ist"). Er ist Geist (vovg), aber sein Denken kann nur sich selbst zum Gegenstand haben, so daß sein Denken das Denken des Denkens ist"), d. i. die Gottheit ist sich 7) Arist. de coelo I, 9. §. 10. (pavagov uqu, ozl ovze zonog, ovzt xtvov, ovze ypovog iozlv t§(p zov OVQUVOV. 8) Ebendas. I, 6 ff. 9) Ebendas. Kap. 10 ff. bis zu Ende des ersten -Buche-. 10) Arist. Ausc. phys. VIII, 1 ff. ") Arist, Ausc. phys. VIII, 5. §. 2. 5. 12) Arist. de coelo II, 3. §. 1. 13) Arist. Meteorol. I, 2: — (ocrza ndaav avzov ztjv dvva[Atv xvßtQvaad-ou txufrav. ofrtv yag zrjg xiprfaecog uq/tj näotv, lxdvi]v alziuv voftiariov nQWzrjv. ") Arist; de coel. II, 12. §. 4. zw <T wg uqkstu l'yovzt ovdiv bet 7iQa£,tioq i'ozi yag avzqi zo ov ivtxa. 15) Arist. metaphys. IX, 9. avzov aqd voet, zattq iazt zo xQuziGzov. xai Xgtlv y vcnjoig voTjoewg vorjoig*