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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1854-01-09 · Heft 2 (9.1.1854) · p. Seite 14

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
18 (1854)
Issue
Heft 2 (9.1.1854)
Date
1854-01-09
Page
Seite 14 (sequence 2)
Language
German
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14 als höchste Bezeichnung hinstellten: ovötv opi'£co ich entscheide nicht, weder dies, noch jenes (oiStv (.idlkov). Man steht hieraus, wie jetzt die ältere griechische Philosophie im Stadium der Mflösuyg, )der Aelbstzerfthung war und einer neuen Begründung bedurfte. Zu derselben Zeit traten aber die beiden größten Philosophen Griechenlands, die entscheidenden Tonangeber für Jahrtausende, nach einander auf, Plato und Aristoteles, und von diesen datirt der zweite große Cyclus des griechischen Denkens. Es ist bekannt, daß wir in den Schriften „des Plato nur seine eroterische Lehre besitzen, während die esoterische (höhere und wahre) Lehre nur mündlich seinen Schülern mitgetheilt ward. Auch ist in den Schriften Plato's Das, was uns hier interesstrt, gleichsam nur stoßweise gegeben, zerstreut, gelegentlich mit Ausnahme seiner Kosmogenie, die im „Timaios" durchgearbeitet ist, einer zum Theil sehr leicht verständlichen, zum Theil sehr dunkeln Schrift, die allerdings den Charakter des Esoterischen, wie keine andere Plato's, an sich trägt. Gehen wir von hier aus. Materie und Raum sind, nach Plato^ ewig. Aber die Materie war ohne Form, sie hatte von den Elementen in sich, aber da ihr die Form fehlte, so waren Feuer, Lust u. dgl. noch nicht wirklich daraus3). Die Materie ist nun ursprünglich in beständiger Bewegung, weil sie aus verschiedenen Stoffen besteht, und die verwandten Stoffe sich immerfort anziehen, die andern sich abstoßend). „Eben so ewig sind aber die Formen, denn jede Form eristirt als Idee. Gott verband nun mit dieser ewigen und in sich immerfort, aber ohne Ordnung bewegten Stoffmaffe die als Ideen bestehenden Formen, und schuf so die Welt nach einem vollkommenen Ideal. Diese Verbindung der Form als Idee mit dem Stoffe konnte. nur geschehen, indem Gott jedem Dinge eine die Form als Idee enthaltende Seele gab —»denn die Form ist nicht etwa blos die äußere Figur, sondern zugleich die Ordnung, das Gesetz, die vernünftige (äußere und innere) Bewegung — und Hem Weltganzen eine dem gemäße W eltseele. Das Universum (to oXov) besteht also aus der ewigen, an sich immerfort, aber regellos bewegten Materie und der die Form als Idee enthaltende und sie an die Materie zu vernünftiger, gesetzmäßiger Bewegung bindenb) Timaeus p. 48 f. ed. Tauchn. Berlin, 1831. p. 223. *) Siehe hierüber Ausführliches in unsrer °YXij av&QCon. den Seele; das Universum ist aber Werk Gottes, indem dieser mit dieser Materie diese Seele verband. Sb vollkommen aber'auch Gott die Welt zu machen suchte, so blieb^dochMn chirr Materie von ihrer ursprünglichen, regellosen Bewegung zurück) weil die Verbindung der Form mit der Materie nicht vollkommen möglich war. Die Materie fügt sich nicht ganz den Gesetzen der Seele. Daher so möglichst vollkommen die Welt anfangs war, so nimmt doch in der Zeit wachsend die Unvollkommenheit zu, woraus denn alle Uebel und alles Böse in der Welt entsteht. Daher, endlich die großen Revolutionen in der Welt, bis Gott die Regelmäßigkeit wieder herstellt. Eben so sind die menschlichen Körper und alle Thiere nicht von Gott selbst gebildet, sondern von Untergöttern, damit sie nicht Gott gleich wären. Als solche Untergötter gelten ihm die großen Weltkörper, die Sterne, insbesondere die Planeten^). Es geht hieraus hervor, daß Plato die Welt durch das, was er Weltseele, d. h. die Totalität der Ge» setze und bewegenden Kräfte, nennt, forteristiren läßt, ohne unmittelbare Einwirkung Gottes, die aber gerade dadurch, wie wir gesehen haben, von Zeit zu Zeit wieder . nothwendig wird. Dadurch wird der Begriff der Unvollkommenheit von Gott entfernt, dafür aber die Macht, d. i. das Wesen Gottes, beschränkt. / Dies ist der Boden, auf dem sich die Lehre von Gott bei Plato erhebt. Wir sehen, Plato hat die von Anaragoras angeregte Idee von der Außerweltlichkeit Gottes weiter entwickelt, er faßt Gott außerhalb der Welt, aber; sobald er sich Gott in Beziehung zur Welt denkt, steht ihm die Stoffwelt in Materie, Raum und Bewegung eben so ewig neben Gott, und Plato bedarf noch eines Dritten, eines Mediums, um Gott und materielle Welt in Verbindung zu bringen. Plato setzt daher eigentlich zwei Göttliches, Stoff und Geist, gleichmächtig nebeneinander, die so weit außer einander liegen, daß Gott als Geist weder den Stoff schaffen, noch des Stoffes unmittelbar Herr werden und ihn bilden kann. Das Dasein dieser höchsten Intelligenz erweist sich dem Plato aus der Zweckmäßigkeit in der Einrichtung der Welt, da das Zweckmäßige nur Wirkung der Intelligenz sein könne, das Regellose Wirkung der sich selbst überlassenen Materie ist. Die Anordnung und Regierung des Weltalls setzt demnach ein vernünftiges, vorstellendes Wesen voraus, von dem jene ausgeht, und dies ist Gott. Dieser Gott' ist vollkommen und die Quelle alles Guten, er ist unveränderlich und sein Gesetz ist, die höchste Vollkommen- 5) Timaeus p. 32.

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