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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1852-12-20 · Heft 52 (20.12.1852) · p. Seite 626

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
16 (1852)
Issue
Heft 52 (20.12.1852)
Date
1852-12-20
Page
Seite 626 (sequence 8)
Language
German
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626 Zeter! schrieen stürmend der wolynaer und weißrußländische Rabbiner am Meisten, wüthend klopfte der Letztere mit den Händen auf den Tisch. Herr Cherolson verlangte auch noch, die hebräischen Gebete in'S Deutsche zu übertragen, und es wurde stark debattirt. Verschiedene Berichte und Anfragen zirkulirten indessen unter den jüdischen Gemeinden über diesen glühenden Streit, ein gewisser Rabbi D. wurde auch noch von den Gemeinden eilend nach P. geschickt, der dort endlich durch seine Gelehrsamkeit in Talmud rc. zu erklären gab, daß alle Midraschim, Hagada's, wie auch alle anderen jüdischen Schriften, auch außer dem Talmud, wie auch alle Gebetbücher und Kommentare rc. rc. von jeher eristirten und daher unberührt und unverkürzt bleiben müssen, und sogar alle hebräischen Bücher wie die.Bibel zu betrachten sind! Im künftigen Jahre werden schon, wie man es für gewiß hält, die nämlichen Rabbiner nach P. nicht gerufen werden, und indessen geschehen manche Gemeindeversammlungen, um neue Mittel zu schaffen ... und wie und wer soll gewählt und nach P. geschickt werden. N. Palästina. Jerusalem. (Auszüge aus Dr. Toblers „Denkblättern". Fortsetzung.) „Wo die Juden, Christen und Mohammedaner ihre so heiligen Stätten verehren, sollte man meinen, daß Religion und Tugend triumphiren würden; ich habe aber Grund eS nicht zu glauben. Das Formenwesen erhebt allerdings stolz sein Haupt, und in der h. Stadt insbesondere bietet sich dem. Menschenforscher die Gelegenheit dar, die Beobachtung zu machen oder zu bestätigen, daß alle äußere Lockmittel-unvermögend sind, die Seele zur wahren Frömmigkeit zu stimmen, wenn deren Lebensborn nicht in der verborgenen Tiefe aufquillt." „Das Wort eines Jerusalemers ist gemeiniglich, ein Schilfrohr, seine Zunge ein Lügengewebe, als wenn Wahrhaftigkeit eine Schände wäre. Besonders ist die unterste Schicht der Juden an' die Lüge so gewöhnt, daß sie die Kennzeichen derselben und der Wahrheit gar nicht mehr zu beobachten scheint." Hingegen herrscht unter den Nichtjuden Jerusalems ein sehr widernatürliches, entnervendes Laster. Morgens sagen die Juden und Christen zum. Gruße: ßa bsh el-cher (guten Morgen). Man antwortet: Miel) ßa bsh (hundertmal Morgen). Von Morgen bis Abend sagt man: Allah mäk (Gott sei mit dir), und man erwidert: Allah hafedhak (Gott behüte dich). Abends: Mßä el-cher (guten Abend), Gegengruß: Mieh Mßä (hundertmal Abend). Nachts: Met es-ßä ideh (glückliche Nacht); Antwort: Ebrujäk (gleichfalls). Am Sabbat versammeln sich die Juden an der Kühle des Abends auf Zion; die Christen sitzen an einer Reihe am Jafathore; die Mohammedaner auf dem Vorplätze ihrer Moschee oder unter, dem Josaphatsthore. ' Ueber das heiratsfähige Alterchat man im Morgenlande nicht die gleichen Begriffe wie im Abendlanvez am Frühesten heirathen aber die Juden. Letzteren wird indeß das Heirathen vor dem zwölften Lebensjahre nicht gestattet, und will man eS eher, so ist man, nach alter Sitte, genöthigt, außer der Stadt, etwa in Tur (auf dem Oelberge) sich trauen zu lassen, zu welchem Ende man sich da etliche Tage aufhalt. Dies ist aber eine unvernünftige Nachsicht, und wir werden später sehen, wie das frühe Heirathen ein wahrer Krebsschaden für Israel ist. Ost sah ich mit dem größten Unwillen ein unbärtiges, knabenhaftes Jüdelein als Ehemännlein oder ein kindisches Mädchen als Ehesräulein! Unter den Juden thun bei Schließung deS Ehekontraktes die Eltern das Meiste, und aus Beforgniß, daß ihre Kinder sonst der Unzucht anheimfallen, befördern sie selbst die außerordentlichen Frühehen. Man schenkte mir die Aufmerksamkeit, mich zu einer spanisch-jüdischen Hochzeit einzuladen. Wir begaben uns ' in's Haus eines der vermöglicheren Sephardlm, dessen Sohn zu heirathen im Begriffe stand. Beide waren in einen weißen Mantel gehüllt, die eingeladenen Männer gingen in'S obere Zimmer, um das Gebet zu verrichten, während unten ein Mann mit dem Tamburin ausspielte. Der Gesang war der näselnde, orientalische. Unter den Männern zeichneten i sich viele Gesichter durch Schönheit, aus. Nach der Verrichtung des Gebetes zog man in ein unteres Gemach, wo die Braut unter einem Baldachine stei hend wartete.- Neben ihr leuchteten am Hellen Nachmittage zwei Frauen. Der Bräutigam, ein bartloser, knabenhafter Mensch, jedoch ein lebhaftes Bürschchen mit keckem Blicke, stellte sich neben die Braut, ohne

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