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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1852-12-20 · Heft 52 (20.12.1852) · p. Seite 627

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
16 (1852)
Issue
Heft 52 (20.12.1852)
Date
1852-12-20
Page
Seite 627 (sequence 9)
Language
German
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m jedoch diese förmlich zu siriren. Die AuS erwählte war weiß gekleidet, und ein dünner Seidenflor von gleicher Farbe deckte so das Gesichtchen, daß man dessen Schönheit, gerade wie vor dem Aufgange der Sonne die reizende Flur, belauschen konnte. ES ward nur ein Gebet, wie mir schien, mit einiger Zerstreuung gesungen, der, Ehevertrag, geschrieben auf einer Papierrolle mit roth gemalten Arabesken am Rande, vorgelesen, ein goldner Trauring der Braut an den rechten Zeigefinger gesteckt, und dem Brauti-. gam die rechte Hand gereicht. Darauf sprach der Vater, den Segen über seinen Sohn, und einige Wenige stimmten bei. Die Verlobungsurkunde ward sodann vom Bräutigam unterzeichnet. Während der Feierlichkeit waren die meisten Frauen in einem Nedengemach versammelt. Man bot gegen den Schluß Mandelsüß herum, und immer noch wie eine Statue stand die Braut, die zuerst mit einer eingeschulten Schüchternheit die Augen nicht aufschloß, nach und nach aber das Sehen dem Blindsein vorzog. Die Feierlichkeiten dauern im Ganzen acht Tage, wahrend deren der Bräutigam nicht ausgehen darf. So weit mein Augenzeugniß und meine Erkundigung in Jerusalem. Diesem füge ich noch hinzu: Ist im Verlaufe der Woche eine Trauung, so steht am Sabbat vorher ein zierlicher Traühimmel Ln der Synagoge aufgestellt, unter welchem der Bräutigam und seine zwei Brautführer während des Gottesdienstes ihren Sitz nehmen.. Wird Ersterer zur Tora vorgerufen, so. begleiten ihn diese dahin und zurück. Hierbei werden vom Vorsänger acht Verse aus dem ersten Buche MostS (24, 1—8.) abgesungen, und zwischen jeden VerS die Übersetzung deS OnkeloS eingeschaltet. Während deS Gesanges trägt der Synagogendiener eine mit Rosenwaffer gefüllte Flasche, umher, und gießt davon, aber unordentlich genug, jedem der Anwesenden in die Hand. (Fortsetzung folgt.) Arabien.; Nemen. (Jew. Intell.) Von einigen Juden, die in Jemen eingeboren, haben wir jüngst folgende Aufschlüsse über ihre Brüder in diesem Theile Arabiens erhalten. Die Anzahl der Juden in Jemen ist zwischen 30 bis 35,000 Seelen, von denen in Aden 2000, in Sana (dem Uzal der Schrift 1 Mos. 10, 27.) 10,000, in Sada 1000, in Damara (dem Hadoram d. Schr.) 1000, Hadan-esch-Scham (Diklah d. Schr.) 2000, in der Wüste von Beda 2000; der Ueberrest ist in kleinen Flecken und Dörfern zerstreut. Da Hadan-esch- Scham unabhängig vom Imam von Sana ist, so befinden sich die Juden daselbst vergleichsweise sehr wohl. Sie leben in gutem Vernehmen mit ihren mohammedanischen Nachbaren, stehen ihnen in ihren Kriegen bei,' und werden von den Mohammedanern gegen Fanatiker und Räuber geschützt. Mit Ausnahme einiger Handwerker sind sie alle Ackerbauern, und haben ihre eigenen Felder und Gärten.. Die Juden in der Wüste von Beda leben in Zelten, gleich den Beduinen, und gleich ihnen sind sie fast ganz unabhängig. Sie haben ihren eignen Scheick, von dem sie regiert werden; und sie haben oft genug Kämpfe mit den benachbarten wandernden Stämmen. Sie gleichen in großem Maße den Sitten und Gebräuchen ihrer Nachbarey. Die Juden unter der Herrschaft deS Imam von Sana sind sehr grausam unterdrückt. Kein Jude kann ein gutes oder nur ganzes Kleid tragen, aus Furcht für reich gehalten zu werden; denn wenn ein Jude im Besitz von mehr als 7 Thlr. gefunden wird, wird all seine Habe konfiszirt. Ihr Gewand besteht in einem rauhen Hemde und einem langen rmö .»i«, Sie dürfen auf einem Pferde öder Maulthiere nicht reiten, auf einem Esel nicht in Gegenwart eines Mohammedaners. Es wird erzählt, baß im vergangnen Jahre, als der Imam seine Soldaten nicht bezahlen konnte, er ihnen gestattete, die Juden zu plündern und sich so bezahlt zu machen. Hierbei wurden auch insonderS die-meisten Bücher der Juden vernichtet. Die Juden von Sana gelten für sehr streng im Allgemeinen, und viele Gelehrte unter sich zu haben. Sie sind meist Handwerker, wie Maurer, Zimmerer, Schmiede u. s. w. Die außerordentliche Wohlfeilheit der Lebensmittel scheint der Grund zu sein, welcher die'Juden in so ungastlicher Gegend zurückhätt. - ' 52*

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